Amtsgericht

Morddrohung an Heilbrunner Tankstelle: „Ich mach‘ Dich kalt

Er soll einem Tankwart gedroht haben „Wenn du rauskommst, mach ich dich kalt“ und vor dem Mann ausgespuckt haben. Nun stand der Lenggrieser vor Gericht.

Bad Heilbrunn/Wolfratshausen – Der Mann (47) war mittels Strafbefehl zu einer Geldstrafe von 3600 Euro verurteilt worden. Dagegen hatte der Beschuldigte Einspruch eingelegt, weshalb er sich nun wegen Bedrohung und Beleidigung vor dem Amtsgericht verantworten musste. Ergebnis: Es wird teurer.

„Ich fühle mich sehr ungerecht behandelt“, betonte der Angeklagte, als der Richter ihm zum letzten Mal das Wort erteilt hatte. „Er sagt nicht die Wahrheit: ,Ich mach dich kaputt‘ ist nie über meine Lippen gekommen.“ Vielmehr hätte er allen Grund gehabt, sich über das Verhalten des Tankwarts zu ärgern, ließ der Beschuldigte durchblicken, als er den Vorfall schilderte, der sich am 16. Oktober vorigen Jahres an einer Tankstelle in Bad Heilbrunn ereignete.

Auf dem Heimweg wollte der Koch gegen 21.15 Uhr an der Tankstelle noch etwas zu trinken kaufen. Mit brennender Zigarette zwischen den Lippen war er vorgefahren und hatte nahe einer Zapfsäule sein Auto angehalten und die Tür geöffnet.

Bis hierhin deckten sich die Aussagen der Beteiligten. Nach Ansicht des Staatsanwalts ging es so weiter: Der Tankwart bat den Gast, die Zigarette auszumachen. „Ich war ein bisschen in Sorge, weil eine Stunde zuvor ein Kunde an der Zapfsäule viel Benzin verschüttet hatte“, erklärte der Tankwart vor Gericht.

„Du fasst mein Auto nicht noch mal an“

Der Beschuldigte ignorierte die Bitte. Daraufhin schloss der Tankwart die Tür des Autos. Der Lenggrieser stieg aus und brüllte: „Du fasst mein Auto nicht noch mal an.“ Der Tankwart zog sich in seinen Verkaufsraum zurück. Der Angeklagte folgte ihm, beschimpfte ihn und spuckte vor ihm auf den Boden.

Das stimme nicht, erklärte der Beschuldigte. Er habe die Zigarette im Aschenbecher ausgedrückt, als der Tankwart die Tür so heftig zugeschlagen habe, dass er ihn fast im Gesicht verletzt hätte. Er sei seit fünf Jahren Stammkunde, lasse jeden Monat 200 Euro dort. Er habe sich schlecht behandelt gefühlt, sagte der Lenggrieser. „Meiner Meinung nach war das rassistisch“, bewertete der aus dem Kosovo stammende Mann das Verhalten des Tankwarts. Um das klarzustellen, sei er ausgestiegen und habe sich auf eine Diskussion eingelassen. „Aber ich habe noch nie jemandem gedroht“, beteuerte er.

Ein Video, aufgenommen aus der Perspektive des Verkaufsraums, vermittelte ein anderes Bild. Die kurze Sequenz zeigte einen aufgebrachten Kunden, der schließlich einmal vor dem Tankwart ausspuckte. „Das wird auch in Ihrem Heimatland als Ausdruck von Missachtung gewürdigt“, belehrte der Verteidiger seinen Mandanten.

Der Lenggrieser legte nach. „Es ärgert mich“, schimpfte der Angeklagte, nachdem Staatsanwalt und Verteidiger ihre Plädoyers gehalten hatten. „Das Video, wie er auf mich losgeht, hat er gelöscht“, unterstellte er dem Tankwart.

Das brachte für Richter Helmut Berger „das Fass zum Überlaufen“. Er verurteilte den Lenggrieser, dessen Auszug aus dem Bundeszentralregister 14 Verurteilungen wegen Diebstahls, Urkundenfälschung, Fahrens ohne Fahrerlaubnis, Fischwilderei und Betrugs aufweist, zu 100 Tagessätzen zu je 50 Euro, insgesamt also 5000 Euro. „Sie haben es so auf die Spitze getrieben, dass man es bei 90 Tagessätzen wie im Strafbefehl nicht belassen kann“, begründete Berger sein Urteil. rst

Rubriklistenbild: © dpa / Volker Hartmann

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