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Sabrina Wiedmann und ihr Freund Andreas Holzer (beide 25) schwärmen von der beeindruckenden Natur in Peru. Doch das Land müssen sie jetzt schneller verlassen, als ihnen lieb ist. 

Corona-Pandemie

Gestrandet in Südamerika: Junges Paar aus Heilbrunn sitzt in Peru fest - und macht anderen Reisenden Mut

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Für viele Reisende endet der Urlaub derzeit anders als geplant. Tausende Deutsche werden aufgrund der Corona-Pandemie aus allen Teilen der Welt in die Heimat zurückgeholt, doch die Koordination ist aufwendig. Auch Sabrina Wiedmann und Andreas Holzer aus Bad Heilbrunn plagt diese Ungewissheit. 

Arequipa/Bad Heilbrunn Als Sabrina Wiedmann (25) und Andreas Holzer (25) Ende Januar nach Südamerika flogen, freuten sie sich sehr auf ihre zweimonatige Auszeit in Bolivien und in Peru. „Als wir gestartet sind, war Corona überhaupt kein Thema“, erzählt Wiedmann am Telefon. Die Nachricht, dass Deutschland alle Urlauber aufgrund der Pandemie zurückhole, erreichte das Paar während einer viertägigen Wanderung im Colca-Canyon, eine der Hauptattraktionen Perus.

„Die Nachrichten haben sich überschlagen“, berichtet die 25-Jährige. „Die Rede war von Ausgangssperren, keinen Bussen und keinen Inlandsflügen mehr.“ Das Paar musste sich beeilen, aus dem kleinen Bergdorf in die nächstgrößere Stadt zu kommen. „Das war ein Wettlauf gegen die Zeit. Ein Touristenbus hat uns gegen Bezahlung mitgenommen.“

Das Paar hatte Glück und konnte noch von unterwegs aus online in einem Hostel in der Stadt Arequipa ein Zimmer buchen. Das Hostel kannten sie bereits von den Tagen zuvor.

Dort sitzen die beiden nun seit über einer Woche zusammen mit 60 anderen Reisenden aus aller Welt fest und versuchen, ihre Rückreise zu organisieren. Zusammen mit 70 anderen Deutschen, die sich auch in Arequipa befinden, haben sie sich in einer WhatsApp-Gruppe zusammengeschlossen, um sich gegenseitig über die neuesten Nachrichten auszutauschen und Informationen von der Botschaft weiterzuleiten. Das Problem ist, dass in der Hauptstadt Lima derzeit der Flughafen geschlossen ist, berichten die beiden.

Kurz nach dem Telefonat mit unserer Redaktion am Montagabend erhielten die beiden von der Botschaft die Info, dass sie wohl über den Militärflughafen in Lima ausreisen können. Doch dorthin müssen sie erst Mal kommen, zwischen den beiden Städten liegen zirka 15 Stunden Busfahrt. Wann es soweit sind wird, ist offen. Man werde versuchen, dass die Deutschen an Sammelpunkte gebracht werden könnten, von denen sie dann weitertransportiert werden, hieß es. „Wir würden uns ja auch selbst einen Flug buchen, aber es geht einfach nicht mehr“, sagt Wiedmann.

Den beiden Heilbrunnern geht es in der Unterkunft den Umständen entsprechend gut. „Klar, es ist belastend. Die Ungewissheit ist zermürbend“, sagt Sabrina Wiedmann. Gleichwohl versuche man, das Beste aus der Situation zu machen. „Wir haben Glück, dass unser Hostel noch geöffnet ist. Andere wurden schon geschlossen und die Touristen auf die Straße gesetzt.“ In ihrer Unterkunft sei das Personal freundlich, die Stimmung relativ gut. „Uns Deutschen geht es im Vergleich zu anderen Nationen gut, die Amerikaner zum Beispiel werden von ihrer Botschaft ziemlich allein gelassen“, berichtet Wiedmann.

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In dem Hostel muss man sich selbst versorgen. „Es gibt zwar nur zwei Kühlschränke für 60 Leute, aber jeder ist diszipliniert“, sagt Wiedmann schmunzelnd. Die Gäste versuchen, sich untereinander bei Laune zu halten. „Die einen machen Yoga zusammen, andere machen Spiele oder bringen sich gegenseitig ihre Landessprache bei“, erzählt die 25-Jährige. Andere würden der Belegschaft helfen, die Dachterrasse zu renovieren. „Jeder achtet auf jeden. Das ist auch ein schönes Gefühl.“

Vor dem Hostel ist es anders. „Man sieht sehr viel Militär, und die Männer fragen auch, wo man hin will.“ Vor Betreten des Supermarkts werde Fieber gemessen, und beim Einkaufen müsse man gebührenden Abstand halten. „Die meisten Peruaner sind sehr nett, aber es gibt auch welche, die uns Touristen meiden oder sogar dumme Sprüche machen, etwa, indem man gesagt bekommt, wir Reisende hätten Corona ins Land gebracht“, berichtet Wiedmann von Erfahrungen anderer Reisender.

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Dass sie Peru jetzt auf diese Weise verlassen müssen, stimmt die beiden traurig. „Wir hatten ja noch zwei Wochen Reise vor uns, und das Land ist wunderschön“, sagt Wiedmann.

Mit dem Bericht in der Zeitung möchte das Paar auch anderen Reisenden aus dem Tölzer Land, die derzeit irgendwo festsitzen, „gutes Durchhaltevermögen“ wünschen: „Und nicht vergessen: Alles hat irgendwann ein Ende.“

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