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Wieserehen und Kennenlernen im Pfarrsaal: Kilian Spindler begrüßt die Teilnehmer des Ministrantentreffens. 

Heilbrunner Ministrantentreffen ein voller Erfolg

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Rund 100 ehemalige und aktuelle „Minis“ haben sich am Samstag in Bad Heilbrunn getroffen und schwelgten in Erinnerungen. Dazu gehörte der heimliche Schluck Messwein genauso wie gemeinsame Besuche im Tölzer Eisstadion.

Bad Heilbrunn – Es ist keine einfache Zeit für die katholische Kirche. Der Missbrauchsskandal treibt die Bischöfe vor sich her und bestimmt die Schlagzeilen. „Eine schlimme Sache“, sagt auch Kilian Spindler. Bei all dem dürfe man aber nicht vergessen, dass die Kirche auch viel positive Arbeit für Kinder und Jugendliche leistet. Aus diesem Grund beschloss der Pfarrgemeinderat, ein Treffen für alle aktuellen und ehemaligen Ministranten zu organisieren. Eine Idee, die zündete: So um die 100 Ehemaligen drängten sich im Pfarrsaal.

Es war eine bunte Gruppe, die sich im Pfarrsaal versammelte. Unter den Gästen war Margret Weitz. Die Heilbrunner Mesnerin ging vor zehn Jahren in den Ruhestand und wohnt seither in Köln. Zum Ministrantentreffen reiste die 90-Jährige extra aus dem Rheinland an. Ältester ehemaliger Ministrant im Raum war der 84-jährige Peter Bauer. Seine Erinnerung an seine Zeit als Ministrant: „Ich war damals so klein und schwach, dass der Pfarrer das Buch lieber selbst gehalten hat.“ Zu den Ehrengästen zählten auch Pfarrer Pater Karl Bopp und der ehemalige Heilbrunner Pfarrer Christian Hartl, der mittlerweile als Hauptgeschäftsführer bei Renovabis arbeitet – ein Hilfswerk der katholischen Kirche, das pastorale, soziale und gesellschaftliche Projekte in Mittel-, Ost- und Südeuropa unterstützt.

„Es freut mich narrisch, dass so viele gekommen sind“, sagte der Pfarrgemeinderats-Vorsitzende und Initiator Josef Bachhuber. Spindler kommentierte, dass das Treffen wohl genau die richtige Veranstaltung zum richtigen Zeitpunkt sei. Er selbst habe die zwölf Jahre als Ministrant als „wunderschöne Zeit“ in Erinnerung behalten und sei froh, all dies erlebt zu haben. Die Kirche habe einen wichtigen Beitrag zu seiner Persönlichkeitsentwicklung und Glaubensbildung geleistet.

Ministranten erzählen von damals und heute 

Michael Specker: Ich war von 1958 bis 1962 Ministrant. Pfarrer Kistler hat bei meiner Mutter immer Brot geholt, das sie selbst gebacken hat. Da hat er mich entdeckt. Pfarrer Kistler hat gesagt, dass die Ministranten seine zwölf Apostel sind. Sie müssen immer da sein. Das Problem war, dass ich drei Kilometer zur Kirche gehen musste. Am Samstag um 16.30 Uhr ist der Rosenkranz gebetet worden. Am Sonntag um 7 Uhr war die Frühmesse, um 9 Uhr der Hauptgottesdienst. Um 11 Uhr bin ich heimgekommen, dann haben wir gegessen. Um 12.30 Uhr war ich unterwegs, damit ich pünktlich bei der Andacht wieder da bin. Die Kirchenglocken mussten wir noch selbst läuten, es gab keinen Knopf zum Einschalten. Bei Mesnerin Gruber habe ich immer einen Kaffee und ein Stück Zopf bekommen. So hat mein Wochenende ausgesehen, fünf Jahre lang.Ich war das ganze Jahr jeden Tag in der Kirche. Man hat sich gar nicht getraut zu sagen, dass man keine Zeit hat. Wenn man den Pfarrer auf der Straße gesehen hat, musste man sagen:„Gelobt sei Jesus Christus.“ Naja, das ist 60 Jahre her. Von Pfarrer Kistler haben wir kein Honorar bekommen. Dafür gab es an Weihnachten mal ein Fingernagelputz-Set, Fußballschuhe oder einen Werkzeugkasten. Von den Kurgast-Pfarrern haben wir 20 Pfennig bekommen. Pfarrer Kistler war ein Bergfan. In den Ferien haben wir mit ihm mal zum Ettaler Mandl fahren dürfen und einmal zur Dreitorspitze. Es war eine schöne Zeit. Alle sind gleich behandelt worden. Wenn eine Beerdigung war, haben wir in der Zeit schulfrei bekommen. Pfarrer Kistler war ein begnadeter Redner. Seine Predigten waren vom Feinsten. Mal hat er geschrieen und dann wieder halb geweint. Das Manuskript von seiner Abschiedsrede habe ich noch. 

