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Selbst Angebautes aus der Region ohne lange Transportwege und mit fairen und transparenten Anbaubedingungen: Das bietet die Genossenschaft „BioTop“. Katerina Pholova, hier vor den Genossenschaftsbeeten in Letten, gehört zum kleinen engagierten Team.  

Genossenschaft „BioTop“

Zusammen isst man weniger allein

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Bad Heilbrunn – Die Genossenschaft „BioTop“ hat inzwischen über 100 Mitglieder. Der Initiator arbeitet mittlerweile hauptberuflich für das Projekt und hat noch viele Ideen.

Das zarte Pflänzchen sprießt, muss aber noch weiter wachsen: Die Genossenschaft „BioTop Oberland“ hat sich zum Ziel gesetzt, bis Ende des Jahres die Marke von 150 Mitgliedern zu erreichen. Das Projekt ist auf einem guten Weg dorthin: Die Grundidee, sich in der Gemeinschaft mit selbst angebautem, regionalem Gemüse zu versorgen, hat schon jetzt über 100 Anhänger gefunden.

„Es ist ein guter Anfang, es darf aber noch mehr werden“, beschreibt Projektleiter Sebastian Girmann die Entwicklung der Genossenschaft. Angefangen haben er und seine Mitstreiter mit ihrer solidarischen Landwirtschaft unter dem Motto „Wissen, wo’s herkommt“ vor etwa eineinhalb Jahren. Fünf Personen arbeiten aktuell mit, großteils ehrenamtlich. Nur Girmann selbst hat seinen Job gekündigt und kümmert sich seit 1. April als einziger Angestellter um die Genossenschaft. „Wir haben gesehen, dass mehr Arbeitskraft nötig ist“, begründet der 30-jährige Lenggrieser seine Entscheidung. Weil die Genossenschaft aber noch immer „alle Hände voll zu tun hat“, sei es das Ziel, einem möglichst großen Teil des Kernteams ebenfalls Arbeitsverträge anzubieten. Gelingt es, bis Ende des Jahres von jetzt 100 auf 150 Genossenschaftsmitglieder anzuwachsen, könnten die nötigen Löhne ausgezahlt werden.

Aktuell bewirtschaftet „BioTop“ zwei angepachtete Flächen: Zum ersten Standort mit 1,5 Hektar bei Garten Holzmann am Hofgut Letten (Gemeinde Bad Heilbrunn) ist in diesem Jahr noch ein halber Hektar bei „Evas Paradiesgarten“ in Waakirchen dazugekommen. Dazu mieten die Gemeinschaftsgärtner stundenweise das notwendige Gerät, etwa Traktoren oder Pflanzmaschinen

Gänzlich zur Versorgung aller Mitglieder reicht die Gemüseernte noch nicht. Garten Holzmann sowie die benachbarte Biogärtnerei „Beeren & Co.“ ergänzen das Sortiment, speziell um Gewächshausgemüse. So kommt für die Mitglieder ein Korb zusammen, den sie sich als ihren Ernteanteil jede Woche an einer der Verteilstationen (Bad Tölz, Lenggries, Greiling, Letten und Tutzing) abholen können. „Zuletzt waren unter anderem Minigurken, Rucola, Salbei, jede Menge Zwiebeln, Knoblauchgrün und violette Karotten drin“, sagt Girmann. Im Schnitt kämen immer 15 bis 20 Gemüsesorten zusammen – auch im Winter. „Dann gibt es zum Beispiel Kraut und Kohl, Blattspinat, Rucola, Petersilie, rote Beete, Pastinaken, Wurzelpetersilie, aber auch Sauerkraut, selbst gemachtes Tomatensugo oder Eingekochtes aus den Überschüssen des Sommers“, zählt Girmann auf. Die Erfahrung zeige, dass ein Korb den Wochenbedarf von zwei Personen gut abdecke.

In Zukunft soll sich die Genossenschaft zu 100 Prozent selbst versorgen – am besten auf einer eigenen Fläche, die sie kaufen oder langfristig pachten möchte. „Dazu müssten wir natürlich deutlich größer werden“, sagt Girmann. Doch erstrebenswert sei so eine dauerhafte Heimat auf alle Fälle. „Dann könnten wir noch nachhaltiger wirtschaften. Wir würden gerne eine Obstwiese anlegen. Aber mit befristeten Pachtverträgen geht das nicht. Nachdem man einen Baum angepflanzt hat, braucht er drei bis fünf Jahre, bis er im Ertrag ist.“ Auch der Humusaufbau zeitige erst über die Jahre positive Effekte. Eine geeignete Fläche zu finden sei aber nicht so einfach. „Grob gesagt: Ab zwei Hektar wird es interessant“, sagt Girmann. Im Umkreis von Bad Tölz oder Lenggries sollte das Grundstück liegen. „Denn hier wohnen die meisten Mitglieder. Und es wäre schön, wenn unsere Anbaufläche ein Treffpunkt wäre, bei dem man schnell mit dem Radl vorbeischauen kann.“

Überhaupt ist es ein Ziel der Genossenschaft, dass die Mitglieder nicht nur ihre Gemüsekörbe abholen, sondern sich auch stärker persönlich austauschen und kennenlernen. Ein Sommerfest am Samstag, 16. Juli (bei schönem Wetter, sonst eine Woche später) und Mitgärtnertage bieten Gelegenheit dazu. In Planung ist laut Girmann eine Internetplattform, wo die Mitglieder untereinander Gemüse tauschen können – langfristig vielleicht aber auch andere Waren oder Dienstleistungen. „Die Genossenschaft könnte einmal über die reine Gemüseversorgung hinausgehen, hin zu alternativem Zusammenleben und Gesellschaftsgestaltung“, schwebt Girmann vor. In welche Richtung es geht, hängt vor allem von den Ideen und Initiativen der Mitglieder ab.

Mitglied werden

Wie sie der Genossenschaft beitreten können, erfahren Interessierte auf www.biotop-oberland.de. Einmalig ist eine Einlage von 150 Euro zu leisten, die man zurückbekommt, wenn man die Genossenschaft verlässt. Danach ist jeden Monat ein Beitrag von 68 Euro zu zahlen.

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