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Traum erfüllt: Im Oktober bestand Hans Ritt die Prüfung zum Krippenbaumeister. Seine Frau Margret unterstützt den gelernten Zimmerer bei der Gestaltung der Figuren. Sie ist Schneidermeisterin.

Im Porträt: Hans Ritt aus Bad Heilbrunn

Jede Krippe ist ein Unikat

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Krippenbauen ist die Leidenschaft von Hans Ritt aus Bad Heilbrunn. Nun hat der 44-Jährige die Prüfung zum Meister bestanden. Auch Margret Ritt und die vier Kinder sind mit Hingabe dabei, wenn es darum geht, Gebäude, Figuren und Botanik zu gestalten.

Bad Heilbrunn– Beim Betreten des Wohnzimmers fällt der Blick sofort auf die Krippe – auf das Meisterstück: eine alpenländische Krippe auf drei Ebenen, dahinter eine Gebirgslandschaft. Voller Stolz blickt Hans Ritt auf die Szenerie. Krippenbaumeister zu werden, war sein Traum. Nun hat er ihn sich erfüllt.

Alles begann vor etwa fünf Jahren mit einem Buch über Krippen. „Das hat mich fasziniert“, erinnert sich der 44-Jährige. Hans Ritt ist eigentlich Zimmerermeister und hatte zehn Jahre eine eigene Werkstatt. Dann wechselte er in die Industrie und arbeitet seither als Anwendungstechniker für einen großen Dämmstoffhersteller. Als Fachmann für bauphysikalische Fragen ist er für die Firma in ganz Bayern unterwegs.

Handwerklich verfügt Ritt also über genügend Wissen, und angeregt durch das Buch, meldete er sich bei der Krippenbauschule in Garmisch-Partenkirchen an. Nach dem Anfängerkurs hatte der Heilbrunner erst recht Blut geleckt. Nun hat er im Oktober erfolgreich den Meisterkurs absolviert.

Die Ansprüche, die gestellt werden, sind hoch. Per Losverfahren wird entschieden, welcher Prüfling welche Stilrichtung bauen muss, also entweder orientalisch oder heimatlich. Die Grundplatte mit den Maßen 80 mal 65 Zentimeter war vorgegeben. Weitere Anforderungen waren unter anderem, drei Ebenen zu errichten, auf der obersten musste es ein „gemauerter Wohntrakt in ruinenhaftem Zustand“ sein. Auch die Anordnung von Balkon und Tür war festgelegt, zudem wollten die Prüfer Details wie Dachrinne, Kamin und einen Stanka-Schuppen sehen. Bei Geländemauern, Zäunen und Botanik hatte Ritt freie Hand.

48 Stunden, aufgeteilt auf mehrere Prüfungstage, hatte der Heilbrunner dafür Zeit. „Das ist knapp – zwischendurch habe ich beim Verputzen des Hauses Panik bekommen, dass ich es nicht schaffe“, erinnert er sich lächelnd. Trotz aller Vorgaben spielte die Fantasie bei der Gestaltung natürlich die entscheidende Rolle. Zuerst teilte er die Grundplatte entsprechend ein und erstellte die erforderliche Skizze samt Maßangaben. „Wichtig ist, manches schräg zu bauen, damit Leben in die Darstellung kommt.“ Auf der ersten Ebene wird die Geburt Christi den Hirten verkündet, auf der zweiten Ebene haben ein Brunnen und Tiere Platz, auf der dritten Ebene findet das heilige Geschehen statt.

Ritt war gut vorbereitet. Die Lärchenschindeln auf dem Dach sind echt, sie stammen von einem alten Bauernhof am Tegernsee und wurden von Ritt in Kleinstteile zerlegt. Schaut man genau hin, entdeckt man an der Hausfassade sogar eine Lüftlmalerei. Die umgebende Natur gestaltete Ritt mit Materialien, die er in der Natur gesammelt hat: eine kleine Wurzel vom Blomberg wurde zum Baumstamm; Bohnenkraut, Flechten und Erikamoos stammen teilweise aus dem eigenen Garten. „Seit ich Krippen baue, gehe ich mit ganz anderen Augen durch die Natur“, sagt der 44-Jährige.

Wie man in unterschiedlichen Techniken mauert, einen Krippenberg fasst, Wege anlegt und vor allem, welche Baumerkmale die unterschiedlichen Stilepochen haben, all das lernte Ritt in den vorangegangenen Kursen. Für den Meistertitel wurde es abgefragt, denn neben der praktischen Prüfung gibt es auch eine theoretische.

Auch das Hintergrundbild zieht den Besucher unweigerlich in Bann. Für diese Gebirgslandschaft hatte Ritt kein Panoramabild vor Augen – die Berge, Flüsse und und Täler sind seiner Fantasie entsprungen. Im Fachkurs Hintergrundmalen lernte er perspektivische Darstellung und Bildaufbau mit Licht- und Schattentechnik.

Der Heilbrunner hat das, was er in Garmisch lernte, verinnerlicht. Seinem Lehrer Martin Königsdorfer ist er dankbar: „Er hat uns das Ganze auch vorgelebt.“ Die Familie fieberte derweil mit, dass der Papa den Kurs besteht. Margret Ritt, eine Schneidermeisterin, nähte Kleider für die Figuren. Sohn Hans (13) hat auch schon eine Krippe gebaut, die derzeit im Klosterladen in Ettal ausgestellt ist. Anna (15), Stasi (11) und Veith (9) kommen ebenfalls gerne in die heimische Werkstatt, um etwas zu gestalten. Gestützt wird dieses Engagement vom Bewusstsein für den Glauben. „Wir möchten den Kindern vermitteln, dass es das ist, was uns Menschen trägt“, sagt Margret Ritt.

Das Meisterstück wird natürlich nicht verkauft, aber bei zwei Christkindlmärkten ausgestellt. Familie Ritt gibt gerne Ratschläge, wie man eine Krippe gestaltet beziehungsweise bietet natürlich auch Krippenbau an.

Ausstellungen: Das Meisterstück wird am Sonntag, 3. Dezember, beim Christkindlmarkt in Baierbrunn (11 bis 19 Uhr) und am Sonntag, 10. Dezember, beim Christkindlmarkt an der Heilbrunner Reindlschmiede (10 bis 19 Uhr) ausgestellt. Kontakt: www.ritt.bayern

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