Friedrich Bauer, Zweiter Bürgermeister und einer von zwei Bad Heilbrunner Hausärzten, zeigte die bedenkliche Situation zur künftigen medizinischen Nahversorgung deutlich auf.
+
Friedrich Bauer, Zweiter Bürgermeister und einer von zwei Bad Heilbrunner Hausärzten, zeigte die bedenkliche Situation zur künftigen medizinischen Nahversorgung deutlich auf.

Diskussion im Gemeinderat

Heilbrunner Ärzte wollen in Rente: Wer kommt nach?

  • vonEwald Scheitterer
    schließen

Der Fortbestand der allgemeinärztlichen Versorgung in Bad Heilbrunn ist in Gefahr. Über dieses zwar noch nicht akute, aber dennoch eminent wichtige Thema sprach Zweiter Bürgermeister Friedrich Bauer in der Gemeinderatssitzung.

  • Zwei Allgemeinmediziner in Bad Heilbrunn suchen Nachfolger
  • Das Thema beschäftigt auch den Gemeinderat
  • Jetzt soll ein Arbeitskreis gegründet werden

Bad Heilbrunn – „Sowohl ich als auch mein Kollege Dr. Bodo Ermoneit haben bereits das übliche Rentenalter überschritten“, erklärte der Mediziner und fügte an: „Wir haben uns beide einen Übernahme-Horizont für unsere Hausarzt-Praxen zwischen einem und drei Jahren gesetzt.“

Dass gerade im ländlichen Raum die Nachfolge von Allgemein-Medizinern ein schwieriges Thema ist, ist beileibe kein Heilbrunner Problem. Da laut Ärztekammer festgestellt worden sei, dass der Landkreis prinzipiell sogar „überversorgt“ sei, mache das die gesamte Situation nicht einfacher. „Damit ist eine Neu-Niederlassung eigentlich nicht möglich. In Frage käme nur, dass ein neuer Arzt eine bestehende Praxis übernehmen würde“, schilderte Bauer das Szenario: „Die schlechteste der künftigen Möglichkeiten wäre, dass wenn einer von uns beiden aufhört, dass dann die Praxis einfach geschlossen wird.“

Als ebenfalls „keine gute Lösung“ bezeichnete der ortsansässige Arzt die Errichtung eines Medizinischen Versorgungszentrums (MVZ), eine heutzutage in vielen Gebieten bevorzugter Ansatz. Insgesamt machte er unmissverständlich deutlich, dass es für Heilbrunn am besten wäre, „wenn wir unsere Praxen samt Zulassung an einen neuen jungen Arzt übergeben könnten.“ Vor allem auch deswegen, weil zu erwarten sei, „dass hier der Bedarf für hausärztliche Versorgung nicht unerheblich steigen wird.“ Dabei reflektierte er vor allem auf das neu zu gestaltende Ortszentrum: „Da bekommen wir im Lauf der nächsten zehn Jahre einige Hundert Heilbrunner mehr.“

Freilich gebe es einige Voraussetzungen, die einen jungen Mediziner bewegen können, nach Bad Heilbrunn zu kommen. Da werde etwa die Infrastruktur für die Familie des Arztes immer höher bewertet: „Schulen, Kindergärten und vor allem geeigneter Wohnraum.“ Wegen der Entwicklungsmöglichkeiten und auch aus finanzieller Sicht werden zudem Gemeinschaftspraxen bei jungen Medizinern immer beliebter.

„Ich könnte mir dafür durchaus im Ortszentrum ein sogenanntes Ärztehaus vorstellen“, warf Bürgermeister Thomas Gründl ein. Dabei schlug er den Bau eines entsprechenden Gebäudes nahe der geplanten neuen Kindertagesstätte im neuen Ortszentrum vor. Auch wenn Bauer dies als eine gute und erfolgversprechende Möglichkeit betrachtete, merkte er dennoch an: „Wie gesagt, Dr. Ermoneit und ich wollen spätestens in drei Jahren aufhören. Bis dahin steht aber noch kein neues Ärztehaus.“

Der Rathauschef machte in der Aussprache deutlich, dass die medizinische Nahversorgung für Heilbrunn ein „überlebenswichtiges“ Thema sei und warnte: „Wenn es bei uns keine Hausärzte mehr gibt, dann werden wir auch bald keine Apotheke mehr am Ort haben.“ Deshalb wolle er einen Arbeitskreis für dieses Thema ins Leben rufen, in dem auch die beiden ortsansässigen Hausärzte sowie der Apotheker integriert werden sollen.

Bürgermeister Gründl stellte abschließend seinen Lösungsansatz vor: „Ab Januar 2021 werden wir das Thema offensiv angehen. Dazu wäre mein Wunsch, einen entsprechenden Arbeitskreis ins Leben zu rufen, um sämtliche Möglichkeiten auszuloten.“

Lesen Sie auch: Ungewohntes Silvester: Künstler-Paar aus Lenggries hat Zeit für die Familie

30 000 Euro Schaden bei Werkstattbrand in Kochel am See

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare