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Thomas Braun (li.) und Michael Holzmann in ihrem zerstörten Gewächshaus. Gestern rückten die holländischen Gewächshausbauer an.

Aufräumarbeiten gehen in Bad Heilbrunn weiter

Staubteufel trifft Gärtnerei: „Ich war fassungslos“

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Bad Heilbrunn – Vor gut einer Woche hinterließ ein Dust-Devil – ein kleiner Wirbelsturm – eine Schneise der Zerstörung im Heilbrunner Ortsteil Letten. Gewächshäuser gingen zu Bruch, 2500 Quadratmeter Anbaufläche wurden verwüstet. Die Bio-Gärtner Thomas Braun (49) und Michael Holzmann (43) von der Gärtnereigemeinschaft Hofgut Letten sind nach wie vor mit den Aufräumarbeiten beschäftigt.

Es war am Nachmittag des 4. April gegen 15.45 Uhr. „Wir waren gerade beide draußen“, sagt Holzmann. Ein Stück entfernt, in Richtung Straße, bemerkten die Gärtner plötzlich den Staubteufel. „Wir haben das am Anfang nicht ernst genommen. Der war ja relativ klein, vielleicht zwei, drei Meter hoch“, erinnert sich Braun. „Aber dann hat er innerhalb von zehn, zwölf Sekunden Fahrt aufgenommen.“

Vier Foliengewächshäuser wurden beschädigt. Am härtesten traf es aber das große Glasgewächshaus: Die Dachkonstruktion wurde zerfetzt, Scheiben gingen zu Bruch, ein Regen aus Scherben und Splittern ergoss sich über die Pflanzen. „Unsere Mitarbeiter konnten sich zum Glück nach draußen retten. Aber sie waren natürlich in Panik“, schildert Braun. „Ich war in dem Moment eher fassungslos.“ Glücklicherweise sei nur eine Mitarbeiterin leicht verletzt worden. „Es ist ausgerechnet an ihrem ersten Arbeitstag passiert“, sagt Holzmann.

Welche Wucht der Staubteufel hatte, stellten die beiden erst in den Tagen danach fest. „Wir haben noch 30, 40 Meter weiter Scherben gefunden“, sagt Braun. „Insgesamt wurden 400 Scheiben beschädigt“, ergänzt Holzmann. Beim Rundgang über das Gelände sieht man auch jetzt noch an einigen Stellen Glas liegen – leider auch in dem großen Gewächshaus, in dem hunderte sattgrüne Salatköpfe erntefertig in Reih und Glied stehen. Auf einen Teller werden es die meisten nicht schaffen. „Wir werden sie kompostieren“, sagt Braun. Das Problem seien die Splitter. Holzmann biegt einige Blätter zurück, zwischen dem Grün blitzt Glas auf.

Im Haus gegenüber warten die Tomaten darauf, umgepflanzt zu werden. Das ist für die Mitarbeiter nicht ungefährlich. „In jedem Topf sind Scherben.“ Da es aber Bio-Pflanzen sind, „die man nicht hopplahopp nachkaufen kann, werden wir uns die Mühe machen und sie säubern“, sagt Braun.

Holzmann ist derweil „in unserer Flüchtlingsunterkunft“ angekommen. Die Gurken gewähren hier den Geranien aus dem zerstörten Gewächshaus Asyl. Dazwischen stehen zahllose Töpfchen, in denen alte Gemüsesorten für die „Arche Noah“, eine österreichische Gesellschaft für die Erhaltung der Kulturpflanzenvielfalt, gezogen werden. „Das sind zig Sorten. Da muss man jetzt schon schauen, dass man das nicht durcheinanderbringt“, meint Holzmann. Nebenan stehen die Kisten mit den Jungpflanzen dicht an dicht – die meisten mangels anderem Platz auf dem Boden. „Das waren Mäuse“, sagt Holzmann und zeigt auf einige Töpfe mit abgenagtem Lauch.

All das seien Folgeschäden, die erst nach und nach ans Licht kommen. Daher sei es im Moment so schwierig, eine genaue Schadenssumme anzugeben, erklärt Braun. Eine niedrige sechsstellige Summe steht im Raum. Für das Glasgewächshaus kommt die Versicherung auf, „für die Folienhäuser nicht“, sagt Holzmann.  1989 gründete seine Familie die Gärtnerei in Letten, Braun eröffnete seinen Betrieb 1996. Erst im September gründeten sie die Gärtnereigemeinschaft, die Bio-Zierpflanzen, -Topfkräuter und -Gemüsejungpflanzen anbietet.

Gestern rückten die holländischen Gewächshausbauer an, um die Glasschäden zu reparieren. In zwei, drei Tagen, hoffen die beiden Gärtner, könnte das Haus dann wieder nutzbar sein. Das wäre auch nötig: Schließlich soll am kommenden Montag zum ersten Mal der Verkauf beginnen.

Staubteufel zerstört Gewächshaus bei Bad Heilbrunn

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