Erzählen als ehemalige Ministranten ihre Anekdoten (v. li.): Michael Specker, Michael Spindler und Ernst Hauer.

Ernst Hauer: Pfarrer Kistler ist aus der Gegend um Füssen gekommen. Er war ein Riesen-Eishockeyfan. Die ganzen Füssener Stars wie Paul Ambros und Markus Egen hatte er in der Schule im Unterricht, als sie noch Buben waren. Der Pfarrer hat uns Ministranten immer in seinem DKW zum Eishockey nach Tölz mitgenommen. Wir waren damals ja nicht mobil, ohne ihn hätten wir nicht hingehen können. Pfarrer Kistler hat zu uns gesagt: „Buam, ihr müsst für Füssen schreien. Fiassa vor, Fiassa vor.“ Die Leute, die hinter uns gestanden sind, waren deshalb schon ziemlich aufgebracht und haben gesagt: „Was ist denn das da für ein Depp da vorne? Wenn er keine Ruhe gibt, hauen wir ihm eine runter.“ Da haben wir gesagt: „Das ist unser Herr Pfarrer.“ Dann haben die Leute gesagt: „Na gut, dann ist es in Ordnung.“ Damals hatte man noch richtig Respekt vor einem Pfarrer. Er war unantastbar. Ich bin bis heute Eishockeyfan geblieben und gehe 60 Jahre später immer noch ins Stadion. An eines erinnere ich mich noch: Ich bin immer zu spät zum Treffpunkt gekommen. Die anderen haben von Pfarrer Kistler ein Tomahawk als Weihnachtsgeschenk bekommen. Und ich einen Wecker. Mei – das hat mir gestunken, war das eine Blamage. In der Schule hat er mich immer an den Haaren gezogen. Da bin ich auf den Stuhl gestiegen, er auch. Da bin ich auf den Tisch gestiegen. Da hat er zu mir gesagt: „Bua, ich bin noch immer größer als du.“ Ab zu haben wir etwas Wein getrunken. Damit es nicht auffällt, haben wir den Wein mit Wasser gestreckt. 

Lesen Sie auch: Die Anekdoten der Ministranten

Michael Spindler: Bei Pfarrer Kistler habe ich gleich am ersten Sonntag eine Watschn gekriegt, weil wir in der Kirche nicht brav genug waren. Jeder hat Watschn gekriegt. Man kann sich gar nicht vorstellen, wie viele Gäste früher auf den Straßen in Heilbrunn unterwegs waren. Wie in der Tölzer Fußgängerzone. Auch viele Pfarrer waren Kurgäste in Heilbrunn. Es war Vorschrift, dass ein Pfarrer jeden Tag eine Messe abhält, auch wenn er auf Kur ist. Es kam nicht so selten vor, dass in der Heilbrunner Kirche drei Messen gleichzeitig stattgefunden haben. Die zwei Seitenaltäre waren meistens auch belegt. Zugehört hat niemand, die Pfarrer haben die Messe für sich selbst gelesen. In der Sakristei gab es eine Strichliste: Wer zu spät gekommen ist, hat ein Stricherl bekommen. Für jedes Stricherl musste man ein Zehnerl bezahlen. Für eine Beerdigung haben wir 50 Pfennig Honorar bekommen. Für 30 Pfennig haben wir uns dann eine Leberkassemmel gekauft, für 10 Pfennig eine Essiggurke und für 10 Pfennig eine Wundertüte. Ich kann mich an einen zerstreuten Kurgast-Pfarrer erinnern, der am Freitag eine Messe abgehalten hat. Bei der Kommunion hat er meinen Bruder gefragt: „Haben wir eigentlich schon die Wandlung gehabt?“

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