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Vom Handwerker zum Physiker: Christoph Dittel aus Bad Heilbrunn. Derzeit arbeitet der 30-Jährige an seiner Promotion – unterstützt durch ein Stipendium. 

Theoretische Physik

Heilbrunner entwickelt Super-Formel

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Jahrelang scheiterten viele kluge Köpfe an einem bestimmten physikalischen Problem. Die Lösung fand schließlich der gelernte Zimmerer Christoph Dittel aus Bad Heilbrunn.

Bad Heilbrunn/Innsbruck – Bei einem Telefongespräch mit seiner Mutter fiel es Christoph Dittel wie Schuppen von den Augen. Schnell beendete er die Unterhaltung über das Wetter und brachte seine Idee zu Papier. Etliche Monate später stellte sich heraus: Der Heilbrunner hat an diesem Tag im Herbst 2016 einen bahnbrechenden physikalischen Zusammenhang erkannt. Mit einem Team am Institut für Experimentalphysik an der Universität Innsbruck und Kollegen in Freiburg und Paris arbeitete er eine Formel aus, die bereits in mehreren Fachzeitschriften veröffentlich wurde.

Die Liebe zur Physik weckte Joachim Vogt, Dittels Lehrer an der Staatlichen Berufsoberschule Bad Tölz. Hier holte der heute 30-Jährige vor neun Jahren sein Abitur nach. Zu diesem Zeitpunkt hatte er einen Realschulabschluss und eine abgeschlossene Zimmerer-Lehre in der Tasche. Aber nach einem halben Jahr im Beruf setzte sich Dittel ein neues Ziel: „Ich wollte Bauingenieur werden.“

Es kam anders. Dank der ansteckenden Begeisterung seines Lehrers studierte Dittel Physik an der Universität Innsbruck. Derzeit arbeitet er an seiner Promotion. Es geht um Interferenzen vieler Quantenteilchen. Die Österreichische Akademie der Wissenschaften unterstützt den Nachwuchswissenschaftler mit einem Stipendium. Innerhalb des nächsten Jahres will Dittel seinen Doktortitel in der Tasche haben und sich dann ganz der theoretischen Physik widmen.

Sein Fachgebiet beschreibt der gebürtige Tölzer als sehr komplex. Oft helfe es bei seiner Grundlagenforschung, ein paar Schritte zurückzutreten und einen anderen Blickwinkel einzunehmen. Das gelingt ihm zum Beispiel bei seinem großen Hobby, dem Bergsteigen. Oder bei einem Telefonat mit seiner Familie in Bad Heilbrunn.

Die dürfte mächtig stolz auf ihn sein. Mit der Formulierung des neuen Gesetzes ist es Dittel gelungen, einen komplexen Zusammenhang mathematisch sehr einfach darzustellen. „Das hatten einige Leute schon seit über zehn Jahren versucht“, heißt es in einer Pressemitteilung der Universität Innsbruck. Bisher wurden aber nur kleinere Fortschritte in bestimmten Fällen erzielt.

Der Schlüssel für seinen Durchbruch, sagt Dittel, lag in der Symmetrie. Er erkannte ihre Bedeutung und bezog sie in seine Überlegungen mit ein. Konkret beschreibt das neue Gesetz alle Fälle von totaler destruktiver Interferenz mehrerer Quantenteilchen. Grob gesagt geht es dabei um einen Auslöschungseffekt, der auf den Welleneigenschaften vieler Teilchen in beliebig großen quantenphysikalischen Systemen basiert.

Was Nicht-Wissenschaftler ratlos zurücklässt, ist für Physiker von großer Bedeutung. „Dieser Effekt ist ein wichtiger theoretischer Baustein“, sagt Dittel. Mit dessen Hilfe lassen sich in Zukunft vielleicht noch andere, bis dato ungelöste Probleme entschlüsseln. Davon gibt es eine Menge – und Dittel freut sich schon, sich daran zu versuchen. „Ich bin optimistisch und neugierig.“

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