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Ortstermin: Die SPD-Landtagsabgeordneten Florian von Brunn (li.) und Ruth Müller (re.) informierten sich auf dem Hof von Maria und Peter Fichtner über die Lage eines landwirtschaftlichen Familienbetriebs. 

Bei Besuch von SPD-Politikern

Heilbrunner Bauer schildert seine Lage: „Von der Landwirtschaft allein können wir nicht leben“

Die Gelegenheit, Politikern die Lage eines landwirtschaftlichen Familienbetriebs zu schildern, nutzte dieser Tage Peter Fichtner (61), Kreisobmann des BBV.

Bad Tölz-Wolfratshausen – „Vom Kleinbauerndasein alleine kann man nicht mehr leben.“ Die Gelegenheit, die Lage eines landwirtschaftlichen Familienbetriebs im Landkreis zu schildern, nutzte dieser Tage Peter Fichtner (61), Kreisobmann des Bayerischen Bauernverbands (BBV), beim Besuch der SPD-Landtagsabgeordneten Florian von Brunn und Ruth Müller auf seinem Hof in Bad Heilbrunn. Mit dabei war auch die SPD-Landratskandidatin Filiz Cetin.

Fichtner betreibt seit 1986 den Familienbetrieb mit 13 Hektar Grünland, neun Hektar Wald und zehn Kühen. Doch nur davon kann er den Hof nicht halten: „Ich habe immer einen Nebenjob als Lagerist oder Lkw-Fahrer gehabt, anders wären wir nicht über die Runden gekommen.“ Seine Zukunftsprognose sieht noch düsterer aus: „Wenn eins unserer vier Kinder den Hof irgendwann übernehmen will, dann wird das nur noch in Kombination mit einer Vollzeitarbeitsstelle funktionieren.“

Die nächste Generation braucht anderen Vollzeit-Job, um Hof weiterzuführen 

Fichtners Ehefrau Maria (55) erklärte: „Man muss mindestens zwei Stunden morgens und zwei Stunden abends im Stall sein. Zusätzlich fallen noch extrem viel andere Arbeiten auf dem Hof an. Das ist heftig, wenn man zusätzlich noch acht Stunden irgendwo arbeitet.“

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Die Familie wünscht sich für alle bayerischen Kleinbauern mehr staatliche Unterstützung und Entlastung. „Die Politik sollte endlich mal was ändern. Zum Beispiel wäre eine Staffelung für Pflichtversicherungsbeiträge fair. Außerdem haben wir nicht mal Anspruch auf Arbeitslosengeld, wenn der Nebenjob wegfällt, weil wir ja offiziell als selbstständig gelten“, sagte die Milchbäuerin.

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Aktuell bereitet der Bauernfamilie auch noch das geplante Freihandelsabkommen mit den Mercosur-Staaten in Südamerika Sorgen. „Dadurch werden die Milch- und Fleischpreise nur noch mehr gedrückt“, befürchten die Eheleute. „Wir können nicht bei uns eine heile Welt verlangen und dann sinnlos Ware wie Rindfleisch aus Südamerika importieren, das ist Irrsinn“, beschwerte sich Peter Fichtner.

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„Änderungen in der europäischen Agrarpolitik sind überfällig“, stimmte Ruth Müller zu, die dem Umwelt- und Landwirtschaftsausschuss des Landtags angehört. Einig waren sich die Politiker und die Familie, dass gerade die kleinen landwirtschaftlichen Betriebe die typisch oberbayerische Kulisse ausmachten. Und die gelte es zu erhalten.  

Felicitas Bogner

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