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Festzug zum 100-jährigen Bestehen im Jahr 1967: Der rechte Fahnenbegleiter ist Vorstand Josef Spindler, links dahinter Hans Lory (Teilnehmer am Ersten Weltkrieg), ganz rechts Bürgermeister Josef Kolb. 

150 Jahre Veteranen- und Kriegerverein Bad Heilbrunn 

Eine feste Säule des Zusammenhalts

Grund zum Feiern hat in diesen Tagen der Veteranen- und Kriegerverein Bad Heilbrunn. Er wurde vor 150 Jahren gegründet. Das Jubiläumsfest findet am kommenden Sonntag statt.

Bad Heilbrunn Als der Heilbrunner Veteranen- und Kriegerverein 1867 gegründet wurde, waren die Schrecken kriegerischer Auseinandersetzungen in den Familien unliebsam präsent und anhaltender Frieden nicht in Sicht. 150 Jahre sind seitdem vergangen, davon die letzten 70 Jahre in unseren Breiten in glücklicher, mitunter mühsam erkämpfter Eintracht. Wie damals bildet der Verein, der am kommenden Sonntag sein 150-jähriges Bestehen feiert, auch heute eine Säule des Zusammenhalts im Gemeindeleben.

Da war 1812/13 etwa der grausam endende Feldzug von Napoleon Bonaparte gegen Russland – Bayern hatte zwangsweise den Franzosen ein Korps an die Seite zu stellen. 1813/15 kam es zu den „Deutschen Befreiungskriegen“ gegen Napoleon, 1866 wurde der „Deutsche Krieg“ zwischen Preußen und Österreich um die Vorherrschaft in Deutschland ausgetragen, und 1870 wiederum erfolgte die Kriegserklärung Frankreichs gegen Preußen, das von Bayern unterstützt wurde. Es waren angstvolle Zeiten, in denen der Heilbrunner Veteranen- und Kriegerverein laut Aufzeichnungen von 42 namentlich genannten Gründungsmitgliedern konstituiert wurde. Dies und auch der weitere Werdegang seien „nur unter dem Gesichtspunkt der Menschlichkeit, des Verstehens und Vergebens und der Mahnung zum Frieden zu verstehen“, heißt es in der Festschrift, die 1992 zum 125-jährigen Jubiläum verfasst wurde. Gemeinsamkeit sei auch durch gleichsam erlittene Schicksalsstunden entstanden, welche man mental zu verarbeiten versuchte.

1903 widmete der Verein den aus der Pfarrei stammenden Feldzugssoldaten von 1812-1870/71 eine Gedenktafel, die in der örtlichen Pfarrkirche angebracht ist und 30 Namen trägt. Die Vereinsfahne indes wurde bereits 1890 angeschafft und im Rahmen eines großen Fests geweiht. Die Ruhe währte viel zu kurz: Mit dem Ersten Weltkrieg kam neues Leid über die Menschen, und nur 20 Jahre später richtete das Nazi-Regime ein Inferno an.

Um die Erinnerung an Gefallene und Vermisste wachzuhalten, wurde 1921 nahe der Pfarrkirche ein Kriegerdenkmal errichtet, das 1956 erweitert und 1985 schließlich wegen einer Straßenverlegung um einige Meter versetzt werden musste. 20 Namen darauf bezeugen die Opfer des Ersten Weltkriegs, 58 Nennungen die schmerzlichen Verluste durch den Zweiten Weltkrieg. Aufgeführt sind außerdem auch die Gefallenen und Vermissten der Heimatvertriebenen. Johann Lory aus der Ramsau gehörte zu den glücklichen Heimkehrern des Ersten Weltkriegs – er bekam für seine besondere Tapferkeit im Feld hohe Auszeichnungen verliehen.

1955 überschattete ein tragisches Unglück den Vereins-Jahrtag: Sigmund Merz, der Seppenbauer, wurde beim Bedienen der Salutkanone infolge eines Fehlschusses so schwer verletzt, dass er trotz sofortiger Operation tags darauf verstarb.

Das Fest zum 100-jährigen Bestehen des Veteranen- und Kriegervereins wurde sehr feierlich mit einem vorabendlichen Zapfenstreich und einem Bergfeuer am Stallauer Eck gestaltet. Nach dem ebenfalls würdig begangenen 125. Geburtstag steht nun die 150-Jahrfeier des längst zum Veteranen- und Reservistenverein umbenannten Verbündnisses mit aktuell knapp 100 Mitgliedern, darunter noch vier Kriegsveteranen, bevor. Während in der ersten Satzung von 1871 die „Förderung der Vaterlandsliebe, Hebung des moralischen Gefühls und Festhalten in Treue an Gott, König und Vaterland“ als Vereinszweck formuliert worden war, stehen heute das Gedenken an Gefallene und Vermisste, die Kameradschaftspflege, Engagement für Frieden und Versöhnung sowie die Unterstützung der Bundeswehr durch aktive Reservistenarbeit im Vordergrund.

Festtag

Zur 150-Jahrfeier werden die Vereinsmitglieder gebeten, sich am kommenden Festsonntag, 21. Mai, um 8.30 Uhr am Eingang der Grundschule zum Gruppenfoto einzufinden. Um 9.30 Uhr ist Aufstellung aller Vereine und Fahnenabordnungen zum Kirchenzug, Treffpunkt an der Turnhalle. Bei schönem Wetter wird der um 10 Uhr beginnende Gottesdienst im Adelheidpark abgehalten. Anschließend bewegt sich der Festzug dann zum Kriegerdenkmal, wo die Totenehrung stattfindet, und dann wieder zurück zur Turnhalle. Dort klingt das Fest nach Ansprachen, Mittagessen sowie Kaffee und Kuchen mit einem gemütlichen Beisammensein aus.

Von Rosi Bauer

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