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In der Schlauchwanne drehte die Reichersbeurer Feuerwehr ein kleines Handyvideo, das beweist: Auch sie haben ihre Aufgabe gelöst – und hatten dabei viel Spaß. 

Neuer Trend in den sozialen Netzwerken

Grill-Wahnsinn im kalten Wasser

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Erinnern Sie sich? Bei der „Ice Bucket Challenge“ schütteten sich im Sommer 2014 unzählige Menschen einen Eimer voller kaltem Wasser über den Kopf. Der neueste Trend heißt „Kaltwasser-Grillen“. Kaum ein Verein kommt daran vorbei. Die meisten machen gerne mit. Denn neben der Gaudi geht es auch um den guten Zweck.

Bad Tölz-Wolfratshausen – Wenn sich drei Notfall-Sanitäter mitten im Winter barfuß in die Isar stellen und einen Grill dabei haben, kann das nur einen Grund haben: die Kaltwasser-Grill-Challenge, das jüngste Facebook-Phänomen. Das Prinzip: Jede Gruppe, die mitmacht, stellt davon ein Video ins Internet und nominiert weitere Vereine oder Organisationen, die sich dann der Herausforderung stellen müssen, im kalten Wasser zu grillen.

Kalte Füße, heißer Grill: Die Notfallsanitäter (v. li.) Korbinian Flossmann (Azubi), Michael Weisenbach und Hans Eberl grillten mit einer medizinischen Zange

Genau diese Aufgabe erfüllten vor Kurzem Michael Weisenbach, Hans Eberl und Korbinian Flossmann unterhalb der Tölzer Isarbrücke – und zogen dabei die Blicke aller Passanten auf sich. Zumal die drei Männer unter den orangefarbenen Dienstjacken knielange Lederhosen trugen. Viele andere Vereine und Rettungsorganisationen aus dem Landkreis denken sich dieser Tage ähnlich witzige Szenarien aus und filmen sich dabei.

Einige Mitglieder der Feuerwehr Reichersbeuern zum Beispiel nahmen in der Schlauchwanne voller Badeschaum Platz, während sie die Burger auf dem Grill wendeten. Zum Beweis drehten sie ein kurzes Handyvideo und luden es bei Facebook hoch. Nominiert worden waren die Beurer vom „Bistro Inkognito“ in Bad Tölz. Hätten sie die Aufgabe nicht innerhalb einer Woche erfüllt, hätten sie dem „Inkognito“-Team eine Brotzeit ausgeben müssen, so die Regeln. Für Kommandant Thomas Eiler war es aber „Ehrensache“ mitzumachen. Schließlich ging es neben der Gaudi auch um den guten Zweck: 100 Euro spendete die Beurer Feuerwehr im Rahmen der Challenge an den örtlichen Kindergarten.

Nach getaner Arbeit nominierten die Beurer drei neue „Opfer“, darunter auch ihre Tölzer Kollegen. Dank dieses Prinzips verbreitet sich die Kaltwasser-Grill-Challenge rasend schnell in den sozialen Netzwerken. Die wenigsten lassen sich lange bitten. Auch die Jugend der Tölzer Feuerwehr schritt wie gefordert innerhalb von sieben Tagen zur Tat und drehte ein Beweis-Video. Das Endprodukt wurde auf Facebook bereits rund 12 000-mal angeklickt, berichtet Michael Lindmair, Vorsitzender der Tölzer Wehr lachend. Zu sehen ist in dem kurzen Film, wie rund 20 Männer und Frauen zum Teil verkleidet in einen Löschwasser-Auffangbehälter springen. „Es war kalt“, versichert Lindmair. Er muss es wissen: Der Feuerwehr-Chef war selbst unter den Badenden und wartete, bis die Steaks durch waren. Wie es die Regeln vorschreiben, stand der Grillmeister im Wasser, in diesem Fall in einer Regentonne. Fazit: Die Jugend freute sich über eine gelungene Grillparty im Winter. Der Kindergarten der Lebenshilfe über eine Spende von 150 Euro für einen neuen Spielplatz.

Feuchtfröhliche Gaudi: Die Jugend der Feuerwehr Bad Tölz stellte ihren Grillmeister kurzerhand in eine Wassertonne. Einige hatten sich verkleidet, die Helme sind echt.

Auch die drei anfangs erwähnten Notfallsanitäter von der BRK-Bereitschaft Bad Tölz hatten sich einiges einfallen lassen, um ihre Aufgabe möglichst kreativ zu erfüllen. Der Grill stand im flachen Isarwasser auf dem Gestell, auf dem normalerweise die Rettungs-Trage liegt. Neben einer herkömmlichen Grillzange benutzten die Männer außerdem eine Magill-Zange. „Damit entfernt man Fremdkörper aus dem Mundraum“, erklärt Hans Eberl und grinst. Nachdem das Beweisvideo fertig war, packten die drei schnell zusammen. Bereits nach wenigen Minuten, sagt Michael Weisenbach, war im kalten Isarwasser jedes Gefühl aus den Füßen gewichen.

Spektakulär fiel auch das Video der Mitarbeiter der Brauneckbergbahn aus. Auf 1200 Meter Höhe schoben sie mit der Pistenraupe Schnee zusammen, um daraus einen riesigen Pool zu bauen, den sie dann mit Folie auskleideten, mit Wasser füllten – und das Team stieg bei minus 15 Grad zur Grillparty hinein.

Nominiert wurde im Schneeballsystem übrigens auch der der Heilbrunner Gemeinderat. Der wird wird beim allgemeinen Grill-Wahnsinn aber eher nicht mitmachen, sagt Thomas Gründl. Dafür hat der Bürgermeister eine charmante Begründung auf Lager: Die ehrenamtlichen Einsatzkräfte der örtlichen Feuerwehr täten so viel für die Bürger und die Gemeinde. „Eine Brotzeit für diesen Einsatz haben sie sich verdient.“

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