Keine Chance zum Überholen: Die Staatsstraße 2064 bei Unterbuchen ist nur fünf Meter breit. Ein Traktor kann rechtskonform keinen Radfahrer überholen, ärgert sich Kreisobmann Peter Fichtner. Das Foto ist übrigens gestellt.
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Keine Chance zum Überholen: Die Staatsstraße 2064 bei Unterbuchen ist nur fünf Meter breit. Ein Traktor kann rechtskonform keinen Radfahrer überholen, ärgert sich Kreisobmann Peter Fichtner. Das Foto ist übrigens gestellt.

Bauer aus Bad Heilbrunn übt Kritik

Ärger über neue Abstandsregel beim Überholen von Radfahrern

Beim Überholen von Radlern müssen Autofahrer 1,50 oder 2 Meter Abstand halten. Das mache das Überholen teils unmöglich, kritisiert ein Landwirt am Beispiel des Kesselbergs und der Staatsstraße 2064.

Bad Heilbrunn – Der Bauernverbands-Kreisobmann Peter Fichtner gilt als bedächtiger Mann, der seine Worte sorgfältig abwägt. Richtig ärgerlich wird der Heilbrunner Landwirt hingegen, wenn er auf die Neuerungen der Straßenverkehrsordnung (StVO) zu sprechen kommt und überzeugt davon ist, dass er damit vielen Bauern und Anwohnern von Nebenstraßen aus dem Herzen spricht.

Die neue StVO hat sich zwar den Schutz der schwächeren Verkehrsteilnehmer auf die Fahnen geschrieben. So ganz zu Ende gedacht, hat der Gesetzgeber das aber nicht, findet Fichtner. Wenn der Landwirt mit seinem Traktor auf der Staatsstraße 2064 fährt, dann darf er auf der im Schnitt nur fünf Meter breiten Straße nun keinen Radler mehr überholen. Jedenfalls nicht rechtskonform, wie Fichtner sagt. Die StVO schreibt nämlich vor, dass außerhalb geschlossener Ortschaften ein Abstand von zwei Metern zum Radfahrer einzuhalten ist. Da dieser selbst auch noch einmal 1,50 Meter für sich in Anspruch nehmen darf und der Traktor selbst mehr als zwei Meter breit ist, ist das Überholen auf der S 2064 schlicht unmöglich. Selbst Autos kommen nicht an Radlern vorbei, ist Fichtner überzeugt. Vor diesem Hintergrund fordert der Heilbrunner das Staatliche Bauamt Weilheim auf, die „schlechteste Staatsstraße im Bayernland“ endlich auch einmal zu verbreitern und zu sanieren. „Da warten wir alle schon lange darauf.“

ADAC verteidigt Regelung, weil sie schwächere Verkehrsteilnehmer schützt

Der BBV-Kreisobmann verweist übrigens auch auf den Kesselberg. Nach der neuen StVO dürfe auch dort kein Radfahrer mehr überholt werden, da die durchgezogene Mittellinie nicht überfahren werden darf. „So ist es“, sagt Sprecher Stefan Sonntag vom Polizeipräsidium Oberbayern. Nachdem Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer wegen der StVO-Änderungen und dem neuen Bußgeldkatalog schwer in die Kritik geraten ist, hat das Polizeipräsidium alle Anfragen dazu an sich gezogen. Die Frage, ob die neue Abstandsregel sehr praxisnah ist, will Sonntag nicht beantworten. „Wir haben die Entscheidung des Gesetzgebers nicht zu kommentieren, sondern wir müssen als Polizei die Einhaltung der Gesetze überwachen.“ Die Polizei habe aber bei kleinen Verstößen einen gewissen Ermessensspielraum. Etwa, wenn bei guter Sicht die Mittellinie am Kesselberg langsam und vorsichtig beim Überholvorgang doch kurz überfahren wird. Wenn aber etwas passiert, da stimmt Sonntag zu, dann sei die Gesetzeslage eindeutig zu Ungunsten des Autofahrers.

Was sagt der ADAC? Verkehrsreferent Bernd Emmrich vom ADAC Südbayern verteidigt die Reform, die schwächere Verkehrsteilnehmer schützen soll. „Früher war auch schon ein ausreichender Seitenabstand vorgeschrieben. Neu ist nur, dass der Abstand mit zwei Metern außerhalb und 1,50 Meter innerhalb von Ortschaften präzisiert worden ist.“ Er selbst empfinde diese neuen Abständen als positiv. „Das Sicherheitsgefühl ist gut.“ Allerdings räumt auch Emmrich ein, dass im Fall Staatsstraße 2064 und Kesselberg die Geduld von Autofahrern über Gebühr beansprucht werden kann, wenn ein Radfahrer eine Kolonne hinter sich herzieht und keine Anstalten macht, zur Seite zu fahren. Paragraf 1 der StVO fordere gegenseitige Rücksichtnahme, sagt Emmrich. Er empfiehlt Radfahrern, bei der nächsten Ausfahrmöglichkeit anzuhalten und Autos und Traktoren vorbeizulassen. „Das ist die beste Lösung.“

Sanierung der Staatsstraße 2064 noch nicht in Sicht

Wenn ein Radfahrer bewusst bummle und den Verkehr aufhalte, gehe das natürlich auch nicht, ergänzt Stefan Sonntag. Es sei gültige Rechtssprechung, dass ein Traktor zur Seite fahren müsse, wenn sich mehr als drei Autos hinter ihm sammeln. Das gelte auch für Radfahrer. „Der muss dann rausfahren und die Autos vorbeilassen.“ Allerdings sind Verstöße bei Radlern schwer zu ahnden, weil sie kein Kennzeichen besitzen, sagt Fichtner.

Viel Hoffnung, dass die Staatsstraße 2064 erweitert wird und sich die Situation deshalb entspannt, kann Martin Herda, Abteilungsleiter am Bauamt Weilheim, nicht machen. Die 2064 sei zwar nicht im besten Zustand und irgendwann eine Sanierung fällig. Doch mit einer durchschnittlichen Nutzung von nur 900 Fahrzeugen am Tag, sei keine unmittelbare Dringlichkeit gegeben. Herda räumt auch ein, dass die Staatsstraße 2064 mit Teer gebaut wurde. Eine Entsorgung des alten Teers ist zwar teuer. „Das ist aber kein Kriterium, dass sich der Ausbau verzögert.“

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