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Sprachen sich für kommunalen Wohnungs bau aus (v. li.): Jürgen Mistol von der Grünen-Landtagsfraktion und die Gemeinderatsmitglieder Bernd Rosenberger und Norbert Deppisch. 

Grüne in Heilbrunn diskutieren über das Thema Wohnungsbau

Einfamilienhäuser in der Kritik

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Auf bezahlbare Wohnungen statt auf Einfamilienhäuser soll sich die Gemeinde künftig konzentrieren: Darin war man sich bei einem Diskussionsabend der Heilbrunner Grünen einig.

Bad Heilbrunn – Bei der Wohnraumverteilung in Bad Heilbrunn gibt es eine absolute Mehrheit: Rund 65 Prozent der Wohngebäude sind Einfamilienhäuser – und nur etwa 14 Prozent Mehrfamilienhäuser. Dieser „geringe Anteil“ war ein Anlass für Bernd Rosenberger, die Zahlen des Landesamts für Statistik aus dem Jahr 2016 an die Wand im Haus des Gastes zu werfen. Rosenberger sitzt für die Grünen im Heilbrunner Gemeinderat. Der Ortsverband lud am Donnerstagabend zu einer Diskussion über bezahlbaren Wohnraum ein. Rund 15 Interessierte kamen, darunter einige Parteimitglieder.

Bevor der aus Regensburg angereiste Jürgen Mistol, Sprecher für Bauen, Wohnen und kommunale Fragen der Grünen-Landtagsfraktion, seinen Vortrag begann, ging Rosenberger auf die Heilbrunner Situation ein: „Viele Räume werden von wenigen Menschen genutzt“, las er aus der Statistik, die auch die Einkommensverhältnisse der Bewohner thematisierte. „41 Prozent der Heilbrunner verdienen etwa 80 Prozent des Geldes.“ Daraus folgerte Rosenberger, dass die Mittelschicht im Ort in den vergangenen Jahren geschrumpft sei. Sein Aufruf an alle Gemeinderäte: „Wir gestalten mit, welches Klientel nach Heilbrunn zieht, indem wir Wohngebiete ausweisen.“

Jürgen Mistol, der sich im Landtag für kommunalen und genossenschaftlichen Wohnungsbau stark macht, zeigte im Anschluss Fördermöglichkeiten auf. Der Gemeinde ans Herz legte er das kommunale Förderprogramm aus dem 2015 von der Staatsregierung beschlossenen „Wohnungspakt Bayern“. Das Programm laufe allerdings nur bis 2019, was Mis-tol kritisierte: „Wenn wir nach der Landtagswahl an die Regierung kommen, verlängern wir es und stellen deutlich mehr Flächen zur Verfügung“, sagte er. In Heilbrunn, wo derzeit die Planungen für die Ortsmitte laufen, gebe es im Gegensatz zu anderen Orten der Region genügend Flächen.

Der Landespolitiker appellierte an das Engagement der Kommunen und erinnerte an einen Grundsatz der bayerischen Verfassung, der 1946 formuliert wurde und nach wie vor gilt: Die Förderung „billiger Volkswohnungen ist Aufgabe des Staates und der Gemeinden“.

Ein bestimmendes Thema des Abends waren auch Einheimischenmodelle. Mistol erläuterte den sogenannten „Leitlinienkompromiss“ des Freistaats, an dem sich Kommunen orientieren müssen. Gemeinden könnten die Vergabekriterien relativ frei festlegen. Wie lange jemand in einem Ort lebt, muss nicht entscheidend sein. Auch die Kinderanzahl, Ehrenamtstätigkeiten oder ob jemand Angehörige pflegt, kann beim Kaufzuschlag von Wohnungen und Häusern berücksichtigt werden. „Aber das Ganze muss transparent und nach einem klaren Punktesystem ablaufen“, sagte Mistol.

Eine große Frage tauchte erst zum Ende des Abends auf: „Weiß die Gemeinde eigentlich, welchen Bedarf es an bezahlbaren Wohnungen gibt?“, fragte Stefan Matt. Die Gemeinde erhalte viele Anfragen. „Aber sie werden nicht systematisch erfasst“, antwortete Gemeinderat Rosenberger. Sein Fraktionskollege Norbert Deppisch betonte, dass der Bedarf sehr wohl da sei. „Wenn die Kinder aus dem Haus sind, wollen viele wieder etwas Kleineres. Aber sie finden nichts.“ Auch für junge Heilbrunner, die nicht mehr bei den Eltern, aber im Ort bleiben wollen, mangle es an kleinen Wohnungen mit zwei oder drei Zimmern, ergänzte Rosenberger. Deppischs Fazit: „Es kann nicht mehr jeder ein Einfamilienhaus bekommen. Diese Zeiten sind vorbei.“

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