Der Andrang bei der Einweihungsfeier auf der Hofstelle Karpfsee am Samstag war groß

Stiftung Nantesbuch

„Die Klatten, de passt scho“

  • Veronika Ahn-Tauchnitz
    VonVeronika Ahn-Tauchnitz
    schließen

Das Interesse war riesig: Hunderte Besucher füllten schon um 11 Uhr das Areal vor dem Langen Haus auf der Hofstelle Karpfsee und warteten auf die Ansprache von Susanne Klatten. Die Gründerin der Stiftung Nantesbuch für Kunst und Natur hatte zur Eröffnungsfeier eingeladen und erklärte die Vision hinter ihrer Stiftung.

Bad Heilbrunn – Es war ein fröhliches Fest für die gesamte Bevölkerung. Für die Kinder gab es zur Begrüßung Luftballons mit dem Signet der Stiftung. Man konnte eine Rundfahrt mit Elektroautos unternehmen, an Führungen durch die neuen Gebäude teilnehmen oder am Familienprogramm. In den künftigen Ställen gab es frisch gebackene Schmalznudeln oder selbst gemachte Ingwerlimonade, während draußen der Ochs am Spieß langsam gar wurde. Hinter dem Haus war zudem schon der große Holzstoß für das Johannifeuer aufgerichtet.

Zwei Jahre hatten die Bauarbeiten auf dem Gelände der ehemaligen Hofstelle Karpfsee auf Gut Nantesbuch gedauert. 2012 hatte BMW-Erbin Susanne Klatten das 320 Hektar große Areal von der Stadt München gekauft und die Stiftung gegründet. Der Münchner Architekt Prof. Florian Nagler verband die beiden einstigen Kuhställe zum Langen Haus, das mit 130 Metern seinem Namen alle Ehre macht. Der südliche Teil beherbergt Ställe, im nördlichen sind Seminarräume und Gästezimmer untergebracht. Saniert wurden auch die beiden Wohnhäuser, in denen nun unter anderem die Verwaltung eingezogen ist. Das Lange Haus „verbindet architektonisch unser Bekenntnis zu Kunst und Natur. Durch die „sensible, zugleich kraftvolle, aber auch reduzierte Architektur“ sei eine „gelungene Verbindung zwischen Tradition und Gegenwart gelungen“, dankte Susanne Klatten dem Architekten.

Die Schöpfungskraft der Natur spüren

Mit der Einweihung am Samstag  nimmt die Stiftung ihr öffentliches Programm auf. „Aber worum geht es konkret?“, fragte Klatten in ihrer Ansprache und lieferte gleich die Antwort. „Es geht darum, die Ur-Naturelemente dieses Ortes als kostbares Gut zu schützen, zu vergrößern und sie verantwortungsvoll in eine Zukunft zu führen.“ Es gehe darum, von der Natur zu lernen und „die Schöpfungskraft zu spüren“. Auf Nantesbuch sollen „Künstler in Reflektion auf die Natur arbeiten, und möglichst viele Menschen sollen daran teilhaben“, wünscht sich Klatten. Dabei gehe es ihr immer um alle Formen des künstlerischen Ausdrucks – von Musik über bildende Kunst bis Tanz. Dabei suche die Stiftung „den bewussten Austausch mit Organisationen und Institutionen aus der Region und weit darüber hinaus“. Die ersten Seminarangebote wenden sich vor allem an Erzieher, Lehrer und andere Multiplikatoren, die ihr Wissen an junge Menschen weitergeben sollen. Sie hoffe darauf, dass möglichst viele die Idee der Stiftung weitertragen. „Ich möchte Sie einladen, sich darauf einzulassen und den Weg mit uns zu gehen.“

Stiftungsgründerin Susanne Klatten im Gespräch mit (v. li.) Landtagsabgeordnetem Martin Bachhuber, Landrat Josef Niedermaier und Franz Steger von der Unteren Naturschutzbehörde

Landrat Josef Niedermaier bedankte sich als erstes bei Klatten, „für das, was sie hier geschaffen haben und schaffen werden“. Nantesbuch sei zuletzt nicht unbedingt eine Augenweide gewesen, sagte Niedermaier mit Blick auf die einst baufälligen Gebäude. Als Susanne Klatten dann ihre Vision zum ersten Mal vorstellte, „kam – wie es bei uns im Oberland so üblich ist – erst einmal eine gewisse Skepsis auf“. Aber das Konzept Kunst, Kultur und Natur zusammenzubringen – und das Ganze noch auf eine behutsame Art und Weise – habe schließlich überzeugt, so Niedermaier. Auch die Pächter der landwirtschaftlichen Flächen seien mit ins Boot geholt worden. Erst am Vorabend habe er sich mit einem Einheimischen unterhalten, sagte der Landrat. „Und der hat gesagt: ,Die Klatten, de passt scho.“ Ein größeres Lob sei im Tölzer Land praktisch kaum möglich.

Kooperation mit dem Heilbrunner Kindergarten

Der Heilbrunner Vize-Bürgermeister Friedrich Bauer bedankte sich bei Klatten dafür, „dass Sie die Gebäude hier aus dem Dornröschenschlaf geholt haben und in hervorragender Weise verändert haben“. Er appellierte an alle Bürger: „Nutzen Sie die Chance, die die Stiftung bietet.“ Die jüngsten Heilbrunner würden das bereits tun: Der Kindergarten St. Kilian kooperiert seit einigen Monaten mit der Stiftung.

Kurz hielt sich Architekt Nagler. Er dankte vor allem den am Bau beteiligten Firmen. „Wir hatten viele Handwerker aus dem Umland. Die Zusammenarbeit hat richtig Spaß gemacht.“ Karpfsee sei „ein besonders schöner Ort. Das bedeutet auch eine besondere Verantwortung, wenn man an dieser Stelle baut.“ Auch Nagler wünschte Klatten viel Erfolg für ihr Projekt. „Ich hoffe, Sie haben daran so viel Freude, wie wir sie schon hatten.“

Die Segnung der Räume übernahmen Pfarrer Karl Bopp und sein evangelischer Kollege Johannes Schultheiß, während die Rieder Alphornbläser den offiziellen Teil musikalisch beendeten.

Klatten-Stiftung Nantesbuch weiht Gebäude ein

Klatten-Stiftung Nantesbuch weiht Gebäude ein

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare