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Guter Schlaf statt Körperhy giene: Am ehemaligen Schlecker-Standort in Bad Tölz werden heute Matratzen verkauft.

Fünf Jahre nach der Insolvenz

Das wurde aus den Schlecker-Märkten

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Statt Seife und Putzmitteln gibt es nun Töpfe, Elektronik und Matratzen: In die ehemaligen Schlecker-Filialen im Landkreis ist längst neues Leben eingezogen. Ein Streifzug.

Bad Tölz-Wolfratshausen – Es ist einer der größten deutschen Wirtschaftsprozesse der vergangenen Jahre. Familie Schlecker steht vor Gericht und wird beschuldigt, vor der Insolvenz des Drogerie-Unternehmens Vermögen auf die Seite geschafft zu haben. Für Mitarbeiter und Kunden war es vor fünf Jahren ein Schock, als die Geschäfte schlossen. Schlecker verließ auch Lenggries, Benediktbeuern und Bad Tölz. Die Läden standen eine Weile leer. Heute erinnert kaum etwas an die Drogerien.

Als erstes verließ Schlecker Lenggries. Die Türen schlossen sich dort am 14. Februar 2012. Zu diesem Zeitpunkt wusste niemand, was aus den Räumen am Bahnhof werden sollte. Das änderte sich aber schnell: Das Fachgeschäft für Haushaltswaren Probst zog von der Karwendelstraße in das leer stehende Ladenlokal. „Wir waren vorher Mieter, jetzt sind wir Eigentümer“, beschreibt Inhaber Hans Probst den Vorteil des Standortwechsels.

Vor dem Umzug gab es aber einiges zu tun. „Wir hätten es nicht so lassen können.“ Die Fliesen wurden ausgetauscht gegen einen Vinylboden in Holzoptik, neue Fenster und eine neue Eingangstüre waren nötig. Außerdem „war die Elektrik vorsintflutlich“, sagt Probst. Inzwischen ist er aber sehr zufrieden mit seinem Laden, in dem er von Geschirr über Grills bis hin zu Schlüsseldienst und Sicherheitsbeschlägen alles fürs Haus anbietet.

1995 haben die Probsts das Geschäft übernommen, davor habe es den „Eisen Gustl“ aber schon sicher 50 Jahre gegeben. Daher hat Probst auch nie Bedauern in Lenggries vernommen, dass er nun am Bahnhof verkauft und es dort keine Drogerie mehr gibt. „Wir haben ja noch den Rossmann.“ Ab und zu höre er mal, dass früher ja mal der Schlecker hier war. Manche erinnern sich sogar noch an den Konecny – Schleckers Vormieter. Ganz verschwinden die Geister der Vergangenheit eben nie.

In Benediktbeuern hat die Firma Elprog aus dem Gewerbegebiet im ehemaligen Schlecker-Markt ihr Prüffeld eingerichtet. Das durchlaufen die elektronischen Baugruppen, bevor sie an den Kunden ausgeliefert werden. „Wir haben mehr Platz gebraucht“, erklärt technischer Leiter Stefan Ulrich. Ein paar Regale und Messplätze – so wurde aus der ehemaligen Drogerie das Prüffeld. Vor der Schließung hatte Schlecker noch einen anderen Standort in Benediktbeuern: im Oberdorf. Auch in diesen Räumen spielen Regale inzwischen eine wichtige Rolle. Dort ist die Bücherei 2015 eingezogen, weil ihr Standort am Dorfplatz zu klein geworden war. „Jetzt haben wir mehr Platz und sind mitten im Ort. Das ist ideal“, sagt Bücherei-Leiterin Brigitte Pentke.

Auch an der Tölzer Badstraße geht es heute um etwas ganz anderes als Körperhygiene. Seit Juni 2015 nutzt Matratzen Concord den Laden. „Wir sind sehr zufrieden mit dem Standort“, sagt Unternehmenssprecher Rudolf Jeschenko. Nach Schlecker habe keiner der Kunden mehr gefragt. „Wer zu uns kommt, will einfach nur toll schlafen.“

Einige Zeit vor der Insolvenz verabschiedete sich Schlecker bereits von einigen kleineren Filialen im Landkreis. Heute, etwa sieben Jahre danach, erinnert nichts mehr an sie. In der ehemaligen Drogerie in Gaißach eröffnete Christopher Hummel die erste Apotheke des Dorfs. In Bad Heilbrunn entstand ein Trachtengeschäft, Dietramszell gewann eine Praxis für Physiotherapie dazu, in Oberfischbach nutzt die Produktentwicklungsfirma Inventfood den Laden, und in Bichl wich das Gebäude Mehrfamilienhäusern.

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