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Gespannte Gesichter bei der Hauptversammlung des Bad Heilbrunner CSU-Ortsverbands.  

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Entwicklung der Heilbrunner Ortsmitte: „Leuten wird himmelangst“

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Um die Entwicklung in der Heilbrunner Ortsmitte ging es bei der örtlichen CSU. Viele Bürger haben Befürchtungen.

Bad Heilbrunn– Die Bad Heilbrunner Ortsmitte wird in den nächsten Jahren mit Gebäuden zugepflastert und gleicht am Ende mehr einer Kleinstadt als einem Dorf: Dies befürchtete Ernst Hauer nach einem Blick auf das Ergebnis des Realisierungs-Wettbewerbs. Diesem Eindruck widersprachen Bürgermeister Thomas Gründl und Ortsvorsitzender Josef Schwaller in der Jahresversammlung des CSU-Ortsverbands.

Hauer hatte sich schon bei der Bürgerversammlung zu diesem Thema zu Wort gemeldet. Im Anschluss habe er viele Rückmeldungen bekommen, sagte der ehemalige Gemeinderat. „Die Leute haben zu mir gesagt: Spinnen die komplett?“ Ihnen werde beim Blick in die Heilbrunner Zukunft himmelangst. Er selbst vermisse ein Konzept, in welche Richtung sich der Ort entwickeln wolle: „Soll Heilbrunn ein Schlafort werden? Oder ein Sozialort für sozial Schwache?“ Er plädiere stattdessen für ein Konzept, in dem der Kräuterpark, ein Hotel und die Jodquelle eine wichtige Rolle spielen. Das Hotel solle durch Chalets mit Elektro-Tanksäulen erweitert werden. Die Bebauung dürfe keinesfalls zu massiv ausfallen.

„Du sprichst mir aus der Seele“, entgegnete Josef Schwaller. „Wir sind für kleine Schritte. Überstürzt ist schnell was.“ Ähnlich die Antwort von Thomas Gründl. Auch er habe bemerkt, dass viele Bürger vor der geplanten Entwicklung der Ortsmitte Angst haben: „Sie meinen, dass übermorgen die Bagger anrollen. Aber das ist definitiv nicht so.“ Tatsächlich spreche man über Planungen in einem Zeitraum von 15 oder 20 Jahren. Es handle sich um einen Ortsentwicklungs-Prozess. Die Gemeinde stehe schon lange in Verhandlungen über den Kauf der Jodquelle. Das Thema sei „höchst interessant“. Andererseits müsse man irgendwann auch bremsen, „denn uns gehört ja eh schon fast das ganze Dorf“.

Auch andere Diskussions-Teilnehmer machten sich Gedanken um die Gestaltung der Ortsmitte. Einem Zuhörer ist vor allem wichtig, dass die Bauaufträge nicht an einen einzelnen Großunternehmer vergeben werden. „Ich fürchte: Wenn der Bebauungsplan steht, kommt ein Riese wie Krämmel und pflastert alles zu. Dann kriegen wir einen Einheitsbrei mit 50 gleichen Haustüren, 50 gleichen Vordächern und 50 gleichen Gartenzäunen.“ Typisch für ein oberbayerisches Dorf sei aber, dass jedes Haus anders aussieht. „Da gebe ich dir Recht“, antwortete Schwaller. „Wenn wir alles an einen Unternehmer vergeben würden, wäre das ein großer Schritt. Und den wollen wir nicht.“

Ein Schritt vorwärts wäre nach Ansicht von Erwin Tkaczyk, wenn es in der Ortsmitte wieder eine Dorfwirtschaft geben würde. Dies sieht auch Schwaller so: „Da gebe ich dir zu 1000 Prozent Recht. Eine Dorfwirtschaft wäre ein Traum. Was Besseres könnte der Gemeinde nicht passieren.“ Die Dorfwirtschaft könne dann vielleicht auch Zimmer an Radfahrer vermieten.

Landtagsabgeordneter Martin Bachhuber wollte wissen, wie sehr die Gemeinde an die Ergebnisse des Realisierungs-Wettbewerbs gebunden ist: „Hat die Gemeinde bei der Planung weiter freie Hand oder kommt sie nicht mehr aus der Umklammerung raus?“ Wenn dies so wäre, hätte es keinen Realisierungswettbewerb gegeben, antwortete Schwaller. Der Gewinner habe ein Auftragsversprechen für den Bebauungsplan, ergänzte Gründl. „Aber die Inhalte legt der Gemeinderat fest.“ Der große Vorteil des Realisierungswettbewerbs sei, dass die Gemeinde durch das Auftragsversprechen an bessere Architektur-Büros herankomme.

In der Diskussionsrunde ging es aber nicht nur um Gestaltungsfragen, sondern auch um die Finanzen. Was Ernst Hauer vor allem Sorgen bereitet, ist die Querfinanzierung, sprich der Verkauf von Grundstücken, damit die Schuldenlast der Gemeinde minimiert wird. „Ich bin selbst erschrocken, als ich die Vorschläge gehört habe, wie sich das alles rechnen könnte“, entgegnete Schwaller. „Aber das waren nur Vorschläge. Wir müssen das nicht machen.“ Es sei klar, dass die Gemeinde Grundstücke verkaufen müsse, „aber das können wir auch in den Randgebieten machen.“

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