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Einen traditionsreichen Beruf übt Andreas Stricker (26) aus: Er ist Sattlermeister.

Altes Handwerk

Beruflich fest im Sattel

Bad Heilbrunn - Sattler machen mehr als Sättel. Wie vielfältig der alte und inzwischen seltene Handwerksberuf ist, zeigt das Beispiel von Andreas Stricker, der seine Werkstatt in Bad Heilbrunn hat.

Der Beruf des Sattlers ist ein traditionsreicher und mittlerweile eher seltener Tätigkeitsbereich. Andreas Stricker übt dieses Handwerk seit Jahren mit Leidenschaft aus. An ihm kann man auch sehen, wie vielfältig diese Arbeit sein kann. Ob es um die Herstellung einer Tasche, das Polstern einer geliebten Couch oder das Anfertigen eines Sattels geht: Andreas Stricker erledigt in Bad Heilbrunn eine breite Palette an Aufträgen. „Ich bin ein richtiger Tüftler“, sagt der Sattlermeister mit einem breiten Lächeln. „Es macht mir Spaß, etwas Altes wieder neu zu machen und die Menschen mit meinem Handwerk zu begeistern.“

Geboren ist Stricker in Tirol. Mit sechs Jahren zog er nach Oberbayern – seine Familie väterlicherseits stammt von hier. Heute wohnt er in Bad Tölz. Wie sein ungewöhnlicher Berufswunsch entstand? „Ich wollte auf jeden Fall was Handwerkliches machen“, antwortet Stricker. „Aber Zimmerer war mir zu grob.“

Gelernt hat der 26-Jährige den Beruf bei der Firma „Kieffer Sattlerwarenfabrik“ in München, bei der er sowohl seinen Gesellen als auch seinen Meister machte. Während dieser Zeit erlernte er zum einen den Umgang mit Materialien wie Leder, Textilien und Holz, zum anderen betriebliche Grundlagen. Nachdem er erst als Fachlehrer an der Berufsschule Kehlheim tätig war, wollte Stricker zur praktischen Arbeit zurück und stellte von da an Designertaschen für Modeschauen der Firma „Etienne Aigner“ in München her.

Eine neue Herausforderung suchte er bei einem Betrieb in Stuttgart – wo er Ledertaschen anfertigte und an der Produktentwicklung beteiligt war. „Mit der Zeit hatte ich aber keine Lust mehr auf Pendeln“, erklärt Stricker, der seinerzeit jedes Wochenende heim nach Tölz fuhr – wegen seiner Liebe zu den Bergen. Wenn er Zeit hat, dann wandert der gebürtige Tiroler gerne – auch bis in die ganz hohen Lagen. „Für 2017 habe ich einen Aufstieg auf den Mont Blanc geplant“, sagt der Hobby-Bergsteiger.

Sein Arbeitgeber kam ihm entgegen: Um ihm den Pendelaufwand zu ersparen, stellte ihm die Firma eine Werkstatt in Bad Heilbrunn zur Verfügung, wo er weiterhin hauptberuflich Taschen für den Hersteller produziert.

Daneben hat Stricker Anfang September ein eigenes Gewerbe mit dem Namen „Sattlerei und Kunsthandwerk – Andreas Stricker“ angemeldet. Damit will der 26-Jährige wieder mehr unterschiedliche Sachen herstellen und sich künstlerisch ausleben.

Zu seinen alltäglichen Arbeiten gehören Reparaturen aller Art – unter anderem an Lederhosen, Gürteln und Sätteln. „Besonders interessant sind natürlich Spezialaufträge“, sagt Stricker. Ein ganz besonderer Auftrag war etwa die Anfertigung von Ledermasken für den Kinderfilm „V8 – Du willst der Beste sein“ vom „Wilde Kerle“-Regisseur Joachim Masannek. Die Ledermasken wurden von den Schauspielern als Kostüm während eines Kart-Rennens getragen.

In Zukunft würde der Sattler- und Feintäschnermeister gerne wieder Pferdegeschirr herstellen. „Vor allem wäre es eine Ehre, für eines der Pferde bei der Leonhardifahrt Geschirr oder Sattel anzufertigen.“

Tatjana Kintscher

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