Teuer und nur mäßig wirksam: Die Heilbrunner Gemeinderäte entschieden sich trotzdem dafür, Luftreinigungsgeräte anzuschaffen.
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Teuer und nur mäßig wirksam: Die Heilbrunner Gemeinderäte entschieden sich trotzdem dafür, Luftreinigungsgeräte anzuschaffen.

Gemeinderäte beschließen Kauf

Grünes Licht für Luftreiniger an Heilbrunner Schule

  • Patrick Staar
    VonPatrick Staar
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Der Schulausschuss des Kreistags hat den Kauf von Luftfiltergeräten für Klassenzimmer abgelehnt. Die Gemeinderäte in Benediktbeuern und Kochel haben sich kürzlich ebenfalls dagegen ausgesprochen. Einen komplett anderen Weg schlugen am Dienstagabend die Heilbrunner Räte ein: Einstimmig votierten sie für den Kauf – wenn sie von der Schule gewünscht werden.

Bad Heilbrunn - Vorausgegangen war eine lange, intensive Diskussion. Bei ihm würden sich mittlerweile die Angebote von Firmen stapeln, die Luftfiltergeräte herstellen, sagte Bauamtsleiter Hans Keller: „Die Angebote kommen aus Hamburg und weiß der Geier woher.“ Im Wesentlichen gebe es zwei verschiedene Philosophien – ein großes Gerät oder mehrere kleine.

Was die Systeme gemeinsam haben: Sie lösen nicht alle Probleme. So ist das Lüften in den Klassenzimmern weiterhin notwendig. „Die geforderte Luftreinigung bringt man auch nicht her, wenn man die Geräte in den Pausen mit Vollgas laufen lässt“, erläuterte Keller. Der Landkreis will sie erst anschaffen, wenn das Kultusministerium garantiert, dass man dann nicht mehr in den Distanzunterricht muss, ergänzte Bürgermeister Thomas Gründl.

„Eine brutal schwierige Entscheidung“

Skeptisch äußerte sich vor diesem Hintergrund auch Gemeinderat Anton Krinner: „Die verschmutzte Luft schwirrt ja erst mal im Raum rum, bis sie im Gerät gereinigt wird.“ Dritter Bürgermeister Bernd Rosenberger stimmte zu. Er habe mehrere Dokumente durchgelesen, die belegen würden, dass die Wirksamkeit nicht eindeutig nachgewiesen ist. Auch wenn die Anschaffung mit 50 Prozent Zuschuss gefördert werde, blieben für die Gemeinde noch immer Kosten in Höhe von 10 000 Euro übrig. Auf der anderen Seite würden Quarantäne-Maßnahmen eventuell etwas weniger hart ausfallen, wenn Luftfilter im Einsatz sind. „Wenn es eines Tages heißt: ohne Luftfilter kein Präsenzunterricht, dann stecken wir ganz schön in der Zwickmühle. Wenn durch Luftfilter der Ausfall von Unterricht verhindert werden kann, wäre es die Anschaffung auf alle Fälle wert.“ Rosenberger schlug vor, dass sich der Gemeinderat der Empfehlung der Schulleitung und des Elternbeirats anschließt. Kilian Spindler stimmte zu: „Eine brutal schwierige Entscheidung, weil wir nicht wissen, wie sich die Situation entwickelt.“ Es sei möglich, dass die Corona-Zahlen wieder nach oben schnellen und Unterricht nur noch mit Luftfiltergeräten erlaubt ist: „Und dann sind sie womöglich nicht mehr lieferbar.“

Er sei normalerweise ein sehr sparsamer Mensch, ergänzte Franz Lettner: „Aber die Luftfilter sollten uns das Geld wert sein.“ Er habe Homeschooling und geschlossene Schulen aus nächster Nähe miterlebt: „Daher weiß ich, dass das nicht einfach ist – für die Kinder und für das ganze soziale Umfeld.“

„Eine zusätzliche Sicherheit“

Auf einen anderen Aspekt verwies Zweiter Bürgermeister und Allgemeinmediziner Friedrich Bauer: „In unsere Schule gehen ausschließlich Kinder, denen wir kein Impfangebot machen können. Für sie sind Luftfiltergeräte eine kleine, zusätzliche Sicherheit.“ In Klassenzimmern mit 12- bis 17-Jährigen würde Bauer dagegen keine Luftfilter aufstellen, da diese sich impfen lassen können. Im Lehrerzimmer würde er aus dem gleichen Grund darauf verzichten: „Lehrer können sich impfen und sollten sich impfen lassen – wie jeder Mensch, der mit vielen Leuten Kontakt hat.“ Norbert Deppisch ergänzte, dass die Geräte auch nach der „Corona-Geschichte“ nicht wertlos seien, da sie beispielsweise auch Grippeviren aus der Luft filtern. Letztlich stimmten die Räte einstimmig für den Kauf der Luftreiniger.

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