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„Am wichtigsten sind Kompromissbereitschaft und Liebe“ , sagen Robert und Edeltraud Rieker. Zum 60. Hochzeitstag gratulierte auch Bürgermeister Thomas Gründl (li.). 

60 Jahre verheiratet

Ehepaar Rieker in Bad Heilbrunn feiert Diamantene Hochzeit: Im Heimaturlaub hat’s gefunkt

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Was ist das Geheimnis einer sechs Jahrzehnte währenden Ehe? Kompromissbereitschaft, sagen Edeltraud und Robert Rieker aus Bad Heilbrunn. Und natürlich Liebe.  

Bad Heilbrunn – Robert Rieker steht vor einer Wand, die über und über mit Familienfotos behängt ist. Zu sehen sind sein Sohn und seine Tochter, seine vier Enkel, sein Urenkel, Fotos von seiner Silbernen und Goldenen Hochzeit. Und vermutlich auch bald von seiner Diamantenen Hochzeit. Seit 60 Jahren ist er mit Edeltraud verheiratet. Dieses Jubiläum feierten die beiden am Donnerstag mit ihrer immer größer werdenden Verwandtschaft. „Wenn es so weitergeht, wird allmählich die Wand zu klein“, sagt Rieker lachend.

Was ist das Geheimnis einer 60 Jahre andauernden Ehe? „Darüber habe ich mich mit meiner Frau auch schon unterhalten“, sagt Rieker. „Wahrscheinlich vor allem Kompromissbereitschaft. Und natürlich Liebe.“ Die währt bei den beiden fast schon das ganze Leben lang.

Edeltraud Rieker wurde in Sekerschan im Sudetenland geboren. 1946 wurde sie mit ihrer Familie vertrieben und landete in Babenhausen im Unterallgäu. Robert Rieker ist ein gebürtiger Münchner, er wuchs in Lenggries auf und absolvierte eine Lehre bei der Firma Holnburger in Bad Tölz.

Die Wege von Edeltraud und Robert Rieker kreuzten sich erstmals 1952. Damals lernten sich die beiden in Babenhausen kennen. Robert Rieker hielt es zunächst für eine ganz normale Jugend-Bekanntschaft. 1954 wanderte er mit seiner Mutter nach Amerika aus. Robert und Edeltraud schrieben sich hin und wieder Briefe, immer wieder herrschte Funkstille. Robert leistete drei Jahre lang seinen Pflichtdienst beim amerikanischen Militär. Im Sommer 1958 machte er ein paar Wochen Heimaturlaub, traf seine Edeltraud – und plötzlich ging alles ganz schnell. Da ihre Tochter nun 21 Jahre alt und damit volljährig war, erlaubten ihr ihre Eltern, ebenfalls in die USA auszuwandern. „Im August 1958 haben wir alles mit der Auswanderei geregelt“, sagt Rieker. Im November kam Edeltraud in den USA an, einen Monat später heirateten die beiden. Warum es so schnell gehen musste? „Die Amerikaner waren damals ein bisschen komisch, wenn man in wilder Ehe gelebt hat.“ In San Antonio kam 1960 Tochter Diana zur Welt, 1961 Sohn Robert.

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Die junge Familie beschloss, der Hitze im texanischen San Antonio zu entfliehen und zog weiter ins kühlere Denver in Colorado. Im Winter 1962/63 brachen die beiden ihre Zelte in den USA ab, „denn meine Frau hatte fürchterlich Heimweh“. Die beiden verkauften ihren gesamten Besitz, fuhren mit dem Auto quer durch Amerika und überquerten mit dem Schiff den Atlantik.

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Da es damals sehr schwierig war, eine Wohnung zu finden, zogen die Vier erst mal zu den Schwiegereltern und waren glücklich, als sie endlich eine Wohnung in Gaißach gefunden hatten. Dort blieben sie sechs Jahre. 1969 landeten sie in Heilbrunn, das zu ihrer Heimat wurde. Edeltraud kümmerte sich vor allem um die Kinder, arbeitete als Haushaltshilfe und wurde so für einige Heilbrunner Familien zur Ersatz-Oma. Robert konzentrierte sich auf den Beruf. Sechs Jahre lang arbeitete er als Schlosser bei der Tölzer Firma Moralt, anschließend 30 Jahre lang beim Vermessungsamt.

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Heute schauen die beiden mit Vorliebe Musik- und Natursendungen im Fernsehen an. Ein Muss ist für Robert Rieker der regelmäßige Besuch des Heilbrunner Fußballplatzes, „denn da ist fast unsere ganze Familie beteiligt“. 

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