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Im ehemaligen Kurpark planen die Berliner Architektinnen Doppelhaushälften und acht mehrstöckige Wohnhäuser. Die Baumallee (links) soll erhalten bleiben.

Gestaltung der Heilbrunner Ortsmitte

Gemeinderat stellt Hotelpläne zurück

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Vorerst kein Hotel, Zusammenarbeit mit Berliner Sieger-Architektinnen, Fokus auf bezahlbaren Wohnraum und das Dorfzentrum: Die Heilbrunner Gemeinderäte stellten bei der Klausurtagung Weichen für die Zukunft der Ortsmitte.

Bad Heilbrunn – In Zeiten, in denen die Entwicklung der Ortsmitte emotional diskutiert wird, wollen die Heilbrunner Gemeinderäte öffentlich Geschlossenheit demonstrieren. Deshalb gab das Gremium in Zusammenarbeit mit Städteplanern am Dienstag eine gemeinsame Pressemitteilung heraus. Der Text fasst die Ergebnisse der Klausurtagung am vergangenen Samstag zusammen. Wie zu hören war, saßen die Lokalpolitiker von neun Uhr morgens bis 15 Uhr nachmittags im Rathaus zusammen, um über die Zukunft von Bad Heilbrunn zu diskutieren. Nach Aussagen von Konrad Specker (Freie Wähler), dem Dritten Bürgermeister Josef Bernwieser (CSU) und Norbert Deppisch (Grüne) sind alle Fraktionen zufrieden mit der Klausur. „Wir sind einen guten Schritt weiter“, sagt Specker.

„Klar zurückgestellt“ haben die Räte laut der Mitteilung die Planungen für einen Hotelneubau nördlich des Abt-Walther-Wegs und der Badstraße auf den Post- und „Strauß“-Grundstücken. Die Gemeinde wird sich also bis auf Weiteres nicht für eine Hotelansiedlung einsetzen. Gespräche mit Investoren und möglichen Betreibern in den vergangenen Jahren brachten keine Lösung. Alle Investoren hätten eine „intensive Wohnbebauung zur Quersubventionierung“ vorgesehen. Neben kritischen Stimmen der Bürger zu einem Hotelgroßprojekt halten auch die Gemeinderäte die angestrebten Hotelgrößen (mit 120 Betten oder mehr) „unisono für Heilbrunn unpassend und überdimensioniert“. Die Gemeinde will bei diesem Thema auch die Entwicklungen rund um Gut Nantesbuch abwarten.

Ein Gesamtkonzept für die Gestaltung der Ortsmitte gibt es nach der Klausurtagung noch nicht – aber eine grobe Richtung. Die Gemeinderäte beschlossen, das Berliner Architektenbüro „Lemme, Locke Lührs“, das den Realisierungswettbewerb unter 13 Konkurrenten gewonnen hatte, mit der weiteren Planung zu beauftragen – aber nur unter der Voraussetzung, „dass das Büro zu einer Überarbeitung ihres Entwurfs bereit ist“. Denn der Gemeinderat will hier und da nachjustieren. Unter dem Titel „Geschosswohnen am Park“ sieht der Plan zum Beispiel acht mehrstöckige Häuser vor. „Das ist zu massiv“, findet Konrad Specker. Genauso sehen es Horst Kürzeder und Josef Bernwieser (beide CSU). Man müsse die Ortsmitte nach und nach behutsam entwickeln, sagt Letzterer. Inwieweit die Berliner Architektinnen von ihrem Entwurf abweichen, wird sich in den anstehenden Gesprächen zeigen. An der Überarbeitung sollen auch die Heilbrunner Bürger beteiligt werden. In welcher Form das möglich ist, ist aber noch nicht geklärt. Von „Lemme, Locke Lührs“ bekam der Tölzer Kurier am Dienstag keine Stellungnahme.

„Auf einmal zugebaut“ werden soll die Ortsmitte nicht, man will schrittweise planen. Zunächst im Dorfzentrum rund um den St.-Kilians-Platz: Darauf verständigten sich die Räte in der Klausurtagung. „Für Heilbrunn typische Freiräume und Grünstrukturen“ sollen dabei erhalten bleiben. Einstimmig habe man sich für den Erhalt der Baumallee im Kurpark ausgesprochen.

Baugrund ausweisen und an Investoren verkaufen muss die Gemeinde aber auch – schon um die 10,7 Millionen Euro, die sie für die 80 000 Quadratmeter große Fläche an Max Hoefters Kurfürstin GmbH zahlte, wieder reinzuholen. Eine „wesentliche Zukunftsaufgabe“ ist laut Pressemitteilung aber auch, „bezahlbaren Wohnraum für die örtliche Bevölkerung zu schaffen“ – und zwar mithilfe eines noch näher zu definierenden Einheimischenmodells und der „einkommensorientierten Förderung“ aus dem Bayerischen Wohnungsbauprogramm, die schwächer Verdienenden zugute kommt. Ein sogenanntes Baulandmodell soll festlegen, wo welches Instrument eingesetzt wird. Neben der Ortsmitte könnte das auch am Zwieselhang oder an der Angerlstraße sein.

Für Konrad Specker drehten sich die Klausur-Diskussionen noch zu wenig um die Bevölkerungsstruktur. Die Frage, „welche Leute wir in Heilbrunn haben wollen“, müsse geklärt sein, bevor die Art der Bebauung bestimmt werde. Bernwieser warnt vor einer „Überfremdung“, die durch zu viele Wohnhäuser zustande kommen würde.

In der Schwebe ist das Thema Bürgerbeteiligung. Bernwieser würde gerne nur die Bewohner hören, die im Bereich der Ortsmitte leben. „Je mehr man befragt, umso schwieriger wird es.“ Kürzeder hält von einer Befragung zum jetzigen Zeitpunkt nichts. Zunächst müsse sich der Gemeinderat über das weitere Vorgehen klar werden. Die nächste Klausurtagung findet im Juni statt. Deppisch hätte sich schon für diese gewünscht, „dass zumindest die Beschlüsse öffentlich gefasst werden“.

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