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So könnte eine Lösung aussehen: Kinderbetreuung in Containern gibt es derzeit auch in Penzberg. In der Einrichtung an der Birkenstraße ist eine Krippe untergebracht. Foto: 

Gemeinderatssitzung

Neuer Heilbrunner Kindergarten: Leiterin steht fest, weiteres Personal gesucht

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20 Heilbrunner Mädchen und Buben haben ab September keinen Kindergartenplatz. Der Gemeinderat strickt zwar an einer Lösung, ob die aber rechtzeitig zu realisieren ist, ist offen. 

Bad Heilbrunn – Update vom 20. Mai: Gute Nachrichten für die Heilbrunner: Auf einer Klausurtagung hat sich der zuständige evangelische Kirchenvorstand nun auch offiziell dafür ausgesprochen, die Trägerschaft des neuen Kindergartens zu übernehmen. Vorgesehen ist zunächst, eine geräumige Containerlösung mit einem attraktiven Außenbereich auf dem Gelände der ehemaligen „Post“ in der Badstraße. „Gestartet wird im Herbst mit einem eingruppigen, altersgemischten Angebot, das ausbaufähig ist und baldmöglichst in einen attraktiven Kindergartenneubau auf einem Gelände der politischen Gemeinde münden soll“, heißt es in einer Pressemitteilung der evangelischen  Gemeinde. Gefunden ist mit einer Erzieherin und studierten Kindheitspädagogin auch eine junge Leiterin, die dem inhaltlichen Aufbau der künftigen Einrichtung gespannt und motiviert entgegensieht. Die weiteren Stellen des pädagogischen Personals in dem neuen Kindergarten werden derzeit ausgeschrieben. 

Artikel vom 9. Mai:

Die Heilbrunner Kindertagesstätte ist voll. So voll, dass 20 Mädchen und Buben für das neue Kindergartenjahr eine Absage erteilt werden musste, wie Kita-Leiterin Dietlind von Plettenberg am Dienstag im Gemeinderat berichtete. Eine Erweiterung am jetzigen Standort ist nicht möglich, da der Träger, die katholische Kirche, bereits erklärt hat, keine weitere Gruppe bewältigen zu können. Derzeit gibt es vier Kindergarten- und zwei Krippengruppen.

Da der Neubau einer Kita inklusive Bebauungsplanverfahren „mindestens drei Jahre“ in Anspruch nimmt, wie Bürgermeister Thomas Gründl erläuterte, soll nun ein Provisorium die kurzfristige Lösung der Misere bringen. Auf dem ehemaligen Post-Grundstück möchte die Gemeinde Container aufstellen. „Das Landratsamt hat diese Modulbauweise empfohlen, weil es am schnellsten geht“, so Gründl. Zwei Gruppen finden dort Platz. Die Trägerschaft für das Provisorium und später auch für den Neubau würde die evangelische Kirche übernehmen.

Ob die Container bis September stehen, ist offen

Der Haken an der Geschichte: Es ist nicht sicher, ab wann die Container stehen. „Ich hoffe, dass wir im Lauf des Jahres die nötigen Plätze zur Verfügung stellen können. Ob es ab September schon geht, weiß ich nicht“, sagte der Bürgermeister.

Vater Kilian Spindler fand die zögerliche Herangehensweise der Gemeinde „fast ein bisschen erschreckend“. Seit 2015 sei die Kita vollbelegt. Zudem habe der Träger klar gemacht, dass er keine weitere Gruppe übernehmen werde. Bereits jetzt würden über 20 Heilbrunner Kinder in anderen Gemeinden betreut. Der steigende Bedarf hätte also durchaus klar sein können – nur gehandelt habe man nicht. „Sie sagen immer, Sie machen sich Gedanken. Aber das beruhigt mich nicht. Die Eltern haben nichts in der Hand“, sagte Spindler. Mutter Katharina Bierling gab ihm recht. Im Vorfeld der Gründung des Waldkindergartens habe die Gemeinde vor eineinhalb Jahren sogar den Bedarf bei den Eltern abgefragt. „Und jetzt hat mein Sohn keinen Platz. Das ärgert mich.“

