1. Startseite
  2. Lokales
  3. Bad Tölz
  4. Bad Heilbrunn

„Er hat sie behandelt wie ein Stück Dreck“: Heilbrunner zu Bewährungsstrafe verurteilt

Erstellt:

Kommentare

Wegen fahrlässiger Trunkenheit im Verkehr musste sich ein Münchner Autohändler jetzt vor dem Wolfratshauser Amtsgericht verantworten. Münchner ist seit 2016 vorbestraft
Vor dem Amtsrichter musste sich jetzt ein 25-jähriger Heilbrunner verantworten. © vu/Archiv

Die Beziehung war für die junge Frau ein Martyrium. Immer wieder kam es zu Gewalttätigkeiten. Dafür musste sich ein Heilbrunner (25) nun vor Gericht verantworten.

Bad Heilbrunn – Eine Zeitlang war das junge Paar glücklich. Doch als die junge Frau dahinterkam, dass ihr Partner untreu war, begann ein Martyrium, das kürzlich am Wolfratshauser Amtsgericht ein juristisches Ende fand. Wegen mehrerer Fälle von gefährlicher sowie vorsätzlicher Körperverletzung, Nötigung, Freiheitsberaubung und Sachbeschädigung wurde ein junger Mann aus Bad Heilbrunn (25) zu einer Bewährungsstrafe von einem Jahr und vier Monaten verurteilt.

Es sei „eine schwere Zeit im Leben gewesen, von der ich überfordert war“, sagt der Angeklagte

Er räume das Ganze ein, weil es ihm „selber sehr leid“ tue, was er der Frau angetan habe, sagte der Angeklagte vor Gericht. Es sei „eine schwere Zeit im Leben gewesen, von der ich überfordert war.“

Seine „Überforderung“ entlud sich laut Anklageschrift in massiver Gewalt gegen die etwa gleich alte Ex-Freundin, der ein Auftritt vor Gericht erspart blieb, weil der Beschuldigte alle ihm zur Last gelegten Straftaten gestand. Die sechs angeklagten Fälle, nach Einschätzung des Gerichts nur „die Spitze des Eisbergs“, begannen im Sommer 2019 und erstreckten sich über einen Zeitraum von mehr als einem Jahr.

Rippe gebrochen, gegen den Kopf getreten

Beim ersten Mal zog er die Frau an den Haaren, trat ihr mit den Füßen gegen Kopf und Oberkörper, brach ihr dabei eine Rippe. Rund vier Wochen später soll er sie in einer Wohnung in Bad Tölz mit dem Kopf gegen die Zimmertür gestoßen und sie über den Boden gezogen haben. Ein weiterer Anklagepunkt beschreibt, wie der Mann „den Kopf der Frau gegen die Wand geschlagen, sie am Hals gepackt und gewürgt hat, so dass sie kurzzeitig bewusstlos war“.

Nach der letzten Attacke im Oktober 2020, als er sie „mehrfach mit der Faust ins Gesicht geschlagen, sie an den Haaren über den Kies im Hof geschleift und ihr sein Knie in den unteren Rücken gerammt“ hatte, erlitt die junge Frau eine Thorax- und eine Steißbeinprellung und war zwei Wochen krankgeschrieben.

Nur am Anfang sei es eine glückliche Zeit gewesen

Anfangs sei es eine glückliche Zeit gewesen, ohne Probleme. „Dann habe ich ein neues Mädchen kennengelernt“, so der Angeklagte, „von da an ging’s bergab“. Er habe versucht, „ein Verhältnis zu beenden“, aber dies habe sich hinausgezögert. „Es war nicht einfach, loszulassen“, sagte der junge Mann auf der Anklagebank.

Sein Anwalt warf ein, die Ex habe „auf die Beziehung beharrt, wollte ihn zurück“. Womöglich hing dies auch mit einem Darlehen in Höhe von 30 000 Euro zusammen, das die Tölzerin ihrem damaligen Freund gegeben hatte. Mit der Rückzahlung tat dieser sich schwer.

Freiheitsstrafe wird für vier Jahre zur Bewährung ausgesetzt

„Er hat sie wie ein Stück Dreck behandelt, sie über seine finanziellen Verhältnisse getäuscht, eine Parallelbeziehung geführt und sie hinter ihrem Rücken überall lächerlich gemacht“, hielt die Vertreterin der Nebenklage in ihrem Plädoyer mit ihrer Meinung nicht hinter dem Berg. Auch wenn sie „mehr als halbherzig“ herübergekommen sei, habe die Geschädigte die Entschuldigung ihres ehemaligen Lebensgefährten angenommen. Dem Angeklagten legte sie nahe, sich einer Therapie zu unterziehen: „Sie werden immer eine gewisse Übergriffigkeit haben, wenn sie sich da nicht Hilfe holen“, so die Anwältin.

„Vielleicht lassen Sie sich das durch den Kopf gehen“, griff Richter Helmut Berger diese Empfehlung in seiner Urteilsbegründung auf. Er verurteilte den Heilbrunner zu „sehr moderaten“ 16 Monaten Freiheitsstrafe, die für vier Jahre zur Bewährung ausgesetzt wurde. Zudem muss der Verurteilte 4500 Euro Schmerzensgeld an seine ehemalige Freundin zahlen. Dass er sich bei der jungen Frau entschuldigt hatte, wertete das Gericht strafmildernd.

Bad-Tölz-Newsletter: Alles aus Ihrer Region! Unser Bad-Tölz-Newsletter informiert Sie regelmäßig über alle wichtigen Geschichten aus der Region Bad Tölz – inklusive aller Neuigkeiten zur Corona-Krise in Ihrer Gemeinde. Melden Sie sich hier an.

Auch interessant

Kommentare