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Von ihnen stammt der Siegerentwurf (v. li.): Cornelia Locke, Judith Brücker und Anna Lemme von den Büros Lemme, Locke, Lührs und Juca Architektur + Landschaftsarchitektur.

Vorstellung im Kursaal

Heilbrunns neue Mitte: Das sind die Gewinner des Architekten-Wettbewerbs

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Wohnen, Gewerbeflächen, ein Dorfplatz, viel Grün und ein Hotel mit 120 Zimmern. Das umfasst der Siegerentwurf im Architekten-Wettbewerb für die Heilbrunner Ortsmitte. Am Dienstagabend wurde er im Kursaal der Öffentlichkeit vorgestellt.

Bad Heilbrunn– Bürgermeister Thomas Gründl ging vor den zahlreichen Bürgern, die neugierig auf die Gestaltungsvorschläge waren, kurz auf die leidvolle Geschichte der Ortsmitte ein. „Es war nicht ganz einfach. Ich kenne deutschlandweit jedes Gericht.“ Jahrzehntelang gab es Stillstand, das alte Kurhotel stand leer und verfiel immer weiter. Eine Einigung über die künftige Nutzung des Areals mit Eigentümer Max Hoefter und seiner Kurfürstin GmbH erschien nicht möglich – bis die Gemeinde die über 80 000 Quadratmeter große Fläche 2015 kaufte. Und plötzlich war der Weg frei für eine Entwicklung. Die Antwort auf die Frage, wie die Heilbrunner Ortsmitte künftig aussehen wird, sollte ein Realisierungs-Wettbewerb geben. 13 Architekturbüros reichten ihre Vorschläge ein. „Eine bedeutende Zahl, die mich als Bürgermeister stolz macht“, freute sich Gründl über die große Anzahl an planerischen Visionen.

Das sind die Grundzüge des Siegerentwurfs aus Berlin: Das Hotel (1) wird in mehrere Baukörper aufgeteilt und entsteht auf dem Strauß-Areal. Ein Mehrgenerationenwohnen (2) findet Platz auf dem Post-Gelände. Links von der Allee könnten Doppelhäuser (3) entstehen, auf der anderen Seite sind drei- bis vier geschossige Wohngebäude (5) angedacht – zum Teil mit einer öffentlichen oder gewerblichen Nutzung im Erdgeschoss. Der Dorfplatz (4) rückt näher an die Kirche. Neben dem Rathaus (6) ist ein barrierefreier Bürgersaal geplant.

Am Freitag nahm eine Jury, bestehend aus Architekten, Gemeinderäten und dem Rathauschef, alle Entwürfe unter die Lupe. „In einem anonymisierten Verfahren“, wie Stefan Hofer vom begleitenden Büro Lars Consult erklärte. Sprich: Die Jury wusste nicht, welcher Planer hinter dem jeweiligen Entwurf steckte. Im Vorfeld hatte es verschiedene Vorgaben gegeben. Integriert werden sollte neben einem Mehrgenerationen-Wohnprojekt unter anderem auch eine weitere Kindertagesstätte, „denn unser Kindergarten ist proppenvoll“, so Gründl. Die Baumallee im Kurpark sollte möglichst erhalten bleiben, und die größte Herausforderung: die sinnvolle und harmonische Situierung eines Hotels. „Das rechnet sich nur mit mindestens 120 Zimmern, haben uns unsere Experten gesagt“, erklärte der Bürgermeister. „Es ist mir immer schwergefallen, mir vorzustellen, dass das in dieser Größe in die Ortsmitte passt“, bekannte Gründl. „Aber die drei Gewinnerentwürfe zeigen, dass es geht.“

