Heilbrunner vor Gericht

Bier aus Nachbars Keller gestohlen

Bad Heilbrunn/Wolfratshausen – Zwei Bierdiebstähle aus Nachbars Keller brachten einen Bad Heilbrunner jetzt vor Gericht.

 Der Angeklagte war ziemlich unverfroren. Durch einen schmalen Spalt über der Tür kletterte der 27-Jährige in ein fremdes Kellerabteil und stahl ein paar Flaschen Bier. Als der Geschädigte, der in Bad Heilbrunn im gleichen Mehrfamilienhaus wie der Beschuldigte wohnt, den Diebstahl bemerkte, verbarrikadierte er den Zwischenraum zwischen Tür und Kellerdecke mit Holzlatten.

Kurz darauf waren aus seinem Abteil wieder Bierflaschen verschwunden. Der dreiste Dieb war von der Seite aus eingestiegen. Auf Empfehlung der Polizei installierte der Bestohlene (27) eine Kamera. Die machte wenig später Aufnahmen vom Angeklagte, wie er einem Kumpel einige Flaschen in den Gang herausreicht. Wegen Diebstahl und Hausfriedensbruch wurde der arbeitslose Elektriker in Abwesenheit zu 1800 Euro Geldstrafe verurteilt.

Zu seiner Verhandlung war der Heilbrunner nicht erschienen. Er fühle sich psychisch nicht imstande, an der Verhandlung teilzunehmen, teilte er seinem Verteidiger eine halbe Stunde vor Prozessbeginn mit. „Er sieht es nicht ein“, sagte der Anwalt. Seinen Mandanten beschrieb er als „kompliziert strukturiert“.

Sein Kumpel von damals hatte seiner Zeugenpflicht nicht entgehen können. Der, wie der Angeklagte, mehrfach vorbestrafte 24-Jährige wurde aus der JVA Stadelheim vorgeführt, wo er seit Mitte September 2015 in U-Haft sitzt. „Ich kann dazu nichts sagen. Ich war betrunken. Wir haben bei ihm gefeiert – getrunken, geraucht, Ecstasy genommen“, erklärte er. Dass man „im Keller war, um Nachschub zu holen“, konnte er nicht leugnen. Die Fotos aus der Kamera waren eindeutig. „Er ist eigentlich ganz okay, friedlich, nett – wenn er nüchtern ist“, sagte er.

„Als ich ihn auf dem Bild gesehen habe, musste ich mich zurückhalten, dass ich ihm nicht aufs Maul haue“, machte der Geschädigte aus seiner Verärgerung kein Hehl. Inzwischen sei der Zorn verflogen. „Ich habe die Seiten jetzt auch mit Dachlatten versperrt“, erzählte der Industriekaufmann. Schlimmer als der Verlust der Bierflaschen sei bei so einer Sache die Verletzung der Intimsphäre, „dass jemand Fremdes einfach an meine Sachen geht“.

Dieses „unangenehme Gefühl“ wertete auch das Gericht strafverschärfend. Richter Helmut Berger verurteilte den Heilbrunner, der wegen Handeltreiben mit Betäubungsmitteln unter offener Bewährung steht, zu einer Geldstrafe von 120 Tagessätzen zu je 15 Euro.  rst

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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