1. Startseite
  2. Lokales
  3. Bad Tölz
  4. Bad Heilbrunn

„Himmel, Herrgott, Sakrament“: Münchner Kult-Regisseur dreht wieder im Tölzer Land

Erstellt:

Von: Andreas Steppan

Kommentare

Drehort „Jagdhütte“: Im Gemeindegebiet Bad Heilbrunn nahe der „Reindlschmiede“ entstanden dieser Tage Szenen für die neue Serie „Himmel, Herrgott, Sakrament“ von Regisseur Franz Xaver Bogner (re.), hier mit den Hauptdarstellern Stephan Zinner und Anne Schäfer.
Drehort „Jagdhütte“: Im Gemeindegebiet Bad Heilbrunn nahe der „Reindlschmiede“ entstanden dieser Tage Szenen für die neue Serie „Himmel, Herrgott, Sakrament“ von Regisseur Franz Xaver Bogner (re.), hier mit den Hauptdarstellern Stephan Zinner und Anne Schäfer. © Arndt Pröhl

Der Münchner Pfarrer Rainer Maria Schießler mischt die Kirche auf. Jetzt liefert er die Inspiration zur neuen Serie von Franz Xaver Bogner. Gedreht wird auch im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen.

Bad Heilbrunn – In den 1980er-Jahren entstanden Teile der Kultserie „Irgendwie und sowieso“ in Bad Tölz. Dieser Tage nun dreht Regisseur Franz Xaver Bogner erneut im Tölzer Land: Im Gemeindegebiet Bad Heilbrunn, in Dietramszell und in Piesenkam arbeitet sein Filmteam an Szenen für eine neue Serie, die ebenfalls das Potenzial zum Kultstatus hat. Zumindest geht es um eine Art Kultfigur aus dem religiösen Bereich. Das Drehbuch von „Himmel, Herrgott, Sakrament“ lehnt sich an das gleichnamige Sachbuch des Münchner Kirchen-Rebellen Pfarrer Rainer Maria Schießler an.

Dreharbeiten für neue Bogner-Serie in Bad Heilbrunn - Es geht um Münchner Kirchen-Rebellen

Ziemlich abgelegen ist das Motiv, das das Team von „Himmel, Herrgott, Sakrament“ sich als Drehort im Heilbrunner Ortsteil Unterkarpfsee ausgesucht hat. Vom Gasthaus Reindlschmiede – hier hat die Crew ihre „Basis“ mit Catering, Wohnmobilen für Garderobe und Maske sowie Trucks mit Räumen für die Schauspieler aufgebaut – geht es über kleine Nebenstraßen und schließlich einen Pfad durch die Wiesen zu einem versteckten Häuschen mit, nun ja, Retro-Charme. Ein Münchner Privatmann nutzt es normalerweise als Wochenendhaus und hat es der Produktion als Kulisse vermietet. Für den Dreh firmiert der Schauplatz unter „Jagdhaus“.

Konzentrierte Arbeit am Set: Franz Xaver Bogner kontrolliert am Bildschirm die Szenen.
Konzentrierte Arbeit am Set: Franz Xaver Bogner kontrolliert am Bildschirm die Szenen. © Arndt Pröhl

Am Tag, an dem der Tölzer Kurier zu Besuch bei den Dreharbeiten ist, soll hier eine Szene rund um ein ungleiches Vater-Sohn-Paar entstehen. Protagonist der Serie ist der Pfarrer Hans Reiser, der dem Vorbild Rainer Maria Schießler nachempfunden ist. Die Rolle spielt Stephan Zinner, dem Publikum unter anderem bekannt als Metzger Simmerl aus den Eberhofer-Krimis oder auch als Ministerpräsident Markus Söder im Nockherberg-Singspiel.

Ich mag Figuren, die ihren alltäglichen Anarchismus leben und sich dabei gern mit ihrem Umfeld anlegen

Franz Xaver Bogner, Regisseur

Er trifft im „Jagdhaus“ auf seinen Vater, gespielt vom niederbayerischen Kabarett-Urgestein Sigi Zimmerschied, der hier als eigenbrötlerischer Eremit lebt. Der Sohn muss schlichten, denn der laut Bogner „skurrile und durchgeknallte“ Senior hat, nachdem ihm der Brunnen abgedreht wurde, einen Beamten in einen Schuppen eingesperrt und bewacht ihn nun mit Gewehr in der Hand.

Turbulent, heiter und eigenwillig-bayerisch geht es in der Serie mit sechs Teilen à 45 Minuten offenbar wieder zu und knüpft in dieser Hinsicht an eine von Bogner durch „Irgendwie und sowieso“, „Café Meineid“ oder „München 7“ mitgeprägte TV-Tradition an. Ein Typus wie Pfarrer Schießler fügt sich da gut ein. „Ich mag Figuren, die ihren alltäglichen Anarchismus leben und sich dabei gern mit ihrem Umfeld anlegen“, sagt Bogner.

„Himmel, Herrgott, Sakrament“: Rainer Maria Schießler ist Vorbild für Pfarrer-Figur

Schießler habe er schon vorher persönlich gekannt. Der unkonventionelle Pfarrer hatte sogar zwei Gastauftritte in „München 7“ – und in der neuen Serie „arbeiten wir an einem Cameo-Auftritt für ihn“, verrät Bogner – das heißt, an einem kurzen Gastauftritt im Hintergrund.

