+
Für extrem schwere Patienten gibt es inzwischen auch Spezialkrankenwagen.

Extremes Übergewicht

Kliniken rüsten sich für Schwergewichte

  • schließen

Jeder zweite Erwachsene in Bayern ist übergewichtig. Jeder vierte gilt medizinisch als adipös, also fettleibig. Die Zahl der krankhaft Fettleibigen hat sich in den vergangenen 20 Jahren mehr als verdoppelt. Das bekommen auch die Krankenhäuser und Reha-Kliniken im Landkreis zu spüren.

Bad Tölz-Wolfratshausen Menschen mit extremem Übergewicht leiden häufiger an Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Stoffwechsel-Entgleisungen und Überlastungen des Bewegungsapparats. Doch für Patienten mit einem Körpergewicht von 120 Kilogramm oder mehr reicht die Ausstattung der Kliniken oft nicht aus. „Unsere normalen Krankenhausbetten sind für ein Gewicht bis 120 Kilogramm ausgelegt“, sagt Dr. med. Stefan Schmidbauer, Ärztlicher Direktor und Chefarzt der Chirurgie in der Kreisklinik Wolfratshausen: „Wir verfügen aber auch über einige Schwerlastbetten mit einer Tragkraft von bis zu 180 Kilogramm.“ Die Operationstische seien bis 220 Kilogramm belastbar. Für besonders übergewichtige Menschen hält er außerdem extralanges OP-Besteck und Spezialinstrumente vor, um zum Beispiel bei einer Bauchspiegelung die dicke Fettschicht zu überbrücken.

Die Chirurgie-Abteilung der Asklepios-Klinik in Bad Tölz hat vor wenigen Monaten aufgerüstet: „Unsere OP-Tische sind jetzt für ein Patientengewicht bis 300 Kilogramm ausgelegt. Vorher waren es nur 150“, erklärt Dr. med. Heike Kremser. Die leitende Oberärztin weist auf ein weiteres Problem bei der Behandlung von Fettleibigen hin: „Die Operationszeit verlängert sich – manchmal bis aufs Doppelte. Dadurch steigt auch die Narkosedauer und das Komplikationsrisiko.“ Wundheilungsstörungen treten umso häufiger auf, je dicker der Patient ist. Das gleiche gilt für Thrombosen und Embolien, also Gefäßverstopfungen durch Blutgerinnsel.

Der steigende Anteil extrem fettleibiger Menschen ist auch für den Wolfratshauser OP-Tisch-Hersteller Brumaba „ein Riesen-Thema“, sagt Geschäftsführer Sebastian Brustmann. „Seit 2006 produzieren wir nur noch OP-Tische für ein Patientengewicht von bis zu 300 Kilogramm. Immer mehr Kliniken ordern aber zusätzlich einen extra breiten Tisch für besonders dicke Patienten. In die USA liefern wir nur noch solche Sonderanfertigungen.“ Spezielle Adipositas-Kliniken bräuchten sogar Tische mit einer Tragkraft von bis zu 500 Kilogramm.

Eine Gewichtsobergrenze, bis zu der man zum Beispiel Gelenkersatz-Operationen durchführt, gibt es nicht, erklärt Dr. med. Michael Wiendl vom Orthopädiezentrum Isar-Loisach: „Früher hat man dem Patienten geraten, zuerst abzunehmen. Heute operiert man eher und hofft, dass er durch die Prothese wieder aktiver wird.“ Denn: Wenn die Schmerzen verschwunden sind, kann sich der Patient wieder besser bewegen und dadurch – so hofft man – Gewicht verlieren.

Ein gewisses Maß an Beweglichkeit ist auch Voraussetzung für die Aufnahme in der Reha-Klinik. „Unsere Betten sind für ein Gewicht von bis zu 160 Kilo ausgelegt“, erläutert Dr. Michael Fäßler, Chefarzt der Orthopädie in der Fachklinik Bad Heilbrunn: „Die Patienten müssen allerdings gehfähig sein, um die Stationen innerhalb des Hauses erreichen zu können.“ Bei der Reha selbst gibt es seiner Erfahrung nach kaum Probleme: „Die Geräte sind heutzutage meist auch auf ein höheres Körpergewicht ausgerichtet.“ Auch wenn der Anteil der Fettleibigen gestiegen sein, kann sich Fäßler aber nur an einen Fall erinnern, wo die Klinik einen Patienten aufgrund des Gewichts ablehnen musste.

Der Body-Mass-Index (BMI)

Der BMI errechnet sich aus dem Gewicht einer Person (in Kilogramm) geteilt durch das Quadrat der Körpergröße (in Meter). Als übergewichtig gelten Menschen mit einem BMI von 25 oder mehr. Das ist bei einer Größe von 1,70 Meter ab einem Gewicht von knapp 73 Kilogramm der Fall. Von Adipositas sprechen Mediziner ab einem BMI von 30. Ein BMI von 40 markiert die Grenze zur krankhaften Fettleibigkeit.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Ein „Häuschen“ für Klosterschüler in Indien
Mit diesem Gedenktag am Sonntag, 19. November, wissen die Menschen in unserer Gegend nicht viel anzufangen. Wie wichtig aber der 2001 eingeführte Welttoilettentag ist, …
Ein „Häuschen“ für Klosterschüler in Indien

Kommentare