Nach dem 61. Hochwasser: Klaus Kaschinski vor seinem Anwesen und dem neuen Damm in Kiensee. 
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Nach dem 61. Hochwasser: Klaus Kaschinski vor seinem Anwesen und dem neuen Damm in Kiensee. 

Hochwasseralarm in Bad Heilbrunn 

Zäher Kampf gegen die Wasserfluten in Kiensee

  • Felicitas Bogner
    vonFelicitas Bogner
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Seit 50 Jahren wohnt Klaus Kaschinski in seinem Haus gegenüber der Kapelle in Kiensee. Anfang der Woche berichtete er noch, in dieser Zeit 60-mal Hochwasser erlebt zu haben. Er sei froh über die neuen Schutzmaßnahmen. Nach den Niederschlägen zum Wochenanfang musste er nun bereits das 61. Mal gegen die Fluten kämpfen.

Bad Heilbrunn – Bei einer Baustellenbegehung mit Bürgermeister Thomas Gründl (CSU) nach Abschluss der Hochwassermaßnahmen in Kiensee war Klaus Kaschinski noch überglücklich. Endlich wurde ein vernünftiger Schutzwall gebaut, freute er sich. Endlich wurden Abflussrohre unter der Straße verlegt.

61-mal Hochwasser in 50 Jahren 

Das Haus des 81-Jährigen litt nun jedoch abermals unter den Wassermengen, die in Kiensee immer wieder zu Problemen geführt haben. „Die Stelle, an der der Reindlbach in die Loisach fließt, wurde seit 100 Jahren aus Naturschutzgründen nicht ausgehoben. Dadurch ist zu wenig Platz, dass das Wasser bei Starkregen abfließen kann“, erklärt der Wurzelschnitzer, der unter dem Spitznamen „Wurzelsepp“ bekannt ist.

20 Jahre für Schutzwall gekämpft

„Ich habe 20 Jahre gekämpft, bis die Gemeinde hier eine Firma für Hochwasserschutz engagiert hat, einen vernünftigen Damm zu bauen“, sagt er. Seit 2005 hatte er einen selbst errichteten Behelfsdamm. „Der hat aber nicht genug Wasser abgehalten.“ Zusätzlich hat sich Kaschinski einen Schacht in sein Haus gebaut, von dem aus er mittels einer Pumpe bei Starkregen das Wasser nach draußen fließen lässt. „Am Dienstag hab ich die Pumpe um 2 Uhr angeschaltet, die lief dann bis 16 Uhr“, berichtet er. Durch die Dauerbelastung bei schlechtem Wetter könne er „schon lange nicht mehr schlafen, sobald es regnet, daran habe ich mich schon gewöhnt.“

„Es war einfach eine Naturkatastrophe“

Auch wenn der neue Hochwasserschutz die Gefahr noch nicht gänzlich gebannt hat, sagt Kaschinski: „Ich bin heilfroh über den Damm. Ohne den wäre mein gesamtes Grundstück überflutet gewesen.“ Denn trotz zahlreicher Überschwemmungen in den vergangenen Jahren sei das Hochwasser am Dienstag „das schlimmste gewesen, das ich je erlebt habe“. Kaschinski suche weder Schuld bei der Gemeinde noch bei der Firma. „Es war einfach eine Naturkatastrophe“, sagt der 81-jährige erstaunlich gelassen. Er hofft, dass er bedingt durch die Maßnahmen, die auch an der Reindlschmiede getroffen werden, „nicht mehr so viel mit dem Thema kämpfen muss“. Er sei zwar noch „fit wie ein Turnschuh, aber trotzdem 81 Jahre alt und mit allem auf mich allein gestellt.“

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