Übrigens: Alles aus der Region gibt‘s auch in unserem regelmäßigen Bad-Tölz-Newsletter.

Allerdings handle es sich um keine Filmbiografie des Pfarrers, betont Bogner. Einige Rahmendaten stimmen zwar mit Schießler überein: dass er vom Land kommend in eine Münchner Problemgemeinde versetzt wird, wo die Kirchenbänke leer und die Austrittszahlen hoch sind. Von da aus aber hat Bogner als federführender Drehbuchautor zusammen mit Marcus Pfeiffer und Stefan Betz frei die Handlung und die Figuren entwickelt.

Stephan Zinner spielt Pfarrer in „Himmel, Herrgott, Sakrament“

Das Thema bringt es mit sich, dass die Gespräche am Rand der Dreharbeiten sich schnell hin zu Tiefgründigem bewegen: Fragen um Glauben und Kirche. Pfarrer-Darsteller Stephan Zinner räumt ein, er sei „evangelisch gewesen“ – bevor er aus der Kirche austrat. Mit Rainer Maria Schießler habe er sich zur Vorbereitung auf seine Rolle getroffen und einen Gottesdienst besucht. „Die Bude war voll, er hat die Leute begeistert.“

An der Figur interessiere ihn vor allem, „dass jemand von seinem Weg überzeugt ist und ihn geht – egal, welche Einschläge links und rechts kommen“. Anne Schäfer spielt in der Serie eine alleinerziehende Mutter, die dem Pfarrer näherkommt. Für das Projekt hätten sie zunächst einmal die knappen, unverstellten, manchmal bösen Dialoge von Franz Xaver Bogner begeistert, sagt sie – aber natürlich auch das Thema.

„Ich gehe gern in Kirchen“, sagt sie – „allerdings lieber dann, wenn dort gerade keine Gottesdienste stattfinden.“ Mit der Institution Kirche aber habe sie ihre Probleme. „Dabei könnte sie etwas bieten, was viele Menschen suchen: Zusammengehörigkeit und Halt – wenn sie sich verändern würde“, sinniert die Schauspielerin. Im Idealfall könne die Serie Anstöße zu Diskussionen liefern, hofft Anne Schäfer.

Vor 40 Jahren haben wir dafür eine Anzeige wegen Gotteslästerung bekommen – und heute macht sogar der BR so eine Serie

Kabarettist und Schauspieler Sigi Zimmerschied

Sigi Zimmerschied fühlt sich ganz wohl in der Rolle des störrischen Vaters, der wütend ist, dass sein Sohn Pfarrer geworden ist – „nicht weil der Glaube für ihn ein Problem ist, sondern weil sich sein Sohn diesem Apparat Kirche ausliefert“. Er selbst arbeite damit auch ein Stück der „Traumata“ seiner Jugend in Niederbayern auf, frotzelt der Kabarettist.

„Mir geht es gegen die Enge, gegen jedes geschlossene Weltbild – ob das nun im Kommunismus oder Katholizismus ist“, sagt er und erinnert sich an sein erstes, mit Bruno Jonas konzipiertes Programm „Die Himmelskonferenz“. „Vor 40 Jahren haben wir dafür eine Anzeige wegen Gotteslästerung bekommen – und heute macht sogar der BR so eine Serie“, spöttelt er. Wobei es sich um eine Koproduktion von BR, ORF und maze pictures handelt.

„Skurril und durchgeknallt“: Kabarettist Sigi Zimmerschied spielt den Vater des Pfarrers.
„Skurril und durchgeknallt“: Kabarettist Sigi Zimmerschied spielt den Vater des Pfarrers. © Arndt Pröhl

Als Zimmerschied beim Dreh mit dem Gewehr in der Hand vor dem Schuppen sitzt, hallt noch nach, was er kurz zuvor erzählt hat. „Ich habe einen Großvater, der im Jähzorn seinen Nebenbuhler erschossen hat. Der Friseur, der ihn, meinen Vater und mich frisiert hat, sagt, ich hätte dieselben Haarwirbel wie er...“ Auf der Bühne und vor der Kamera könne er dieses „Aggressionspotenzial gut kanalisieren“, meint er hintergründig.

Dreharbeiten auch in Dietramszell und Piesenkam

Rund 50 Personen gehören zum Filmteam, das an diesem Tag an der „Reindlschmiede“ und am „Jagdhaus“ im Einsatz ist. Alle Abläufe sind durchgetaktet. In Dietramszell werde man in den nächsten Wochen noch eine Beerdigungsszene drehen, erklärt Producerin Marlene Schlegel. Und ein Hof in Piesenkam werde im Film zur Heimat der Cousine des Pfarrers. Die Serienhandlung allerdings gebe vor, dass diese Schauplätze alle im Landkreis Rosenheim lägen. Deswegen habe man sich auch Drehorte ausgesucht, die nicht allzu alpenländisch aussehen, sagt Schlegel.

Hauptmotive seien allerdings die Kirchen St. Margaret und St. Korbinian in München-Sendling. In der Serie verschmelzen sie zu einer einzigen: Eine liefere die Innen-, die andere die Außenansichten. 2023 wird das alles im Hauptabendprogramm im Bayerischen Fernsehen zu sehen sein – Fortsetzung nicht ausgeschlossen.

Übrigens: Alles aus der Region gibt‘s jetzt auch in unserem regelmäßigen Bad-Tölz-Newsletter.

Auch interessant

Kommentare