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Daheim in Bad Heilbrunn: Seppi Rohrmoser stammt aus der bekannten Reindlschmiede.

Seppi Rohrmoser im Porträt

Mit welchem Klischee der Chef der Schüler-Union zu kämpfen hat

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Seppi Rohrmoser (20) aus Bad Heilbrunn ist Vorsitzender der Bayerischen Schüler-Union. Hier ist jeder gerne gesehen, der über Politik diskutieren will. Das, findet er, kann die Jugend in diesen schwierigen Zeiten gar nicht genug tun.

Bad Tölz-Wolfratshausen – Natürlich kennt Seppi Rohrmoser, der in der Reindlschmiede in Bad Heilbrunn daheim ist, die Vorstellung, die man sich von Leuten wie ihm macht. Genauer: Er kennt das Klischee. „Die Leute denken, das sind doch die Söhne von irgendwelchen Anwälten, die am Wochenende über den Starnberger See fahren und die dauernd darüber nachdenken, wie sie am besten Karriere machen.“ Das habe mit der Realität aber nichts zu tun. „Wir haben in unseren Reihen wirklich viele coole Leute mit dem Bedürfnis, sich über Politik auszutauschen. Und das ist ja wirklich wichtig heutzutage“, sagt der 20-Jährige im Gespräch mit unserer Zeitung.

Rohrmoser, der bei der Stadtsparkasse München für das Thema Ausbildung zuständig ist, legt Wert auf die Feststellung, dass die Schüler-Union parteipolitisch unabhängig ist. Mag sein, dass sie der CSU etwas näher steht als anderen Parteien. Und sie hat auch ihre Postadresse in der CSU-Landesleitung in München. „Aber das spielt eine total untergeordnete Rolle. Wer immer sich für Politik interessiert, ist willkommen.“ Im Alter von zwölf Jahren kann man eintreten, mit 22 ist normalerweise Schluss.

Alleinstellungsmerkmal der Schüler-Union ist, dass sie sich auch stark um die Azubis kümmert. Daher heißt sie offiziell seit der Neugründung des Landesverbands im Jahr 2016 auch Auszubildenden- und Schüler-Union. In Bayern umfasst der Verein 1000 Mitglieder, im Landkreis etwa 60. „Ja, das südliche Oberbayern ist relativ stark vertreten, auch Städte wie Nürnberg oder Regensburg“, erzählt Rohrmoser. „In der Fläche schaut es eher schlecht aus, daran müssen wir noch arbeiten.“ Politisch vertritt man beim Thema Ausbildung eher konservative Positionen, Stichwort dreigliedriges Schulsystem. Doch das ist nicht alles. Seppi Rohrmoser wird auch ganz konkret aktiv, wenn es um Fragen etwa der Bewerbung geht. „Da bin ich ja beruflich auch prädestiniert dazu.“

Politisch interessiert war Rohrmoser immer schon, auch, weil in der Reindlschmiede ein Wahllokal untergebracht ist. Aber engagieren wollte er sich eigentlich nicht, das war ihm zu viel Arbeit. „Ich habe gedacht, ein bisserl blöd daherreden reicht auch“, erzählt er mit einem Lächeln. Dann aber lernte er in der Berufsschule München den früheren Vorsitzenden der Schüler-Union, Nico Singer, kennen, mit dem er leidenschaftlich debattierte. „Der hat mich bearbeitet und gesagt: ,Du musst zu uns kommen.‘“ Erst wurde er zum Landesschatzmeister gewählt, dann, im Oktober 2017, zum Landesvorsitzenden. Seither ist seine Zeit etwas knapper als die vieler seiner Altersgenossen. „Wenn die Feierabend haben, fahre ich schon mal mit dem Auto nach Nürnberg zu einer Kreisversammlung“, sagt er.

Wer im Internet politisiert, muss einiges aushalten

Übrigens findet Rohrmoser als Chef der Schüler-Union bei Ministern durchaus Gehör. Mit CSU-Größen wie Wirtschaftsminister Franz Josef Pschierer oder Kultusminister Bernd Sibler steht er in Kontakt. Mit Letzterem hat er vor kurzem noch persönlich darüber gesprochen, wie lebensfremd inzwischen das Handy-Verbot an der Schule ist. „In dem Gespräch hat er mir schon angedeutet, dass sich in der nächsten Zeit bei dem Thema was tun wird.“

Darüber hinaus ist die Schüler-Union viel in den sozialen Medien unterwegs. Wie gnadenlos dort der Ton sein kann, hat er kürzlich am eigenen Leib erfahren, als er den Streik von Schülern gegen das neue Polizeiaufgabengesetz kritisiert hat. „Da habe ich mal erlebt, wie es ist, so richtig übel diffamiert zu werden.“ Ihm selbst mache das weniger aus. Aber es gebe doch viele ganz junge Kreisvorsitzende, wo er nicht sicher ist, ob sie bei ähnlichen Vorfällen nicht hinschmeißen würden. Und das nur wegen ein paar Hass-Posts von Erwachsenen.

Wie es mit ihm politisch weitergeht, wird sich zeigen. Gemeinderat und Kreistag reizt ihn, auf eine Karriere als Berufspolitiker hingegen spekuliert er eher nicht. „Da gehört viel dazu, dafür muss man schon geboren sein.“ Dass da einer nicht zwanghaft Karriere machen will, können viele offenbar nicht glauben. „Ich werde oft gefragt, ob ich in fünf Jahren Bundeskanzler sein will.“ Da ist es wieder, das Klischee.

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