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In Gruppen aufgeteilt dürfen sich die Mädchen und Buben in vier Bereichen ausprobieren. 1. Schauspiel: Mit Magdalena Wiedenhofer (oben li.) vom Münchner Volkstheater gehen die Kinder auf die Suche nach den „Wilden Kerlen“ – und dürfen die dann auch gleich imitieren, zum Beispiel ihre Schreie. 2. Musik: Zusammen mit Tobias Weber (oben re.) und seinem Banjo komponieren die Kinder Musik aus d en Geräuschen des Waldes. 3. Tanz: Mit der Wolfratshauser Tanzpädagogin Eva Waldemer (unten li.) balancieren sie über Bäumstämme und tanzen wie Feen und Waldgeister. 4. Bildende Kunst: In der „Freiluft-Werkstatt“ von Marianne Süßbauer aus Mooseurach bei Königsdorf sägen die Kinder unter anderem größere Äste und Baumstämme klein – eine Aufgabe, der die Zwergerl mit großer Begeisterung nachkommen.

Das erste kulturelle Bildungsprojekt der Stiftung Nantesbuch vor Ort

Tanzen wie Feen, schreien wie wilde Kerle

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Für den Heilbrunner Kindergarten ist es laut seiner Leiterin ein Glücksfall: In Kooperation mit der Stiftung Nantesbuch dürfen die Vorschulkinder der Einrichtung ab sofort jeden Freitag im Wald verbringen, wo sie mit ihren Erziehern und professionellen Künstlern die Natur erforschen und sich kreativ damit auseinandersetzen.

Bad Heilbrunn – In der Gruppe von Marianne Süßbauer dürfen die Kinder erst einmal spinnen. Mit weißer Wolle grenzen sie wie Spinnen mit ihren Fäden den Platz ein, wo später eine Art Freiluft-Werkstatt entstehen soll. Ein paar Meter weiter sitzen einige Kinder zusammen mit Musiker Tobias Weber im Kreis und imitieren die Geräusche des Waldes, während sich Schauspielerin Magdalena Wiedenhofer mit ihren Schützlingen auf die Suche nach den „Wilden Kerlen“ gemacht hat. Die Gruppe von Tanzpädagogin Eva Waldemer stellt derweil Waldgeister und Feen tänzerisch dar.

So oder so ähnlich soll künftig jeder Freitagvormittag für die Vorschulkinder der Heilbrunner Kindertagesstätte St. Kilian aussehen. Zu verdanken haben die Mädchen und Buben dieses kostenlose Angebot der Stiftung Nantesbuch. Die hat am Freitag mit dem Format „Kindergarten Kunst und Natur“ ihr erstes kulturelles Bildungsprojekt vor Ort gestartet. „Ziel ist es, den Kindern spielerisch Zugänge zu Natur und Kunst zu eröffnen“, sagt Barbara von Jagow. Die Projektreferentin Kulturelle Bildung ist überzeugt, dass so ein Angebot maßgeblich dazu beiträgt, dass die Mädchen und Buben zu verantwortungsvollen Menschen heranwachsen, die achtsam und reflektiert durchs Leben gehen.

Für die Vorschulkinder des Heilbrunner Kindergartens dürfte der wöchentliche Ausflug in den Wald an der Winterschacher Wiese aber vor allem eines bedeuten: jede Menge Spaß. Geplant ist, dass die Mädchen und Buben zusammen mit ihren Erziehern und Kindergartenleiterin Dietlind von Plettenberg sowie den vier Künstlern bei Wind und Wetter das Gelände zwischen Gut Karpfsee und Gut Nantesbuch erkunden. „Außer vielleicht, wenn es eine Unwetterwarnung gibt“, sagt von Jagow und lacht. Sollte es draußen doch mal zu ungemütlich werden, haben die rund 40 Kinder und ihre Begleiter auch die Möglichkeit, sich im ehemaligen Verwalterhäuschen von Gut Nantesbuch aufzuwärmen.

Ansonsten sollen sich die Kinder aber vor allem im Gelände aufhalten und möglichst viele Wege finden, sich auf künstlerische Art mit der Natur auseinanderzusetzen. Die hierfür nötigen Impulse werden die extra zu diesem Zweck geschulten Erzieherinnen sowie die Künstler setzen, die die Stiftung von BMW-Erbin Susanne Klatten für das Projekt gewinnen konnte.

Unter ihnen ist auch die Tanzpädagogin Eva Waldemer. Sie leitet in Geretsried die Kunst- und Musikschule „Takt“ – und verkörpert damit beispielhaft den interdisziplinären Charakter, der die wöchentlichen Kunst- und Naturtage prägen soll. Die Wolfratshauserin unterrichtet seit Jahren Kinder – aber bislang immer nur im Inneren. „Ich freue mich auf die Herausforderung, draußen mit den Kindern zu arbeiten“, sagt Waldemar, die den Bereich „Tanz“ abdecken wird.

Ihre Kollegin Marianne Süßbauer aus Mooseurach bei Königsdorf ist für den Bereich Bildende Kunst zuständig. Die Bildhauerin hat bislang wenig mit Kleinkindern zusammengearbeitet, freut sich nach eigenen Worten aber sehr darauf: „Ich glaube, das ist eine sehr sinnvolle Sache.“ Das Jahresthema „Wachsen“ möchte die Künstlerin unter anderem zeichnerisch umsetzen. Außerdem könnte sich Süßbauer vorstellen, mit Ton zu arbeiten. Und natürlich sollen auch die herumliegenden Naturmaterialien in das kreative Tun miteinbezogen werden. Gleich am ersten Vormittag haben die Mädchen und Buben zum Beispiel größere Äste und Baumstämme klein gesägt, um Platz für ihre künftige Werkstatt zu schaffen. Die soll im Laufe der Zeit noch mit Sofas aus Moos ausgestattet werden, wo die Kinder etwa ihre mitgebrachte Brotzeit essen können.

Das Angebot scheint bei den Zwergerln gut anzukommen. Alle sind gut gelaunt und wuseln voller Eifer zwischen den Bäumen hin und her. Auch Klara ist begeistert: „Das macht Spaß“, findet die Fünfjährige. Recht viel mehr Zeit hat das Mädchen nicht, von ihren Eindrücken zu erzählen. Gerade dürfen die Kinder ihre Gruppen wechseln – und Klara will unbedingt noch zum Tanzen, ehe gegen 12.30 Uhr der erste Kunst- und Naturtag endet.

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