+
Der Haselbach macht Kurven: Links der neue Verlauf des Gewässers, rechts das bisherige Bach bett, das künftig als stehendes Gewässer vielen Wasserlebewesen als Rückzugsort dienen soll.

Stiftung Nantesbuch 

Bach bekommt neues Bett

  • schließen

Das Haselbachtal gleicht derzeit einer Großbaustelle. Das Renaturierungs-Projekt ist in vollem Gange, wenn das Wetter mitspielt, könnten die Arbeiten in zwei bis drei Wochen abgeschlossen sein.

Bad Heilbrunn– Ein Laster nach dem anderen fährt den schmalen Wirtschaftsweg entlang, beladen mit haufenweise Erde. Im Haselbachtal im Heilbrunner Ortsteil Nantesbuch läuft eine Großbaustelle. Wie berichtet soll das Gebiet renaturiert werden. Das heißt: Der etwa um 1850 begradigte Bach soll wieder seinen natürlichen Verlauf und Kurven bekommen. Das Areal gehört der Stiftung Nantesbuch, sie nimmt das Renaturierungsprojekt vor.

Der neue Lauf wurde von Baggern im Januar ausgegraben. Diese Arbeiten mussten rechtzeitig abgeschlossen werden, um die Laichzeiten der Fische nicht zu stören. Der Zeitplan konnte eingehalten werden, erklärten Konstantin Reetz, Geschäftsführer der Stiftung Nantesbuch, Uwe Feickert vom Landschaftsplanungsbüro und Joachim Strobel, Leiter des Bereichs Natur und Landschaft bei der Stiftung, beim Ortstermin.

Weitere Maßnahme: Der Boden wurde um etwa 25 Zentimeter abgeschält und abgeschrägt, damit er sanft zum Bach hin ausläuft. „Im Hochwasser-Fall geht das Wasser dann bis zum Ende dieser Retentionsfläche und läuft sanft, dem Gelände folgend wieder zurück“, sagte Feickert. In diesem Bereich sollen auch Blumen angepflanzt werden. „Er wird häufiger überschwemmt werden, als früher.“ Dadurch wird das ganze Haselbachtal feuchter, durch die abgesenkte Uferkante „ergibt sich eine andere Sichtbarkeit“, sagte Reetz.

Die Arbeiten am Bachbett sind abgeschlossen, bis der ganze Aushub verschwunden ist, wird es noch etwas dauern. Denn aufgrund der Kälte sind die sogenannten „Dumper“ eingefroren und derzeit nicht einsetzbar. Auch war zuletzt nur ein Bagger betriebsbereit. „Ich bin froh, um jede Schaufel, die wir derzeit wegschaffen. Aber wir wissen uns zu helfen und haben ein Ausweichprogramm“, sagte Strobel. Und der Frost habe auch etwas Gutes: Die schweren Maschinen werden auf dem sumpfigen Untergrund besser getragen.

Derzeit sind sowohl der neue Flusslauf als auch die alten Arme noch zu sehen. Letztere wurden aber „stillgelegt“, also von einer Seite zugebaggert, so dass das Wasser steht. Diese Seitenarme sollen und müssen noch eine Weile bleiben. „Das könnte für Frösche und Libellen ein interessanter Bereich werden“, sagte Feickert.

Schon im Frühjahr soll das Haselbachtal optisch besser aussehen. „Ziel ist es, im April einzusäen“, sagte Strobel. Allerdings könne es noch das ganze Jahr dauern, bis alle Spuren des Aushubs verschwunden sind. Feickert: „Das ist fruchtbarer Boden hier. Das Gras sollte bis nächstes Jahr gewachsen sein.“

Um den Fortschritt zu beobachten, wurden sogenannte Monitoringflächen angelegt. „Dort können wir sehen, wie sich die Vegetation entwickelt“, so Feickert. „Es wird interessant zu sehen, was siedelt sich an und wie entwickelt es sich weiter?“

Und wenn das schöne neue Landschaftsbild Spaziergänger künftig verleitet, durch die neuen Feuchtwiesen zum Ufer des Haselbachs zu laufen und damit eventuell Natur zu zerstören? „Dafür haben wir Wachhunde mit Hörnern“, scherzte Reetz. Denn im Haselbachtal sollen Auerochsen und auch Exmoor-Ponys künftig das ganze Jahr weiden – heuer allerdings laut Strobel noch vorsichtig, da der Boden mit der dann frischen Saat zu labil sei.

„Es ist ein schmaler Grat zwischen: den Menschen den Zugang zur Natur zu erlauben und die Natur gleichzeitig zu schützen“, sagte Pressesprecherin Anke Michaelis. Genau diese Gratwanderung wolle die Stiftung Nantesbuch unter anderem mit der Renaturierung des Haselbachs vollziehen.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Hitze-Sommer: Mehr Badegäste – aber nicht mehr Einsätze für die Retter
Mehr Badegäste bedeuteten nicht zwangsläufig mehr Einsätze für Wasserwacht und DLRG. Der Sommer 2018 wird ihnen trotzdem in Erinnerung bleiben. Die Bilanz der …
Hitze-Sommer: Mehr Badegäste – aber nicht mehr Einsätze für die Retter
Tölzer öffnet Autotür, Frau fährt hinein und stürzt
Ein Unfall-Klassiker, der leider immer wieder vorkommt, ereignete sich am Montag gegen 15.15 Uhr gegenüber der Tölzer Postfiliale an der Hindenburgstraße:
Tölzer öffnet Autotür, Frau fährt hinein und stürzt
Tölz live: Kindergarten im ehemaligen Posthotel in Lenggries - Guter Wind am Walchensee
Kleiner Blechschaden da, großer Stau dort, eine Gewitterfront zieht an, ein tolles Konzert startet in Kürze. Hier gibt‘s unseren Newsblog direkt aus der Redaktion.
Tölz live: Kindergarten im ehemaligen Posthotel in Lenggries - Guter Wind am Walchensee
Vor dem Bürgerentscheid zum Bichler Hof: SPD-Stadträte erwarten sich vom „Nein“ am meisten Gerechtigkeit
Noch knapp einen Monat dauert es, bis die Tölzer Bürger dazu aufgerufen sind, über das weitere Vorgehen in Sachen Bichler Hof abzustimmen.
Vor dem Bürgerentscheid zum Bichler Hof: SPD-Stadträte erwarten sich vom „Nein“ am meisten Gerechtigkeit

Kommentare