Gemeinderat Toni Krinner (FW) will versuchen, junge Leute am Ort zu halten.
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Gemeinderat Toni Krinner (FW) will versuchen, junge Leute am Ort zu halten.

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Findet Bad Heilbrunn neue Wege für Wohnraum?

  • vonEwald Scheitterer
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Bezahlbarer Wohnraum für Einheimische ist ein Thema, das vielen Kommunen im Oberland unter den Nägeln brennt. Im Heilbrunner Gemeinderat wurde jetzt über eine Möglichkeiten diskutiert, einen neuen Weg zu beschreiten.

Bad Heilbrunn – Toni Krinner, Gemeinderat der Freien Wähler und Elektroingenieur bei einer großen regionalen Baufirma, hatte sich die Mühe gemacht, für seine Ratskollegen eine Untersuchung zum Thema Wohnraum auszuarbeiten. In der Sitzung stellte er nicht nur explizit dar, warum es derzeit zu den exorbitant hohen Preisen auf dem Miet-Wohnmarkt kommt, sondern er stellte auch eine Modellrechnung zu einem alternativen Wohnraum-Modell vor. Die sich daraus ergebende Ersparnis liegt vor allem in der Bereitstellung des möglichen Baugrunds: Erbbaurecht nutzen statt kaufen, lautet Krinners Erfolgsformel.

Der durchschnittliche Preis in Heilbrunn liegt derzeit zwischen 11,50 und 13,50 Euro pro Quadratmeter monatliche Kaltmiete. „Das wollen und können sich viele junge Leute nicht leisten“, sagte Krinner. Wegen der hohen Mieten würden immer mehr junge Leute den Kurort verlassen und wegziehen, er kenne das selbst aus dem eigenen Bekanntenkreis.

Krinner: In erster Wohnung braucht man nicht unbedingt einen Keller

Zuerst stellte Krinner ein, wie er sagte, „konservativ gerechnetes Modell“ vor. Für ein Mehrfamilienhaus mit acht Wohneinheiten wären etwa 1000 Quadratmeter Grund vonnöten. Laut der Richtwertliste in der Ortsmitte wären für den Grunderwerb also inklusive der Nebenkosten (Steuer, Notar, Vermessung) knapp 700 000 Euro fällig. Würden die Gesamt-Baukosten in Höhe von knapp zwei Millionen Euro dann über eine Finanzierung abgedeckt, würde man letztlich für die acht Wohnungen bei einem Mietpreis von 12,25 Euro pro Quadratmeter landen. „Und das ohne einen einzigen Cent Gewinn für den Investor.“

Dem stellte Krinner eine Modellrechnung gegenüber, bei der statt Grunderwerb die Fläche über das Erbbaurecht zur Verfügung gestellt würde. Hier kam er schließlich auf eine Kaltmiete von 8,83 Euro pro Quadratmeter. Die Miete würde sich dann für eine rund 70 Quadratmeter große Wohnung statt auf knapp 870 Euro monatlich nur noch auf rund 630 Euro belaufen.

Freilich hatte Krinner sein „alternatives Modell“ etwas schöngerechnet, da er auf eine Unterkellerung des Gebäudes verzichtet hatte. „Ich glaube, dass junge Leute, die sich erstmals eine Wohnung einrichten, nicht unbedingt einen Keller benötigen.“ Dem widersprach Zweiter Bürgermeister Friedrich Bauer (FW): „Gerade junge, sportlich aktive Leute haben viele Fahrräder und/oder Surfbretter oder ähnliches, die sie dann auch irgendwo unterbringen müssen.“

GmbH für Unterhalt, Vermietung und Bau des Gebäudes

Krinner schlug des Weiteren vor, Bau, Vermietung und Unterhalt eine solchen Gebäudes über eine GmbH abzuwickeln, da sich daraus weitere Vorteile ergeben würden. Würde etwa die GmbH als Bauherr auftreten – wobei die Gemeinde hier durchaus Teil-Gesellschafter sein könnte –, müsste sie sich nicht europaweiten Ausschreibungen unterwerfen, sondern könnte die Aufträge frei vergeben. Das sei ein Vorteil für einheimische Betriebe und Firmen. „Dabei wären auch nach der Submission Nachverhandlungen und Preisnachlässe möglich, wobei im Detail durchaus höhere Beträge eingespart werden könnten.“

Als weitere Vorteile sieht Krinner, dass die Gemeinde nicht aktiv in die Vergabe von Wohnungen eingreifen müsste. Das berge oft Konflikte. Zudem wäre die Kommune später nicht mit Ärgernissen rund um eine Wohnungsverwaltung belastet.

Krinner präsentierte zwei Flächen, die für sein „alternatives Modell für bezahlbaren Wohnraum“ in Bad Heilbrunn in Frage kommen könnten, nämlich am Zwieselhang oder im geplanten Neubaugebiet am Krebsenbach (Tennishalle).

Als „durchaus interessant“ bezeichnete ein Großteil der Heilbrunner Gemeinderäte Krinners Ideen. Norbert Deppisch von den Grünen sagte: „Auch wenn noch viele Detailfragen geklärt werden müssten, eine ernsthafte Überlegung ist das Modell durchaus wert.“

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