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Erfolgsmodell: Medieninteresse weckte die Mitfahrerbank in Irschenberg im Landkreis Miesbach. In Benediktbeuern sucht man bereits nach Standorten.

Alternatives Verkehrsprojekt

Heilbrunner haben Interesse an der Mitfahrerbank

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Trampen für Senioren: Das ist das Konzept von Mitfahrerbänken, die es deutschlandweit bisher nur sehr vereinzelt gibt. Älteren Menschen sollen sie den Weg zum Supermarkt oder zur Kirche erleichtern. Im Bad Heilbrunner Gemeinderat kam die Idee gut an.

Bad Heilbrunn – Der Tramper am Straßenrand mit Pappschild, der vielleicht auch noch ein bisschen ungepflegt aussieht, den nimmt nicht jeder gerne mit. Die Mitfahrerbank, auf die in Deutschland immer mehr Kommunen aufspringen, verleiht dem Anhalterdasein einen offiziellen Charakter. Schon rein optisch: ein hübsches Bänkchen, umklappbare Tafeln mit Fahrzielen wie Supermarkt, Kirche, Rathaus oder Apotheke. In Irschenberg (Landkreis Miesbach) ist das Projekt ein Erfolgsmodell. Wartezeit im Durchschnitt: nur fünf Minuten.

Gleich zehn Bänke gibt es in der 12 000-Einwohner-Gemeinde Graben-Neudorf im Landkreis Karlsruhe (Baden-Württemberg). Das lernten die Heilbrunner Gemeinderäte in der jüngsten Sitzung. Konrad Specker (Freie Wähler) hatte die Idee eingebracht, die Ratskollegen bekamen zur Veranschaulichung einen zweiminütigen SWR-Beitrag über das alternative Verkehrsprojekt in Graben-Neudorf gezeigt.

Auf jenes Video war Ralph Seifert gestoßen. Er ist sowohl Behindertenbeauftragter des Landkreises als auch Gemeinderat in Benediktbeuern. In Zusammenarbeit mit dem Seniorenbeirat setzte er einen Brief an alle Bürgermeister im Landkreis auf, mit der Bitte, sich mit dem Projekt zu beschäftigen. Er ging auch an die Gemeinde Greiling, die ein Mitfahrerbankerl bereits im September abgelehnt hatte. Der Benediktbeurer Rat befasste sich im Oktober damit und sucht nun erste Standorte (wir berichteten).

Seifert sieht in der Idee eine günstige und umweltfreundliche Variante, und er sagt: „Es gibt immer mehr ältere Menschen bei uns, besonders Frauen, die alleine sind.“ Sie sind für ihn gerade in Gemeinden mit weiten Wegen die Zielgruppe Nummer eins.

Heilbrunn ist so ein Ort. „Ich würde das gerne unterstützen“, sagte Specker und regte gleich drei Standorte für die Bänke an: am Pflegeheim im Alpenhof, am geplanten Supermarkt und im Ortsteil Ostfeld. Die Schule könne sich vorstellen, die Bänke in einem Art Kunstprojekt zu gestalten. Nach Speckers Auffassung machen die Bänke auch Sinn für Menschen, die nach Tölz, Benediktbeuern oder Kochel müssen.

„Keine Konkurrenz, sondern Ergänzung zum RVO“

Hier fragte Bürgermeister Thomas Gründl (CSU): „Und wie kommen sie wieder zurück? Wenn dann müssten andere Kommunen mitziehen.“ Er bekam Zustimmung von den Räten, die sich nun mit einer „ortsinneren Lösung“ und möglichen Standorten beschäftigten. Norbert Deppisch (Grüne) schlug vor, das Rathaus als zentralen Punkt dazuzunehmen.

Mitfahrerbänke müssen gut anfahrbar sein – gar nicht so leicht an der Bundesstraße 472. Bernd Rosenberger (Grüne) schlug vor, beim RVO anzufragen, ob man eine Busbucht mitnutzen könnte. Wie das ankommt, ist fraglich: „Die Bänke sollen keine Konkurrenz, sondern nur eine Ergänzung zum öffentlichen Nahverkehr sein“, sagte Specker. Das schreibt auch Ralph Seifert in seinem Brief an die Gemeinden. Es gehe nur um Lücken, sowohl geografisch als auch zeitlich, die von Bussen nicht bedient werden.

Apropos Konkurrenz: Bürgermeister Gründl fasste zusammen, dass die Stimmung im Gemeinderat zur Mitfahrerbank durchaus positiv ist. „Aber wir müssen auch noch mit den Taxiunternehmern im Ort sprechen. Wir sitzen alle in einem Boot.“

Seifert sieht in dem Projekt auch einen „sozialen Faktor: „So lernen sich Einheimische und Zugezogene kennen. Vielleicht entstehen daraus sogar Freundschaften.“

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