Die Langau ist die wichtigste Verbindungsachse zwischen Bad Tölz und Penzberg. Oft herrscht starker Verkehr. Für Radfahrer kommt es auf der Kreisstraße immer wieder zu brenzligen Situationen.
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Die Langau ist die wichtigste Verbindungsachse zwischen Bad Tölz und Penzberg. Oft herrscht starker Verkehr. Für Radfahrer kommt es auf der Kreisstraße immer wieder zu brenzligen Situationen.

Projekt seit Jahren in der Warteschleife

Der lange Weg zum Radweg in der Langau

  • Christiane Mühlbauer
    vonChristiane Mühlbauer
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Der Bau eines Radwegs im Heilbrunner Ortsteil Langau wird auf absehbare Zeit wohl nicht verwirklicht. Im Staatlichen Bauamt in Weilheim räumt man dem Projekt derzeit keine Priorität ein. Vorschlägen von Bürgern zur Veränderung der Verkehrssituation teilt das Landratsamt eine Absage.

Bad Heilbrunn – Seit Jahren wird über einen Radweg durch die viel befahrene Langau diskutiert und gerungen. Es ist die Hauptverbindungsachse zwischen Bad Tölz und Penzberg, der Verkehr ist stark, und nicht selten kommt es zu brenzligen Situationen. Offiziell werden die Radfahrer über den Weiler Baumberg geleitet, doch diese Trasse ist vor allem vielen Einheimischen zu weit und zu hügelig.

Nach vielversprechenden politischen Diskussionen im Jahr 2018 ist es nun wieder still geworden um das Projekt. Immerhin hatte man sich darauf verständigt, zuerst den westlichen Bereich anzugehen, also den Abschnitt zwischen Kreisverkehr, Fischzucht und Staatsstraße 2063. Hier soll der Radweg entlang der Staatsstraße verlaufen – fragt sich nur, auf welcher Seite: Im Süden müsste man langwierig Grundstücke erwerben, im Norden gilt der Bereich als Überschwemmungsgebiet. Vermutlich, sagt Martin Herda vom Staatlichen Bauamt Weilheim, werde es auf die nördliche Seite hinauslaufen, die Variante befinde sich in der Prüfung. Außerdem müsse ein „Landschaftspflegerischer Begleitplan“ erstellt werden. Herda, Abteilungsleiter für den Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen, sagt offen, dass man das Projekt in der Langau „nicht aus den Augen verlieren werde“, es derzeit aber auch nicht ganz oben auf der Prioritätenliste stehe. Es gebe zahlreiche andere Projekte im Landkreis, die dringlicher seien, und die personellen Kapazitäten in der Abteilung seien begrenzt.

Bürger haben Ideen

Zahlreiche Heilbrunner Bürger bewegt das Thema Radweg in der Langau jedoch sehr. Vorgeschlagen wurde unter anderem, den Bereich zwischen Oberenzenau und Kreisverkehr (also die östliche Seite) für den Autoverkehr ganz zu sperren oder sie als Einbahnstraße für die Autos auszuweisen, damit es Platz für Radfahrer gibt. Das Landratsamt erteilt diesen Ideen aber aus „straßenrechtlichen Gründen“ eine Absage: „Die Verkehrsbedeutung der Kreisstraße ist unverändert. Erst, wenn alle anderen Möglichkeiten der Radverkehrsführung scheitern, werden diese Vorschläge eventuell wieder auf den Tisch kommen“, sagt Pressesprecherin Marlis Peischer.

Die fünf Planungen für den Radweg auf östlicher Seite ruhen derzeit komplett. Hier war vor Kurzem ein denkmalgeschützter Stadl in den Fokus geraten (siehe Kasten). Langauer Bürger haben in jüngster Zeit verschiedene Ideen geäußert, einen Radweg zu realisieren, etwa unter Einbeziehung von verschiedenen Feldwegen, damit die Routenführung entlang der Kreisstraße möglichst kurz ist. Wenn die östliche Seite beplant werde, werde man alle Varianten „prüfen und testen“, sagt Katharina Mair, die stellvertretende Kämmerin im Landratsamt. Man werde sich auch mit dem Landesamt für Denkmalpflege auseinandersetzen, hier gab es bislang nur eine Voranfrage und keinen Antrag.

