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Kuscheln, schlafen und fressen – Goliath mag alles andere als Sport. Maria Weinbuchner hat es aufgegeben, ihn zu trainieren.  

kaninchenzüchten als hobby

Goliath, der gemütliche Osterhase

Obersteinbach –  Den klassischen Kaninchenzüchter gibt es heute praktisch nicht mehr. Bei Familie Weinbuchner war das einmal so. Als einziges Tier halten sie noch Goliath – und der hat alles andere als Lust, sich zur Schau zu stellen.

Champagner-Silber, Burgunder oder Havanna? Was sich liest wie die Karte eines exklusiven Herrenclubs, sind in Wirklichkeit Bezeichnungen für Kaninchenrassen. Es sind auch eher Männer, die sich dem Züchterhobby widmen – doch in Tölz und Umgebung ist es rückläufig. „Unsere Gegend ist zu wohlhabend“, vermutet Leonhard Weinbuchner, Vorstand des Tölzer Kaninchenzuchtvereins „B 140“. Die Tierzucht sei nämlich zeitintensiv, und das Fleisch ohnehin nicht mehr gefragt. Der Verein hat derzeit noch fünf Mitglieder, drei davon stellt allein die Familie in Obersteinbach.

Weinbuchner hat die Zucht nach zehn Jahren aus Gesundheitsgründen „schweren Herzens“, wie er sagt, aufgegeben. Früher hatten sie bis zu 30 Kaninchen im Stall. Lediglich Kuschelhase Goliath wohnt noch bei der Familie. Er ist ein „fehlfarbener Zwergwidder“ – das heißt, seine Fellzeichnung ist nicht perfekt und somit nicht für Zucht und Ausstellungen geeignet.

Aber Familie Weinbuchner, vor allem Tochter Maria (18), lässt nichts über das Tier kommen. „Goliath ist äußerst menschenfreundlich und pflegt außerdem eine innige Freundschaft zu unserem Hund Cooper“, erzählt sie. „Außerdem ist Goliath neugierig und überwacht aus seinem Stall heraus genauestens die Einfahrt.“ Aha. Könnte er also der perfekte Osterhase sein? „Das ist möglicherweise nicht seine Stärke“, räumt Weinbuchner ein. Goliath sei nämlich ein gemütlicher Zeitgenosse. Lieblingsbeschäftigung: Schlafen, fressen und kuscheln. „Wenn Goliath der Osterhase wäre, würde es wahrscheinlich ein paar Wochen länger dauern, bis alle ihre Eier haben.“

Wer Kaninchen oder Hasen halten will, muss etliches über die Tiere wissen. Entgegen landläufiger Meinung ist es zum Beispiel für die Tiere eher schlecht, Salat zu fressen, denn die Bitterstoffe bekommen ihnen nicht. Außerdem sind Kaninchen nicht besonders belastbar und geraten schnell in gefährlichen Stress, wenn sie falsch behandelt werden – was oft passiert, wenn Laien sich ein Tier im Baumarkt kaufen.

Weinbuchner unterscheidet zwischen Nutztieren, Zuchttieren und Wildkaninchen oder eben dem Liebhaber-Tier. Wer mit Häsin oder Rammler zu Ausstellungen fährt, muss erstaunlich viele Kriterien beachten, beginnend beim Körpergewicht, der eleganten Körperform, der exakten Zeichnung des Fells und der Sauberkeit.

Goliath hat es da gut. Er darf in Obersteinbach so viel Gras mümmeln, wie er will, und natürlich im Garten graben. Das dürfen seine Model-Freunde nicht, denn mit grünen Pfoten gewinnt man keine Preise.

Maria Weinbuchner wollte Goliath früher sportlich trainieren und hat mit ihm in jungen Jahren das sogenannte „Kaninhop“ trainiert. Das ist eine Art Hürdenlauf mit Hochsprung, bei dem die Tiere mit Brustgeschirr durch einen Parcours geführt werden. Doch bei seinem ersten Wettbewerb in Ingolstadt hat Goliath allen die kalte Schulter gezeigt. Er wollte einfach nicht. „Er war mehr an den Menschen interessiert als daran, sportliche Leistungen zu zeigen“, sagt die 18-Jährige lächelnd und meint: „Zum Schmusepreis hätte es gereicht.“

  Ines Gokus

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