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Futterstelle am Vorberg bei Obersteinbach (Bad Heilbrunn): Heinz Becker befördert derzeit täglich Heu und Maissilage aus einem Silo in mehrere Futterstände.

Hirsche füttern mit Konzept

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Bad Tölz-Wolfratshausen - Jäger sein heißt auch, Hirsche und Rehe nicht verhungern zu lassen. Die Hegegemeinschaft Isarwinkel erarbeitet gerade ein neues Fütterungskonzept – vor allem um TBC-Infektionen vorzubeugen.

Rehe und Hirsche sind nicht wählerisch: Die Vegetarier fressen Gräser, Kräuter, Laubtriebe, Beeren und vieles mehr. Doch im Winter, gerade in einem schneereichen, fällt selbst dem Rotwild die Ernährung schwer. Dann herrscht jene Notzeit, von der im Jagdrecht und im Tierschutzgesetz die Rede ist. Der Mensch muss eingreifen.

Für Wildfütterungen im Winter gibt es zwei Gründe. Erstens: Die Tiere sollen nicht verhungern. Zweitens: Auch die Natur soll nicht leiden. „Bevor der Hirsch verhungert, frisst er alles, was hergeht“, sagt Anton Krinner. Er leitet die Hochwild-Hegegemeinschaft Isarwinkel, ein Zusammenschluss von 33 Jagdrevieren. Ernährt sich der Hirsch nur von Baumrinden und Knospen, geht das nicht lange gut. „Irgendwann finden die Tiere nichts mehr und sterben“, sagt Krinner. Dann erzählt er eine tragische Geschichte aus dem Winter 2004/2005. „Bei Mittenwald hat man damals zehn tote Tiere gefunden. Sie haben 1000 Bäume geschält, bevor sie verendet sind.“

Krinner arbeitet derzeit zusammen mit dem Kreisjagdberater Vollrad von Poschinger an einem neuen Fütterungskonzept für das Rotwild. 1992 wurde so eines zuletzt aufgestellt, sagt Krinner. In den vergangenen beiden Jahren durchstreifte er sämtliche Reviere, um Futterstellen zu begutachten. 30 davon gebe es aktuell im Bereich der Hegegemeinschaft. Das wird sich bald ändern. „Wir sind fast fertig“, sagt Anton Krinner.

Anstoß zum Fütterungskonzept kam von Landrat Niedermaier 

Angestoßen hat das Fütterungskonzept Landrat Josef Niedermaier, als sich die Infektionskrankheit Tuberkulose (TBC) bei Wildtieren im Oberland häufte. Im Winter 2012/2013 kam es auch zu TBC-Fällen im Landkreis, wie Franz Steger, Leiter der Unteren Naturschutzbehörde am Landratsamt, mitteilt. Das neue Konzept soll große Wildansammlungen verhindern und damit der Infektionsgefahr vorbeugen. Das bedeutet mehr Fütterungen an mehreren Orten. „Dafür sollen nur noch 50 bis 60 Tiere zu einer Stelle kommen“, erklärt Krinner.

Geeignete Futterstellen zu finden, ist eine Herausforderung. „Keiner will sie auf seinem Grundstück haben“, sagt Krinner. Außerdem gibt es eine Menge Faktoren zu beachten: Fütterungen sind in Jungwäldern untersagt, Platz zur Futterlagerung muss vorhanden, Wanderwege dürfen nicht in der Nähe sein. Wolfgang Morlang, Vorsitzender des Kreisjagdverbands, sieht eine weitere Problematik: „Der Freizeitdruck nimmt in den Wäldern stark zu.“ Wer Rehe aufschreckt, könne Fluchtverhalten auslösen. Aber dazu reichen die Energiereserven nicht immer. „Die Tiere fahren den Stoffwechsel im Winter runter“, erklärt Morlang.

1500 Hirsche müssen in einem harten Winter gefüttert werden

In einem harten Winter müssen die Jäger allein rund 1500 Hirsche im Landkreis durchfüttern. Viele Revierpächter haben dafür Mitarbeiter angestellt. „Die sind zurzeit jeden Tag vier bis fünf Stunden beschäftigt.“ Damit alle satt werden, müssen Maissilage, Heu und Rüben teilweise schon im Herbst mit dem Lastwagen zur Lagerung herangeschafft werden. Krinner kalkuliert mit fünf Kilo pro Tag und Tier.

Veranstaltung zum Thema

„Artgerechtes Füttern zur Verbissreduzierung“ ist für alle Jagdvorsteher, Revierinhaber und Jäger ein interessantes Thema. Zu einer Infoveranstaltung lädt der Kreisjagdverband am Dienstag, 24. Januar. Referent ist Revieroberjäger Wolfgang Kampa aus Bayrischzell, der sein Konzept vorstellt. Beginn ist um 19.30 Uhr im Saal der Alten Schießstätte am Tölzer Schützenweg.

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