Das Wasser stand bei einigen Anwesen bis zur Terrassentür.

Hochwasser

Feuerwehrler packen bei den Nachbarn an

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Bad Heilbrunn/Bichl/Benediktbeuern – Rund 40 Feuerwehrler aus Bichl, Benediktbeuern und Bad Heilbrunn haben am Sonntag in Polling (Landkreis Weilheim-Schongau) geholfen, gegen das Hochwasser zu kämpfen. Dafür gibt es ein großes Dankeschön von den Nachbarn.

„Wir haben uns brutal gefreut. Es ist nicht selbstverständlich, so etwas zu machen“, zollt Christian Abt, Kommandant der Feuerwehr Penzberg, seinen Kollegen aus dem Loisachtal Respekt. In der Penzberger Truppe rückten am Sonntagnachmittag vier Freiwillige aus Bad Heilbrunn mit aus, um sich an der Nachtschicht in Polling zu beteiligen. Diese ging bis 4 Uhr früh am Montag. „Der Katastrophenfall hat auch gezeigt, dass es ein Landkreis-Denken bei der Feuerwehr nicht mehr gibt“, sagt Abt. Über Jahre hinweg sei ein gutes Verhältnis zu den Nachbar-Feuerwehren entstanden. „Schön, dass es so eine Kameradschaft gibt.“

Land unter: In Polling waren am Sonntag 760 Feuerwehrler im Einsatz, darunter auch Ehrenamtliche aus Bad Heilbrunn.

Als der Landkreis Weilheim-Schongau am Sonntag um 9.48 Uhr den Katastrophenfall in Polling ausrief, erfolgte die Alarmierung im ganzen Oberland. Insgesamt rückten 42 Feuerwehren aus der Region an, zusammen rund 760 Feuerwehrmänner und -frauen. In Polling und im benachbarten Oberhausen waren rund 500 Menschen vom Hochwasser betroffen: Ihre Häuser, Bauernhöfe und Gewerbebetriebe standen unter Wasser.

„In so einem Fall stellt unser Landkreis zwei Kontinegente zur Verfügung“, erklärt der Benediktbeurer Kreisbrandmeister Hanns-Frank Seller. Die Wehren aus Benediktbeuern und Bichl rückten mit je zwei Fahrzeugen und insgesamt 35 Helfern nach Polling aus. Mit dabei hatten sie eine Sonderausrüstung, zum Beispiel Spezialpumpen. Nach kurzer Lagebesprechung vor Ort erfolgte die Einteilung. Die Bichler kümmerten sich unter anderem um das historische Molkereimuseum und halfen einem Schreiner, seinen Betrieb zu sichern. „Der Mann war fix und fertig. Er hat sich sein Unternehmen erst aufgebaut und hat Maschinen im Wert von über 300 000 Euro in seiner Halle“, sagt Kommandant Hermann Spanner. Die Bichler pumpten, was sie konnten, und schichteten Sandsäcke auf. „Da stand die Existenz der ganzen Familie auf dem Spiel.“ Und sie schafften es: „Uns ist es gelungen, das Wasser konstant unter fünf Zentimetern zu halten.“

Feuerwehrleute, Bürger und Dutzende Helfer arbeiteten am Sonntag bis zur Erschöpfung. „Wir standen teilweise hüfthoch im Wasser“, berichtet Spanner. Zwar gab es – auch in umliegenden Gemeinden – maschinelle Geräte zur Sandsackbefüllung, doch die rund 20 000 Säcke mussten per Hand verteilt werden. „Die Hilfsbereitschaft war sehr groß“, berichtet Spanner. Ältere Bürger hätten gesagt, dass sie im Ort noch nie derartige Wassermassen erlebt hätten. Die Meldungen in den Nachrichten lockten jedoch auch Katastrophen-Touristen an, ärgert sich Spanner. Aber: „Wenigstens ist mir kein Fall von Behinderung der Rettungskräfte bekannt.“

Im südlichen, speziell im südwestlichen Landkreis Tölz, blieb die Lage am Wochenende ruhig, berichtet Alexander Bauer, im Landratsamt zuständig für Öffentliche Sicherheit und Ordnung. Die Feuerwehren Kochel, Ried und Bad Heilbrunn fuhren bewusst nicht nach Polling, um im Fall des Falles in Heimatnähe einsatzbereit zu sein.

Für die Wehren aus Bichl und Benediktbeuern war der Einsatz am Spätnachmittag beendet. Die Freiwilligen aus Heilbrunn rückten dann zur Nachtschicht an, denn das Wasser war an einigen Stellen noch nicht vollständig abgeflossen. Pumpen und Schläuche mussten teilweise ausgewechselt werden.

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