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Voller Kursaal: Rund 180 Heilbrunner kamen zur Bürgerversammlung, die sich vor allem dem neuen Dorfzentrum widmete. Bürgermeister Thomas Gründl moderierte die Veranstaltung.

Bürgerversammlung

Heilbrunner Ortsmitte ist kein Baukasten

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So vieles ist möglich in der Heilbrunner Ortsmitte: Das führten die Präsentationen bei der Bürgerversammlung vor Augen. Der Abend zeigte aber auch: Bis zu einem einheitlichen Gestaltungskonzept ist es noch ein weiter Weg.

Bad Heilbrunn – Einfacher wird die Debatte um die Gestaltung der Heilbrunner Ortsmitte nicht – eher komplizierter. Die drei Architektenentwürfe, die die Preisjury zu den Siegern des Realisierungswettbewerbs gekürt hatte, wurden bei der Bürgerversammlung am Montagabend ausführlich vorgestellt. Detailliert thematisiert wurde – vor etwa 180 interessierten Heilbrunnern im Kursaal – aber auch ein vierter Entwurf. Und genau darauf spielten mehrere Wortbeiträge von Bürgern an.

Davor präsentierte Bürgermeister Thomas Gründl (CSU) die Ergebnisse der Bürgerumfrage, die die Gemeinde in der Parkvilla gestartet hatte. Dort waren die Modelle und Pläne der 13 am Wettbewerb beteiligten Architektenbüros zur Ortsmitte ausgestellt. Die Bürger konnten auf einem Stimmzettel ihren Favoriten ankreuzen – nachdem die Preisjury aus fünf Experten und vier Gemeinderäten die Siegerbüros aus Berlin, Stuttgart und München gekürt hatte.

Michael Laubender kritisierte Bürgermeister Thomas Gründl.

Gründl verwies in der Versammlung darauf, dass die Umfrage nicht repräsentativ sei, weil theoretisch jeder beliebig viele Zettel hätte ausfüllen können. 89 von 264 und damit die meisten Teilnehmer sprachen sich laut Gründls Statistik für den Entwurf der Krämmel Bauplan GmbH aus Wolfratshausen aus – also für jenen, den der Bürgermeister schon vor der Versammlung mehrmals öffentlich in der Lokalpresse zu seinem persönlichen Favoriten erklärte und der vom Heilbrunner Architekten Uwe Mertens stammt. Mertens meldete sich später selbst zu Wort, genau wie sein Kollege, Krämmel-Planer Olaf Breuer: „Wir wollten nicht unbedingt den ersten Preis machen, sondern dem Ort Impulse und Input geben.“ Man werde sich konstruktiv einbringen – „wenn wir gefragt werden“.

Für sein öffentliches Werben für den Krämmel-Entwurf bekam Gründl Kontra von mehreren Bürgern – und einem Heilbrunner Architekten, der nicht am Wettbewerb beteiligt war: Michael Laubender. Er sehe es sehr kritisch, einen Entwurf zu favorisieren, der zwar einzelne gute Elemente enthalte, aber kein zusammenhängendes Konzept. „Man kann sich nicht erst Experten holen und dann deren Entscheidung torpedieren“, sagte Laubender hinterher auf Nachfrage. Wolfgang Ott vom Bürgerforum „Bad Heilbrunn lebt“ formulierte es ähnlich: „Ich rate dringend dazu, dem Rat der Fachleute zu folgen. Es geht um Städteplanung – das ist etwas Professionelles.“ Grünen-Gemeinderat Bernd Rosenberger bat darum, „die strukturierte Arbeit fortzusetzen“.

Stefan Hofer Der Stadtplaner stellte alle 13 Architektenentwürfe vor.

Tatsächlich hat sich die Krämmel Bauplan GmbH nicht an Vorgaben der Gemeinde gehalten. Das erläuterte Stefan Hofer von der Stadtplanungsfirma Lars Consult, die den Wettbewerb durchgeführt hatte. Die geforderte Hotelfläche (hier ein „Alpendorf“ mit Chalets) sei zum Beispiel unterschritten worden. Als „widersprüchlich“ bewertete Hofer auch, dass die Markthalle auf einer Verkehrsinsel angedacht ist.

Peter Pittrich warnte davor, Wohnhäuser in der Ortsmitte zu bauen.

Der Stadtplaner, der auf alle 13 Entwürfe einging, machte die Entscheidungen der Jury transparent und nachvollziehbar. Das erstplatzierte Berliner Büro Lemme, Locke, Lührs habe das Hotel mit vier länglichen Baukörpern „mit am besten gelöst“. Architektin Anna Lemme legte die leitenden Gedanken bei der Planung dar. Es müsse Luft und Durchblicke zwischen den Quartieren geben. „Das zeichnet Ihren Ort aus“, sagte sie. Man müsse ein stimmiges Ganzes entwickeln, das sich homogen in Bestehendes einfügt. Lemme illustrierte ihre Ausführungen mit einem grünen Band, das sich von der Ortsmitte bis zur Bundesstraße ziehen könnte. Außerdem zeigte sie, wo sich rund um den St.-Kilians-Platz eine Kindertagesstätte, ein Café oder ein Friseursalon ansiedeln könnten.

Lebensqualität zu schaffen ist das Hauptziel des Projekts Ortsmitte. Bürger Peter Pittrich warnte davor, Wohnhäuser zu bauen, wo einst Wandelhalle und Kurhaus standen. Hier kam die Angst vor zu viel Beton durch, die viele Heilbrunner umtreibt. Dafür sprach auch der große Applaus, den der Münchner Architekt Peter Scheller abräumte (siehe Kasten).

Die Gemeinderäte wollen in ihrer Klausurtagung im April/Mai eine Entscheidung zur Ortsmitte fällen. Sie müssen sich dabei nicht an die Wettbewerbssieger halten, sondern können auch auf andere Ideen zurückgreifen. Hofer empfahl aber die Gestaltung aus einem Guss. „Das ist kein Legobaukasten.“

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