+

Anliegerversammlung

Mehr Schutz vor dem Reindlbach

  • schließen

Reichlich Gegenwind wehte Bürgermeister Thomas Gründl und Planer Georg Kokai am Dienstagabend ins Gesicht. Die beiden stellten den Anliegern die Ideen für Hochwasserschutzmaßnahmen am Reindlbach vor. Nach einer turbulenten Versammlung herrschte am Ende fast so etwas wie Einigkeit.

Bad Heilbrunn – Der Reindlbach ist ein kleines Gewässer. Innerhalb kürzester Zeit kann er aber deutlich anschwellen und bedroht dann die anliegende Bebauung. Kaum ein Jahr vergeht, in dem die Feuerwehr nicht mit Sandsäcken ausrücken muss, um die B 11 oder die Häuser vor Schaden zu bewahren. Abhilfe tut Not. Rund 250 000 Euro wollen Gemeinde und Freistaat daher in den Hochwasserschutz investieren. Man stelle heute aber keine fertige Planung vor, betonte Bürgermeister Thomas Gründl zum Beginn der Anlieger-Versammlung in der „Reindlschmiede“. „Es ist uns wichtig, dass wir uns mit den unmittelbar Betroffenen austauschen, bevor wir etwas beschließen. Wir wollen mit Euch offen diskutieren.“ Und das taten die etwa 30 Anlieger reichlich. Planer Georg Kokai hatte kaum das Wort ergriffen, als schon die ersten Fragen und reichlich Kritik auf ihn einprasselten. Immer wieder musste Gründl eingreifen, um die Debatte in geordnetere Bahnen zu lenken. „Ich bekomme nur Gegenwehr. Was habt Ihr denn für Vorschläge?“, fragte er irgendwann.

Nach und nach beruhigten sich aber zumindest manche der erhitzten Gemüter, die Diskussion wurde sachlicher, und Kokai konnte die Ideen für die Hochwasserschutzmaßnahmen erläutern. Angedacht ist Folgendes: Im Bereich, wo der Bach unter der B 11 hindurchführt, soll die Sohle tiefergelegt werden, um so mehr Spielraum unter der Brücke zu haben. Da der Platz aber nach wie vor nicht ausreicht, um auch das reichlich vorhandene Treibholz durchzuschleusen, soll vor der Brücke ein Wildholzrechen installiert werden. Der soll verhindern, dass das Holz den Durchlass verstopft. Problem: Der Rechen ist momentan relativ nah vor der Brücke geplant. „Wäre der nicht besser etwas weiter oben? Sonst läuft das Wasser eben von dort auf die Bundesstraße“, merkte ein Anlieger an. Kokai fände eine Verlegung bachaufwärts durchaus sinnvoll. Aber die Gemeinde besitze dort keinen Grund für die Zufahrt. Hier zeichnete sich aber schon in der Versammlung eine Lösung ab: Einer der Grundbesitzer zeigte sich bereit, im Zuge eines Tauschs Flächen zur Verfügung zu stellen.

Eine Geschiebesperre, wie von einem Anlieger angeregt, empfindet der Gemeinderat derzeit als nicht notwendig. „Lieber baggern wir das immer wieder aus“, sagte Gründl mit Blick auf die nicht unerheblichen Kosten.

Auf Zustimmung stieß eine weitere Entlastungsmaßnahme im Bereich der Reindlschmiede. Hier macht der Bach unterhalb der Parkplätze eine Kurve. Angedacht ist hier das Anlegen einer Flutmulde. In die strömt das überschüssige Wasser ab einem fünfjährlichen Hochwasserereignis, wird etwas weiter unten wieder in den Bach geleitet und entlastet so den engen Kurvenbereich. Vorgeschlagen wurde hier, die Mauer zum Parkplatz noch etwas zu erhöhen, um mehr Sicherheit zu schaffen. Wichtig für die Anlieger: „Die Flutmulde bleibt Wiese und kann weiterhin bewirtschaftet werden“, sagte Kokai.

Der Planer hat sich zudem Gedanken über das Anwesen in Kiensee gemacht. Der sogenannte „Wurzelschnitzer“ liegt mitten in den Überschwemmungsflächen des Reindlbachs. „Hier gibt es ja schon einen kleinen Wall vor dem Anwesen. Den wollen wir erhöhen, damit er auch einem 100-jährlichen Hochwasser stand hält“, erläuterte Gründl. Zudem sind zwei Rohrdurchlässe vorgesehen, die das Wasser schneller aus der Fläche ableiten sollen.

Weiter passiert der Bach dann auf seinem Weg zur Loisach in einem relativ schmalen Durchlass einen ehemaligen Bahndamm. „Das ist ein Nadelöhr“, merkte ein Anwohner an. Warum man diesen Durchlass nicht einfach vergrößern könne, forderten mehrere. Das würde alle Probleme lösen. Würde es nicht, antwortete Kokai. Dass der Bach Wiesen – keine Häuser – überschwemme, sei bei einem Hochwasser ja durchaus sinnvoll. Durch eine Verbreiterung des Durchlasses würden einige der jetzigen Rentensionsflächen trocken fallen. „Das heißt, wir müssten sie an andere Stelle nachweisen und eventuell künstlich schaffen“, so der Planer. Anders ausgedrückt: Die Wassermenge, die zur Loisach muss, bleibt die gleiche. Kann sie sich vor dem Durchlass nicht mehr ausbreiten, muss sie das danach tun. Im schlimmsten Fall verlagert sich die Hochwasserproblematik so in Richtung Loisach.

Mit diesem Punkt waren die meisten Anlieger am unzufriedensten. „Wenn man das nicht verbreitert, ist das doch alles Blödsinn“, brummte ein Zuhörer. Gründl versuchte, die Wogen zu glätten und versprach beispielsweise, dass man den Durchlass freiräumen werde.

Der Mürnseer Feuerwehrkommandant Ralph Gehrke sorgte für einen versöhnlichen Schluss der Debatte. „Ich finde das gut. Wir sollten mal schauen, wie sich die baulichen Maßnahmen auswirken.“ Auch Gründl befand, „dass wir auf dem richtigen Weg sind“.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Mit Strom und ohne Stühle
Wie sich die Zeiten ändern: Als die Bananafishbones an Weihnachten 2003 zum ersten Mal ein Unplugged-Konzert im Tölzer Kurhaus spielten, war das etwas Außergewöhnliches: …
Mit Strom und ohne Stühle
Unser Leserfoto des Tages: Eine Silberdistel
Unser Leserfoto des Tages: Eine Silberdistel
Heute Balladen-Abend in der Waldkirche Lenggries
Heute Balladen-Abend in der Waldkirche Lenggries

Kommentare