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Viel Platz in der Heilbrunner Ortsmitte: Auf dem Areal, auf dem einst Kurhaus und Wandelhalle standen, soll im nächsten Jahrzehnt ein Dorfzentrum mit Aufenthaltsorten, Grünanlagen und Wohnhäusern entstehen.

Vor der Klausurtagung

Heilbrunner Ortsmitte: Fokus auf die Wettbewerbssieger

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Beim Großprojekt Ortsmitte plädieren mehrere Heilbrunner Gemeinderäte dafür, sich auf die Entwürfe der Wettbewerbssieger zu konzentrieren. Außerdem forcieren Freie Wähler und Grüne noch vor der Klausurtagung am 5. Mai eine Bürgerbeteiligung.

Bad Heilbrunn – Die Heilbrunner Bürger wollen bei der Planung der Ortsmitte mitreden: Mehr als 300 Briefe und Mails erhielt die Gemeinde bislang. Alleine zur Bürgerversammlung Anfang März gingen laut Bürgermeister Thomas Gründl über 40 schriftliche Rückmeldungen ein. Etwa 20 weitere personalisierte Schreiben wurden im Rathaus abgegeben.

Dass die Heilbrunner an der Gestaltung eines neuen Dorfzentrums mit Lebensqualität bietenden Aufenthaltsorten und Wohnhäusern stärker eingebunden werden wollen, ist auch bei einigen Gemeinderäten angekommen. So plant die Fraktion der Freien Wähler (FW) am Sonntag, 29. April, einen Bürgerfrühschoppen, bei dem jeder Interessierte den Lokalpolitikern Anregungen für die Klausurtagung am 5. Mai mitgeben kann. Grünen-Gemeinderat Norbert Deppisch plädiert für eine schriftliche Bürgerbefragung. Seine Idee: Nummerierte Fragebögen an jeden Haushalt schicken, auf denen die Bürger auch ihren Ortsteil vermerken. „Damit wir ihre Interessen besser einschätzen können“, sagt Deppisch. Vielleicht müsse man für die Befragung „jemanden hinzuziehen, der das professionell macht“. Eine „halbscharige, entpersonalisierte“ Umfrage will er vermeiden.

Eine klare Anspielung auf die Zettel, die die Gemeinde in der Parkvilla ausgelegt hatte. Dort konnte jeder – streng genommen so oft er wollte – seinen favorisierten Architektenentwurf aus dem Realisierungswettbewerb ankreuzen. FW-Gemeinderätin Karolina Waldmann bewertet diese Umfrage im Nachhinein als „unseriös“. Fraktionskollege Konrad Specker findet „die Expertenmeinung repräsentativer als diese Zettel“.

An die Empfehlung der Fachjury, die Stadtplaner aus Berlin, Stuttgart und München mit einem Preisgeld von insgesamt 37 000 Euro bedacht hat, wollen sich die Freien Wähler halten. Das stellen sie geschlossen klar. „Wir möchten den Weg mit einem der drei Siegerbüros weiter gehen“, sagt Specker – und meint auch: Eben nicht mit einem anderen. Die Aussage sei nicht als Kritik am Bürgermeister zu verstehen – ein Fingerzeig in seine Richtung ist sie aber. Gründl hatte bereits vor der Bürgerversammlung öffentlich für den Entwurf der Wolfratshauser Firma Krämmel und damit auch für zwei Heilbrunner Architekten geworben. Nun relativiert der Rathauschef: Er habe sein persönliches Empfinden zu den Entwürfen zur Diskussionsanregung geäußert. „Ich glaube, welches Architekturbüro letztendlich den Weg mit der Gemeinde gehen darf, ist zweitrangig und eben nach den Vorgaben des Realisierungswettbewerbes zu bewerten.“

Tatsächlich sieht die Auslobung vor, dass mit den drei Siegern verhandelt werden muss, bevor mit einem anderen Teilnehmer verhandelt werden darf. Das bestätigt Stefan Hofer von der Firma Lars Consult, die den Wettbewerb zwischen 13 Planungsbüros durchführte. „Es ist nicht vorgesehen, dass ein anderer Entwurf zum Zug kommt.“ Mit den erstplatzierten Berliner Architektinnen „Lemme Locke Lührs“ einen Bebauungsplan aufzustellen, sei keine Pflicht – aber eine „dringende Empfehlung“. Ansprüche will Anna Lemme Berthod daraus – zumindest offiziell – nicht ableiten. Man beantworte keine Fragen, bevor der Gemeinderat sich nicht positioniert hat. Nur so viel schreibt die Architektin: „Wir sind motiviert, die Aufgabe zusammen mit der Gemeinde anzugehen.“

Nicht konkrete Bauprojekte, sondern Ideen für die Anordnung von Gebäuden, Gründanlagen, Parkplätzen und Freiflächen sollten die Wettbewerbsteilnehmer liefern. Deshalb sagt Hofer zu dem vom Bürgermeister favorisierten Krämmel-Entwurf: „Die Jury hat darin ein paar spannende Inhalte gesehen, ihm aber eine fachliche Begleitung nicht zugetraut.“ Das Unternehmen hielt sich nicht an die Vorgaben des Wettbewerbs, unter anderem wurde die geforderte Fläche für das Hotel weit unterschritten.

Der Gemeinderat wird sich in der Klausurtagung laut Gründl mit der Auftragsvergabe für einen der drei Erstplatzierten auseinandersetzen. Für eine abschließende Entscheidung sieht sich Norbert Deppisch aktuell noch nicht in der Lage. „Wir brauchen noch Anregungen von den Bürgern“, betont er. Horst Kürzeder, Sprecher der CSU-Fraktion, geht es am 5. Mai um einen groben Fahrplan: „Wo wollen wir hin? Was wollen wir wann entwickeln? Wer den Plan zeichnet, ist mir persönlich egal“, sagt er. Gründl wird konkreter. Eine behutsame Bebauung in mehreren Abschnitten, eine ansprechende Ortsmitte, ein ehrbarer Platz für das Kriegerdenkmal und die Mariensäule und die Lösung der Parkplatzsituation: Darüber müsse man reden.

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