Warum gilt kein Tempolimit?

Weil sich das alles so lange hinzieht, herrscht bei vielen Bürgern Frust. Sie fühlen sich zudem vom Landratsamt vernachlässigt, weil außerhalb der Ortschaft für Autofahrer keine Geschwindigkeitsbegrenzung herrscht, und auch an der Bushaltestelle „Hochfeld“ gibt es keine Begrenzung mehr auf Tempo 30. In punkto Haltestelle argumentiert das Landratsamt, dass der Straßenraum übersichtlich sei, und Wartende durch die Busbuchten „größtmöglich geschützt werden“. „Geschwindigkeitsbeschränkungen kommen aus rechtlichen Gründen nur unmittelbar vor Schulen und Kindergärten in Betracht“, sagt Pressesprecherin Marlis Peischer.

Und was den Bereich außerhalb der Ortschaft betreffe: Autofahrer seien stets angehalten, sich so zu verhalten, „dass eine Gefährdung anderer Verkehrsteilnehmer ausgeschlossen ist“. Das gelte auch für den abschüssigen Kurvenbereich. Würde man beispielsweise ein Schild mit einer Begrenzung auf 70 km/h aufstellen, wäre das „für viele Verkehrsteilnehmer ein Anhaltspunkt für die Wahl ihrer Geschwindigkeit“.

Das sagt das Landesamt für Denkmalpflege

In jüngster Zeit drehten sich die Diskussionen, warum ein Radweg in der östlichen Langau nicht möglich sei, um einen unter Denkmalschutz stehenden Getreidekasten aus dem Jahr 1752. Eigentümer und Grundstücksbesitzer Johann Frech hätte gegen eine Versetzung nichts einzuwenden und weiß auch, dass dies bei einer der zahlreichen Besprechungen schon thematisiert wurde. „Das Landratsamt kann gegenüber dem Landesamt für Denkmalpflege auf öffentliches Interesse pochen“, sagt der Heilbrunner.
Marlis Peischer, Sprecherin des Landratsamts, bestätigt, dass es eine „denkmalpflegerische Voranfrage“ gab, jedoch keinen Antrag auf Erlaubnis. „Das Landesamt für Denkmalpflege spricht sich mit Nachdruck für den Erhalt des kompletten Gebäudes an Ort und Stelle aus“, sagt Peischer.

Wie das Landesamt auf Nachfrage unserer Zeitung berichtet, wurde der Getreidekasten letztmals 2019 begutachtet, zudem wurden Proben zur Holzalterbestimmung unternommen. „Das gesamte Gebäude wurde an der heutigen Stelle als Einheit 1752 neu errichtet. Es handelt sich um ein wichtiges Zeugnis der Agrarkultur des 18. Jahrhunderts“, so Pressesprecherin Dorothea Gehringer. Eine Versetzung bedeute einen Verlust an historischer Bausubstanz. Anders als in anderen Ländern, gibt es laut Gehringer in Bayern keine Unterteilung in verschiedene Denkmalklassen. „Die Wieskirche ist denkmalrechtlich nicht wichtiger als eine Bauernkapelle“, nennt sie ein Beispiel. Allerdings: Eine Abwägung verschiedener Interessen „muss und darf nur die Genehmigungsbehörde, also das Landratsamt (Unter Denkmalschutzbehörde), treffen“. Eine Abwägungsentscheidung „soll von gewählten und vom Volk kontrollierten Entscheidungsträgern (Landrat) verantwortet werden“, so die Pressesprecherin. Im Fall des Getreidekastens in der Langau sei es nie zu einer „verbescheideten Abwägung“ gekommen, weil es bislang nur eine formlose Anfrage gab. „Wie das Landratsamt dort seine Abwägung trifft, ist allein dessen Angelegenheit.“

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