Neues Kapitel für ein Heilbrunner Kleinod

Von der Promi-Klinik zur Asylbewerberunterkunft

  • schließen

Bad Heilbrunn - Einst stiegen Hollywoodstars hier ab, dann standen die Gebäude lange leer, demnächst ziehen Flüchtlinge ein: Ein Blick in die ehemalige Heilbrunner Leonardisklinik – oder besser gesagt: das „Sanatorium Viktoria“.

„Ich glaube, das hier ist Seelenbalsam, hier kann man sich bestimmt sehr wohlfühlen.“ Solche und ähnliche Äußerungen gab es viele zu hören, als jetzt der Heilbrunner Asyl-Helferkreis die Leonardisklinik besichtigte. Voraussichtlich in drei Wochen sollen die ersten Flüchtlinge in die einstige „Fachklinik für Innere Medizin“ einziehen, in der sich früher Prominente wie Cher, Farrah Fawcett oder Siegfried & Roy behandeln ließen.

Nach über fünf Jahren Leerstand und einer Sanierung durch den Eigentümer ist der einstige Komfort einer neuen Zweckmäßigkeit gewichen. Der Luxus der schönen Lage und der herrlichen Aussicht ist den altehrwürdigen Immobilien freilich geblieben. Ein Lagerkoller ist – soweit sich das vorhersehen lässt – in der künftigen Gemeinschaftsunterkunft am Abt-Walther-Weg nicht zu befürchten. Platz haben die künftigen Bewohner genug. 1800 Quadratmeter Wohnfläche stehen zur Verfügung, dazu eine weitläufige Gartenanlage und großzügige Balkone.

48 Zimmer stehen den Flüchtlingen zur Verfügung und drei Gemeinschaftsküchen. Auf vier einzelne Häuser werden sie sich verteilen: Als erstes wird laut Alfred Krämer vom Landratsamt das ehemalige Bettenhaus belegt. In den 70er-Jahre-Bau werden nach und nach 32 Bewohner einziehen. Das Hauptgebäude – 1928 erbaut – soll etwa 40 Personen Unterkunft bieten. 16 Menschen kommen im separat stehenden „Landhaus“ aus dem Jahr 1921 unter, dem ältesten Teil des Ensembles. Einzelne werden auch im „Ärztehaus“ wohnen, in ehemaligen Behandlungszimmern. Rein vom Platz her könne die einstige Leonardisklinik sogar über 100 Flüchtlinge beherbergen, erklärt Eigentümer Wolfgang Kling aus Penzberg. Auf eine Belegung bis zum Äußersten habe man aber bewusst verzichtet.

Dabei verwendet Kling nicht den Namen Leonardisklinik, sondern spricht lieber vom „Sanatorium Viktoria“ und der „Villa Grundler“, den ursprünglichen Bezeichnungen. In den 1990er-Jahren hatte die Gemeinde das gesamte Ensemble mitsamt der benachbarten Parkvilla gekauft, berichtet Ulrich Glodowski. Er ist für die Gemeinde seit Kurzem nicht nur in der Gästeinformation tätig, sondern betreut auch das Thema Asyl. Die Parkvilla ist heute ein Gesundheitszentrum, die anderen Häuser wurden wieder verkauft und beherbergten bis 2010 die Leonardisklinik.

„Das hier ist ein Kleinod, das man nicht achtlos wegreißen darf“, sagt Kling, der die Immobilien erworben hat. „Man muss es erhalten.“ In der Asylunterkunft sieht er jetzt eine „sinnvolle Nutzung“. Was danach aus den Gebäuden wird, könne er noch nicht sagen. „Ich werde sie in jedem Fall wieder vermieten.“

Einige Details im Haus erinnern noch an die Vergangenheit: die schmiedeeisernen Treppengeländer etwa, ein Treppenlift im Ärztehaus – „der funktioniert noch“, sagt Kling – oder ein mit einem Tuch bedecktes, verstimmtes Klavier. Fast alle Möbel der Leonardisklinik dagegen musste Kling entsorgen. Sie füllen zwei Container neben dem Haus. „Vieles war verfault und verschimmelt.“

Ist das frühere Sanatorium einmal voll belegt, dann wird sich die Zahl der Flüchtlinge in Bad Heilbrunn mehr als verdreifacht haben. Der Helferkreis steht vor großen Aufgaben. Sprecherin Ingrid Spindler, die selbst einmal in der Leonardisklinik gearbeitet hat, lässt es unaufgeregt auf sich zukommen. „Durch Herrn Glodowski haben wir ja jetzt eine große Entlastung, und vor Ort wird es auch einen Sicherheitsdienst und einen Hausmeister als Ansprechpartner geben“, stellt sie fest. Vieles, was die Helfer für jetzt 40 Flüchtlinge in Bad Heilbrunn leisten, werde bei 130 Personen so freilich nicht mehr möglich sein. „Weil es in Bad Heilbrunn ja keinen Supermarkt gibt, fahren wir jetzt die Flüchtlinge ab und zu zum Einkaufen nach Bad Tölz. In Zukunft müssen sie mit dem Bus fahren.“ Etwa 20 Mitstreiter sind laut Spindler im Helferkreis dabei, wovon zehn den harten Kern bilden. „Vor allem für Deutsch-Kurse suchen wir neue Helfer“, betont Spindler. Gleichzeitig freut sie sich über die vielen neuen Möglichkeiten, die das Klinikgelände für Aktivitäten mit den Flüchtlingen bietet. „Wir wollen zum Beispiel eine Radlwerkstatt einrichten.“ Zudem möchte eine Freiwillige mit den künftigen Bewohnern Gemüse anbauen. Der Garten ist groß genug, und das Gewächshaus hat Kling eigens wieder in Betrieb genommen.

Aus der Leonardisklinik wird eine Asylbewerber-Unterkunft

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Schönschrift als Kunst
Schöne Schrift ist etwas Besonderes – nicht nur auf einem Brief, auch als Kunstwerk. Am Tölzer Jungmayrplatz kann man künftig Birgit Haas-Heinrich dabei über die …
Schönschrift als Kunst
Podiumsdiskussion zum Thema Geburtshilfe
Die Berliner taz hat ins Pfarrheim Heilige Familie eingeladen, um über die Geburtshilfe zu diskutieren. Auf dem Podium sitzen unter anderem Stadtrat Ingo Mehner, …
Podiumsdiskussion zum Thema Geburtshilfe
ORF-Empfang künftig verschlüsselt
Weil in Österreich auf einen neuen Übertragungsstandard umgestellt wird, ist der Empfang der Sender ORF 1 und 2 im Landkreis künftig nicht mehr möglich.
ORF-Empfang künftig verschlüsselt
Tipps gegen Langeweile: Das ist am Donnerstagabend los
Tipps gegen Langeweile: Das ist am Donnerstagabend los

Was denken Sie über diesen Artikel?

Kommentare