Kohlköpfe, vierteln, säubern und hobeln: Dafür waren am Freitag und Samstag rund 20 Helfer des Gartenbauvereins im Einsatz.
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Kohlköpfe, vierteln, säubern und hobeln: Dafür waren am Freitag und Samstag rund 20 Helfer des Gartenbauvereins im Einsatz.

Aktion des Gartenbauvereins

Sauer macht lustig: Heilbrunner Bürger hobeln wieder Kraut

  • Patrick Staar
    VonPatrick Staar
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Was für seine Gesundheit tun, mit Bekannten ratschen und einen Vorrat anlegen: All das kann man beim Krauthobeln, zu dem der Bad Heilbrunner Gartenbauverein jedes Jahr einlädt. An die 100 Freunde höherwertiger Lebensmittel nutzten am Wochenende dieses Angebot.

Bad Heilbrunn - Unter ihnen die Heilbrunnerin Teresa Miesen: „Warum ich das mache? Weil man so das beste Kraut bekommt, das man nur haben kann. Wenn man es kennt, mag man kein anderes mehr.“ Rund eine Dreiviertelstunde muss sie das Gemüse mit einem Krautstampfer bearbeiten, bis es die gewünschte Konsistenz hat. Es reicht dafür auch für den ganzen Winter. Miesens Empfehlung: Sauerkraut-Lasagne und Bayrisch Kraut: Das mag inzwischen jeder bei uns.“

Auch Bernd Rosenberger schätzt das Kraut als „wichtigen Vitamin-C-Lieferanten für den Winter“. Mindestens ebenso sehr schätzt er den gesellschaftlichen Aspekt: „Ich treffe da immer Bekannte zum Ratschen.“ Mit seiner Familie stampft er gleich vier Eimer Kraut. Einen Eimer behält er für sich selbst, drei gibt er an Freunde weiter.

Während Miesen und Rosenberger erfahrene Krautstampfer sind, ist es für Stefan Hutzler und seinen Sohn Joschi eine neue Erfahrung: „Wir wohnen erst seit eineinhalb Jahren in Heilbrunn. Ich finde, die Aktion ist eine tolle Idee, und wir wollten das mal ausprobieren.“

Stampfen, bis das Kraut weich ist: An die 100 Heilbrunner kam am Wochenende zum Feuerwehrhaus, um einen Gemüsevorrat für den Winter anzulegen.

Kraut hält mehrere Monate

Es ist eine ganz Menge Arbeit notwendig, bis ein Eimer Sauerkraut fertig ist. Erst mal muss ein Bauer das Kraut anliefern. „Es ist ganz frisch“, betont Maria Fichtner, Vorsitzende des Gartenbauvereins. „Das Kraut wird am gleichen Tag geerntet oder einen Tag vorher.“ Dann kommen die rund Helfer des Gartenbauvereins zum Einsatz. Erst entfernen sie mit einer Bohrmaschine die Kohlstrünke. Dann wird das Gemüse geviertelt und geputzt, schlechte Stellen werden entfernt. Schließlich kommen die Kohlköpfe in eine Hobelmaschine. Zuletzt wird das Kraut mit Kümmel und Wacholder im Eimer eingestampft. Auf das Ganze kommt ein Wasserbeutel, der dafür sorgt, dass die Gase entweichen können und Sauerstoff hereinkommt. Es beginnt ein fünf- bis sechswöchiger Gärprozess. Wenn er fertig ist, kann das Kraut gegessen werden. Es hält sechs Monate bis ein Jahr.

Noch ist offen, wie lange der Gartenbauverein das Angebot noch aufrecht erhalten kann. Das Problem: Seit Längerem sinkt der Umsatz. Brachte der Gartenbauverein vor 15 Jahren noch 70 Zentner Kraut an den Mann und an die Frau, so sind es jetzt nur noch 40 Zentner. „Ein, zwei Jahre schauen wir noch zu“, sagt Fichtner. „Irgendwann ist es das einfach nicht mehr wert, dass man das Kraut extra aus Augsburg anliefern lässt.“

Warum der Trend kontinuierlich vom Krautstampfen weggeht? Fichtner kann nur spekulieren: „Viele Leute haben wahrscheinlich keine Lagermöglichkeit.“ Hinzu kämen die Corona-Auflagen, manche seien nicht bereit, sich anzumelden. Sofort aufhören kommt für Fichtner aber nicht infrage: „Wir haben das mit den Auflagen zweimal durchstanden. Wenn wir ausgerechnet jetzt aufhören würden, wär’s ein Schmarrn.“

Kraut zum Abholen: Der Heilbrunner Gartenbauverein hat noch einige Eimer mit fertig eingestampftem Kraut übrig. Wer Interesse am Kauf hat, kann sich bei Monika Fichtner melden, Telefon 0 80 46/13 86.

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