Mit Schnelltests bei Besuchern sollen Corona-Infektionen in Seniorenheim verhindert werden. Im Heilbrunner Seniorenheim kam es dennoch zum Ausbruch.
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Mit Schnelltests bei Besuchern sollen Corona-Infektionen in Seniorenheim verhindert werden. Im Heilbrunner Seniorenheim kam es dennoch zum Ausbruch. (Symbolfoto)

Interview

Corona-Ausbruch in Pflegeheim: „Man ist nicht gefeit davor“

  • Andreas Steppan
    vonAndreas Steppan
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Ein Covid-Ausbruch ist wohl für jedes Pflegeheim ein gefürchtetes Szenario, das man unbedingt verhindern will. Die Leiterin einer Einrichtung in Bad Heilbrunn berichtet, wie es ihr in dieser Situation erging.

Bad Heilbrunn – Die Meldungen im täglichen Corona-Lagebericht aus dem Tölzer Landratsamt drückten es nur in Zahlen aus. Dort hieß es Mitte Dezember: 32 positiv getestete Bewohner in Heilbrunner Seniorenheim. Ein Covid-Ausbruch ist wohl für jede Einrichtung ein gefürchtetes Szenario, das man unbedingt verhindern will. Monika Lachmuth, Leiterin des betroffenen Pflegeheims „Zum Jaud“, berichtet im Gespräch mit dem Tölzer Kurier von den stürmischen Tagen, die sie vor Weihnachten erlebte.

Frau Lachmuth, wie viele Infizierte gibt es nach aktuellem Stand im Pflegeheim „Zum Jaud“?

Wir haben 33 infizierte Bewohner und zehn infizierte Mitarbeiter. Elf Bewohner haben sich nach heutigem Stand (23. Dezember, d. Red.) nicht infiziert. Jetzt scheint es am Abklingen zu sein, einige Bewohner werden dieser Tage aus der Quarantäne entlassen.

Wie geht es den Infizierten?

Drei Bewohner sind zurzeit noch im Krankenhaus, wobei eine Person wohl in Kürze entlassen wird. Es gab teils schwere Verläufe, hauptsächlich waren es aber eher milde Verläufe mit leichten bis mittlere Symptomen, wie Appetitlosigkeit, Schwindel oder Schwäche. Zwei Bewohner sind leider verstorben. Eine Person war bei uns bereits zuvor als Palliativfall eingestuft, eine Person ist im Haus verstorben.

Wie haben sie zuerst davon erfahren, dass es einen Corona-Fall in Ihrer Einrichtung gibt?

Ein Bewohner ist ins Krankenhaus gekommen und ist dort bei der Aufnahme positiv getestet worden.

Welche Maßnahmen haben Sie daraufhin ergriffen?

Wir haben sofort alle Bewohner isoliert, wir haben Schleusen errichtet und die Hygienemaßnahmen verstärkt.

Wie haben sich die Abläufe im Haus verändert?

An den Abläufen hat sich an sich nichts geändert. Die Bewohner wurden genauso gut versorgt. Die Mitarbeiter, die da waren, haben sehr viel geleistet, dafür möchte ich mich bedanken. Auch meine Familie hat mitgeholfen, ich war täglich zwölf Stunden da.

Konnten Sie denn überhaupt noch eine ausreichende personelle Besetzung sicherstellen?

Ja, das war mit großem Einsatz Gott sei Dank möglich, durch Doppelschichten und Überstunden. Mitunter haben wir am Rande unserer Kräfte gearbeitet – man funktioniert einfach nur. Ich bin auch dankbar für die Unterstützung der FQA im Landratsamt (Fachstelle für Qualität und Aufsicht, früher „Heimaufsicht, d. Red.). Sie hat zum Beispiel ermöglicht, dass wir Hilfe von einer Kraft aus einem Pflegepool bekommen haben. Leider stand uns diese Person nur einen Tag zur Verfügung, weil sie dann außerhalb unserer Einrichtung die Treppe hinuntergefallen ist. Leider gibt es nicht noch mehr solche Hilfe von außen. Aber auch die Zusammenarbeit mit dem Gesundheitsamt war sehr gut.

Ist man als Leiterin eines Pflegeheims auf so eine Situation gefasst – oder traf es sie aus heiterem Himmel?

Es trifft einen – weil wir wirklich alles getan haben, um es zu verhindern. Aber man ist nicht gefeit davor. Gott sei Dank kommen bald die Impfungen.

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Die Corona-Impfungen haben in Bad Tölz-Wolfratshausen am 27. Dezember in einem Tölzer Pflegeheim begonnen.

Täglich aktuelle Informationen über die Corona-Lage im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen gibt es im News-Ticker des Tölzer Kurier.

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