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Christopher Hummel, Apotheken-Sprecher im Landkreis.

Im Gespräch mir Christopher Hummel

Einmal pro Woche Notdienst – und immer mehr Kunden

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Weil es immer weniger von ihnen gibt, haben Apotheker auf dem Land immer mehr Arbeit. Gerade nachts: Während Pharmazeuten in großen Städten ungefähr 15 Notdienste im Jahr schieben müssen, kommen die Kollegen im ländlichen Raum schon mal auf 75. Christopher Hummel (42), der Apotheken in Bad Heilbrunn und Gaißach betreibt, kennt die hohe Belastung.

Bad Tölz-Wolfratshausen Kürzlich hat Christopher Hummel Helmut Ratzeck (70), der aus Altersgründen ausscheiden musste, als Sprecher der Landkreis-Apotheken abgelöst. Ein Telefonat mit Hummel direkt nach einem 24-Stunden-Notdienst.

Herr Hummel, wie war die Schicht?

Sie war ziemlich ruhig. Um 23.30 Uhr war der letzte Kunde da. Normalerweise muss man aber schon zwei-, dreimal aufstehen.

Die Landesapothekerkammer legt die Notdienste fest. Sind es mehr geworden, seit Sie vor neun Jahren angefangen haben?

Ja, man ist öfter dran, und man versorgt mehr Menschen als früher. Ich habe einmal die Woche Notdienst und bin dabei für Menschen bis zum Walchensee zuständig. Drei Apotheken in Penzberg, zwei in Kochel, eine in Benediktbeuern und eben ich in Heilbrunn teilen sich den Dienst im Bereich Loisachtal.

Gibt es Stoßzeiten?

Wenn ein Feiertag dazwischen ist, rumpelt’s ordentlich. Ich verteile die Medikamente ja über eine Luke in der Tür. Aber manchmal denke ich mir schon: Eigentlich könntest du die Tür gleich aufmachen. Das hat sicher mit dem Apothekerschwund zu tun. Aber die Leute haben heute auch eine andere Einstellung. Man kann bis abends um 8 Uhr in den Supermarkt gehen. Und so ist es auch normaler geworden, am Samstagnachmittag die Apotheke aufzusuchen. Die Hemmschwelle ist gesunken.

Sind Sie auf den „Ansturm“ vorbereitet?

Man weiß schon immer ein bisschen, was einen erwartet. Und danach bestückt man natürlich auch das Lager. Bienenstiche, Sonnenbrände, Pollen-Allergien oder Zeckenbisse: Das sind die Klassiker jetzt im Sommer. Aber manchmal werden die Vorräte schon knapp.

Wer kommt außerdem oft zu Notdiensten?

Mütter, denen die Babynahrung ausgegangen ist, zum Beispiel. Oder Frauen, die die Anti-Baby-Pille brauchen.

Ärgern Sie sich über manche Besucher?

Man kann sicher darüber diskutieren, ob ein Nasenspray um zwei Uhr nachts ein Notfall ist. Wenn es jemand unbedingt braucht, weil er nicht schlafen kann und am nächsten Morgen einen wichtigen Termin hat, ist es einer. Ich schaue da auf das Leid des Einzelnen.

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