Für einige Familien ist das Thema Betreuung eine existenzielle Frage. „Wenn wir ab September keinen Platz haben, kann meine Frau nicht zum Arbeiten anfangen. Damit fehlt uns ein Jahresgehalt“, sagte ein Vater. Und auf dieses zweite Einkommen seien viele angesichts der Immobilien- oder auch Mietpreise in Bad Heilbrunn angewiesen, ergänzte Anne Dettl. „Vielen Familien ist es nicht vergönnt, dass die Mutter daheim bleiben kann.“

Vater: „Wir brauchen einen Plan B“

Kilian Spindler bat auch um mehr Transparenz beim weiteren Vorgehen. Nur so könnte man ihnen Ängste nehmen. „Und es braucht einen Plan B, wenn die Container erst im Oktober oder November kommen.“ Verwaltungsmitarbeiterin Susi Bichlmayr hatte hier zwar einige Vorschläge. Aber egal, ob Spielgruppe oder Tagesmutter: „Es wäre wirklich nur eine Not-Not-Not-Lösung.“

Ein Vater befürchtete, dass es nicht gelingen wird, bis September das nötige Personal zu finden. Das sei Aufgabe des Trägers, antwortete Gründl – und von dem gebe es bereits positive Rückmeldungen. „Die Leiterin steht schon fest.“ Dettl bat darum, die evangelische Kirche bei der weiteren Personalgewinnung zu unterstützen, „und sie nicht im Regen stehen zu lassen“. Sie bat auch darum, die Container „nicht mit einem Minimalkonzept zu planen“. Angesichts der regen Bautätigkeit in der Gemeinde, des stetigen Zuzugs und 51 Geburten im Jahr 2018 steige der Bedarf gerade an Krippenplätzen mit Sicherheit weiter. Man dürfe auch nicht vergessen, dass die Container nur eine Notlösung seien, ergänzte ein Vater. Der Gemeinderat müsste nun mit Hochdruck den Neubau vorantreiben.

„Den Schuh, dass wir zu spät dran sind, ziehe ich mir an.“

„Ich verstehe die Emotionen“, sagte Bernd Rosenberger (Grüne). „Den Schuh, dass wir zu spät dran sind, ziehe ich mir an.“ Aber, dass die Situation so prekär ist, wisse der Gemeinderat erst seit wenigen Wochen – und seitdem ringe man um eine Lösung. „Wir werden alles dafür tun, dass die Container bis September stehen.“ Und Gründl ergänzte: „Wir werden wirklich alles versuchen.“

Die Weichen dafür stellte der Gemeinderat im nicht öffentlichen Teil. Beschlossen wurde die Ausschreibung der Module. Dabei hat der Gemeinderat festgelegt, dass im Auswahlverfahren die Möglichkeit, die Container schnell zu liefern, wichtiger ist als der Kaufpreis. Bis Mitte Juni sollen die Angebote vorliegen. „Dann hätten wir drei Monate Zeit, um sie aufzustellen“, so Gründl. Ausgestattet werden die Container so, dass eine Gruppe auch mit Krippenkindern belegt werden könnte – wenn Bedarf besteht. Zudem werde man gemeinsam mit der evangelischen Kirche Übergangslösungen für Härtefälle finden.

„Unterschätzt, wie schnell das Problem massiv wird“

Der Vorwurf, dass die Gemeinde nichts dafür getan hat, um weitere Betreuungsplätze zu schaffen, nagt an Bürgermeister Thomas Gründl. Schließlich arbeite man schon länger an einer Lösung. „Seit 2016 haben wir uns damit auseinandergesetzt, dass wir eine neue Kita brauchen – die Frage war nur, wann“, sagt Gründl am Tag nach der Gemeinderatssitzung. „Was wir leider unterschätzt haben, war, wie schnell das Problem so massiv wird.“ In Auftrag gegeben wurde vor Längerem schon eine Untersuchung, ob in Mürnsee am Standort des jetzigen Feuerwehrhauses ein größerer Neubau möglich ist, der sowohl eine Kita als auch die Feuerwehr beherbergen könnte. Diese Studie liege nun vor, „und wird am 21. Mai präsentiert“. Auch im Zuge der Entwicklung auf den ehemaligen Hoefter-Flächen im Ortszentrum werde man sich Gedanken über eine Kita machen.

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