Am besten gefiel der Jury das gemeinsame Konzept des Berliner Büros Lemme, Locke, Lührs Architektinnen und des Büros Juca Architektur + Landschaftsarchitektur. Großräumige Grünflächen, schöne Blicke in die freie Landschaft, alle wichtigen dörflichen Einrichtungen, die sich „wie auf einer Perlenkette“ an die Haupterschließungsachse reihen – all das biete die Ortsmitte, erklärte Planerin Anna Lemme. Ihr Vorschlag sieht vor, eine fußläufige Querverbindung zu schaffen – von der Parkvilla über den Rathauspark mit dem neuen, barrierefreien Bürgersaal daneben, die Baumallee weiter nach Süden in den „Stadtwald“ Richtung Bundesstraße. Der neue Dorfplatz rückt etwas weg vom Rathaus in Richtung Kirche und Adelheidquelle. „Dort könnte auch ein Markt abgehalten werden“, so Lemme. Der Straßenbelag könnte dann auch eher der Platzgestaltung angeglichen werden und den Verkehr verlangsamen. Auf der großen Freifläche südlich der Baumallee ist eine vor allem dreigeschossige Bebauung geplant, zum Teil mit einer öffentlichen/gewerblichen Nutzung im Erdgeschoss. Hier wäre auch die Integration der Kindertagesstätte angedacht. Vorgeschlagen wird, je drei Häuser so um einen „Anger“ zu situieren, dass noch einmal kleinere Nachbarschaften entstehen. „Wir wollen weiter Grünraum zulassen. Man soll sich dort auf Spazierwegen bewegen können“, sagte Lemme. Nördlich der Allee sieht der Entwurf eine lockerere Bebauung mit einer Reihe Doppelhäuser vor.

Auf dem ehemaligen Post-Areal könnte ein Mehrgenerationenwohnen entstehen, dahinter kleine Einfamilienhäuser. Insgesamt umfasst der Vorschlag, wie auch die anderen beiden, rund 100 neue Wohneinheiten.

Das Hotel – und auch das haben alle drei prämierten Entwürfe gemeinsam – würden die Berliner Architekten auf dem jetzigen Strauß-Areal situieren. „Von dort hat man einen wunderbaren Blick in die Landschaft“, so Lemme. Um das Hotel mit seinen 11 500 Quadratmetern nicht zu wuchtig erscheinen zu lassen, wurde es in vier Baukörper aufgeteilt. Ob sich das Hotel tatsächlich realisieren lässt, wird sich zeigen. „Wir stehen mit einem Interessenten in Kontakt“, sagte Gründl. Die Verhandlungen ruhten aber bis zum Ende des Wettbewerbs. Er glaube aber nach wie vor, dass Bedarf für ein großes Hotel bestehe – vor allem, nachdem der „Jodquellenhof“ in Bad Tölz geschlossen hat. Das Strauß-Areal befindet sich nicht in Gemeindeeigentum. „Wir stehen mit dem Eigentümer aber in engem Kontakt“, sagte Gründl.

In den Grundzügen ähnelten sich die drei Siegerentwürfe. Das zweitplatzierte Büro Daniel Schönle aus Stuttgart würde den Dorfplatz allerdings Richtung Postareal verlegen, während sich das drittplatzierte Büro „Palais Mai“ aus München eher an der historischen Bebauung orientiert. Eines der „Schlüsselgebäude“ wäre eine 60 Meter lange Wandelhalle am Standort der 2015 abgerissenen. Ein weiteres großes Gebäude mit Café, Praxen, Büros und Wohnungen würde gegenüber des Rathauses entstehen – dort, wo früher das Kurhotel stand.

„Den Drittplatzierten finden wir am besten, weil es sich an der alten Struktur orientiert. Das wirkt kuscheliger“, sagten Ebba und Dieter Soukup. Seit Jahrzehnten leben die beiden in Bad Heilbrunn und wollten sich am Dienstag natürlich ein Bild von der Zukunft der Ortsmitte machen. Georg Lettner fand alle Vorschläge interessant. „Eine Mischung aus allen drei Vorschlägen“ würde ihm am besten gefallen. Generell sei das aber „eine tolle Geschichte“. Auch die Bürgerbeteiligung findet er gut. Uwe Mertens hadert dagegen mit der Größe des Hotels und bezweifelt, dass die Grundlagen der Planung noch zeitgemäß sind. Er hatte mit seinem Büro Manuplan und der Firma Krämmel ebenfalls einen Vorschlag im Ideenwettbewerb eingereicht. Seiner sah mehrere kleine Chalets statt eines großen Hotels vor.

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