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Im Kursaal ist noch Platz: Knapp 100 Bürger besuchen die Infoveranstaltung, der eine Unterschriftensammlung vorausgegangen war

Nutzung der Leonardis-Klinik

Asyl-Infoabend: Wissen gegen Ängste

Es hätte eine explosive Versammlung werden können. 660 Bürger haben sich an der Unterschriftenaktion von Unternehmer Lothar Hiese gegen die Nutzung der Leonardis-Klinik als Unterkunft für Asylbewerber ausgesprochen. Zur Infoveranstaltung am Mittwochabend, bei der es um dieses Thema ging, kamen knapp 100 Menschen. Ein paar von ihnen äußerten ihren Unmut zwar durch sporadisches Raunen, diskutiert wurde aber wenig.

Bad Heilbrunn – Die ehemalige Klinik in der Ortsmitte wurde vor etwa einem Jahr für Flüchtlinge hergerichtet. Gemeinderat und Bürgermeister wollten damit die Turnhalle vor einer möglichen Belegung schützen. „Das war Wunsch der Bürger“, erklärte Gemeindeoberhaupt Thomas Gründl im Kursaal. Der Mietvertrag zwischen Eigentümer Wolfgang Kling aus Penzberg und der Regierung von Oberbayern ist auf drei Jahre befristet. Eine Verlängerung, die um zwei Jahre möglich wäre, soll es nicht geben, wie Gründl beim Eigentümer erfragt hat.

Das heißt: Das Gebäude bestehend aus Hauptgebäude, Bettenhaus, Ärztetrakt und Landhaus wird noch für zwei Jahre als Asylunterkunft genutzt. Aufhalten lässt sich das nicht mehr. „Am Montag wurden uns zehn Personen zugewiesen“, sagte Karsten Ludwig, der im Landratsamt für Asylwesen zuständig ist. Sechs stammen aus Nigeria, drei aus Somalia und einer aus Sierra Leone. Unter den Asylbewerbern sind drei Paare.

Vertreter des Helferkreises (v. li.): Anton Weichenmeier, Ulrich Glodowski, Brigitte Schmiedel und Martina Kugler.

Ludwig versuchte die Befürchtungen der Bürger zu entschärfen. Laut Mietvertrag sind 111 Bewohner in der Klinik zugelassen. Mit der Gemeinde habe man sich aber auf 90 geeinigt. Im Landhaus soll eine heilpädagogische Wohngruppe für acht bis neun unbegleitete Minderjährige entstehen, die 24 Stunden am Tag betreut werden.

Dass die verbleibenden 81 Plätze vollständig belegt werden, erwartet Ludwig nicht. „In der Regel können immer nur 80 bis 90 Prozent belegt werden, da Plätze nicht aufgefüllt werden, wenn eine dreiköpfige Familie in einem Zimmer für fünf Menschen wohnt“, so Ludwig. Wenn der Landkreis gezwungen sein sollte, die Belegung voll hochzufahren, rechnet Ludwig also damit, dass 60 bis 65 Plätze in der Leonardis-Klinik belegt werden.

Der Regierung von Oberbayern wolle man zunächst aber keine weiteren Kapazitäten melden, sondern im Landkreis umverteilen. Enden also Mietverhältnisse, wie zum Beispiel im Jodquellenhof, könnten manche dieser Asylbewerber nach Bad Heilbrunn umziehen, erklärte der Sachgebietsleiter.

Man werde versuchen, auf den Wunsch der Gemeinde nach asylsuchenden Familien Rücksicht nehmen. „Aber ich muss klar sagen: Alleinstehende sind nicht potenziell Kriminelle.“ Nach fünf Jahren Erfahrung mit Asylbewerbern in Oberbayern könne man sagen, dass diese nicht mehr straffällig werden als die hiesige Bevölkerung. „Die meisten Straftaten passieren in den Unterkünften unter Asylbewerbern selbst.“

Lothar Hiese kritisierte, dass es den Behörden nicht gelinge, die knapp 40 Prozent abgelehnte Asylbewerber zurückzuführen. „Diese Leute behindern die nötige Integration“, sagte er. Hiese stellte sich als ein Mann vor, der als Familienvater und Unternehmer ein Infodefizit bei sich und bei den Bürgern Bad Heilbrunns festgestellt habe.

„Wir sind aufgeschreckt, als wir erfahren haben, dass die Belegung bevorsteht und haben uns gefragt, ob man künftig noch seine Jogging-runde durch die Ramsau und an der Leonardis-Klinik vorbei machen kann.“ Das sei eine legitime Frage, Hiese plane nicht, eine Ortsgruppe der AfD zu gründen, sagte er.

Der von ihm präsentierten Lösung, Bayern könne mit dem üppigen Haushaltsüberschuss leerstehende Häuser in strukturschwachen Gegenden kaufen und professionelle Helfer engagieren, widersprach Landtagsabgeordneter Martin Bachhuber, der als Heilbrunner Bürger im Publikum saß. Das Bundesland habe auch andere wichtige Aufgaben. Und „überall wo ich hinkomme, heißt es: ,Ich habe ja nichts gegen Flüchtlinge, aber hier bitte nicht‘“.

Auch der Helferkreis kam zu Wort. Von 30 Mitgliedern sind etwa 12 aktiv – für derzeit 42 Asylbewerber. „Wir haben nicht die Kapazitäten, die Flüchtlinge in der Leonardis-Klinik zu unterstützen“, sagte Martina Kugler. Dr. Anton Weichenmeier munterte die Bürger charmant dazu auf, einen Leonardis-Helferkreis zu gründen.

Bürgermeister Gründl lobte die Arbeit des Helferkreises, ohne deren Einsatz Integration nicht möglich wäre. Auch er kritisierte die Belegung der Unterkunft. „Das überlastet die Gemeinde, das kann ich nicht nachvollziehen und finde ich nicht gut.“ Er wies darauf hin, dass sich jeder, der sich vorstellen kann, sich ehrenamtlich zu engagieren, in der Gemeinde melden könne. Dorthin könne man sich auch jederzeit bei Fragen zum Thema Asyl melden.

Karsten Ludwig als Vertreter des Landratsamts betonte, der Landkreis gehe auf die Sorgen der Gemeinde ein. „In der Leonardis-Klinik ist rund um die Uhr ein Sicherheitsdienst vor Ort“, erklärte er den Besuchern der Versammlung. Außerdem werde die Asylsozialberatung ihre Präsenz verstärken. Pfarrer Karl Bopp appellierte an die Bevölkerung, die Angelegenheit sachlich anzugehen und keine irrationalen Ängste zu schüren. Martina Kugler vom Helferkreis riet abschließend: „Jeder, der Ängste und Bedenken hat, sollte die Menschen kennenlernen.“

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