Gefährliche Schönheit: Kreuzkraut ist eine giftige Pflanze. Man erkennt sie an den 13 bis 15 gelben Blättern und dem gelben Blütenknopf. 
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Gefährliche Schönheit: Kreuzkraut ist eine giftige Pflanze. Man erkennt sie an den 13 bis 15 gelben Blättern und dem gelben Blütenknopf. 

Botanik 

Kreuzkraut wuchert im Landkreis 

  • Felicitas Bogner
    vonFelicitas Bogner
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Es sind hübsche sonnengelbe Blumen mit 13 bis 15 Blättern. Auf vielen Wiesen und an den Straßenrändern im Landkreis sieht man sie im Hochsommer zuhauf. Doch ihr schöner Schein trügt. Vor allem Landwirte sehen die Pflanze gar nicht gern auf ihren Flächen. Denn Kreuzkraut ist sowohl für Tiere als auch Menschen gefährlich.

Wackersberg/Bad Heilbrunn – Kreuzkraut kommt an vielen Ecken im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen vor. Vor allem Kochel am See und Herrnhausen in der Gemeinde Eurasburg sind laut vielen Beobachtungen heuer besonders betroffen. Doch es ist absolute Vorsicht geboten. Denn die gelbe Pflanze kann sowohl für landwirtschaftliches Vieh, Haustiere als auch Menschen sehr schädlich sein. Sowohl Wasserkreuzkraut als auch Jakobskreuzkraut haben eine giftige Wirkung, die sich auf die Leber schlägt.

Kreuzkraut: das gelbe Gift 

Bauern-Kreisobmann Peter Fichtner aus Bad Heilbrunn erklärt: „Das Jakobskreuzkraut ist etwas giftiger. Dafür breitet sich aber Wasserkreuzkraut rasanter aus.“ Grund dafür sei, dass Wasserkreuzkraut sehr anpassungsfähig sei und ungeachtet der Nutzungs- oder Düngungsverhältnisse streut und wächst. Die Problematik mit der gelben Blume ist nicht neu. Bereits vor fünf Jahren gab es im ganzen Landkreis Veranstaltungen, bei denen über verschiedene Aspekte aufgeklärt worden ist, und auch gemeinsam das Kraut aus Wiesen und Feldern gerupft worden ist. Leider gibt es bis dato noch kein Mittel gegen die schnelle Verbreitung.

„Die Situation spitzt sich sogar zu“, bestätigt auf Anfrage unserer Zeitung Rolf Oehler, Behördenleiter am Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) in Holzkirchen.

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Kreisbäuerin Ursula Fiechtner, die in der Gemeinde Wackersberg zuhause ist, warnt: „Wenn Kühe oder Pferde auf den Weiden das Kraut fressen, kann es lebensgefährlich für sie enden.“ Viele Tiere würden die giftige Pflanze zwar intuitiv nicht anrühren, doch „es gibt auch Ausnahmen.“

Peter Fichtner sagt zwar: „Wenn ein Tier ein oder zwei Pflanzen mit frisst, passiert noch nicht viel, aber sobald das Kraut streut, hat man keinen Einfluss mehr auf die Menge.“ Daher sei es von oberster Brisanz, dass Landwirte für diese Problematik sensibilisiert werden und regelmäßig ihre Weiden nach dem Kraut absuchen.

Kreuzkraut breitet sich rasant aus

Ein noch größeres Problem sei jedoch, wenn das Kraut beim Mähen übersehen werde. „In Form von Heu, Grummet oder Silage fressen es dann alle Tiere mit“, mahnt Ursula Fiechtner. In Folge des Verzehrs könne es passieren, dass die Tiere krank werden, verkalben oder gar sterben.

Das beste Mittel im Kampf gegen die giftige Pflanze ist laut der Kreisbäuerin, das Kraut an der Wurzel sorgfältig zu entfernen. „Es gibt dafür auch spezielle Wurzelstecher“, sagt sie. Dabei sollte man sich jedoch mit langen Handschuhen gut schützen. Denn: „Die giftigen Stoffe können bei zu viel Berührung über die Haut in den Körper gelangen.“ Auch beim Menschen schlage sich das auf die Leber.

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Peter Fichtner rät dazu, das ausgestochene Kraut nicht in die Nähe des Hofes zu bringen. „Sonst geht man die Gefahr ein, dass es dort streut. Ich verbrenne die ausgerissenen Pflanzen in einer Hackschnitzelheizung.“

Aufklärung und Schulung gefordert

Aufklärung ist laut Oehlert nach wie vor das A und O. Heuer würden kaum Veranstaltungen zur Problematik vom AELF abgehalten werden können. „Wir können nicht einschätzen, wie viele Leute dann kommen.“ Wenn es so wie in den Vorjahren werden würde, „wäre das mit Blick auf die Corona-Lage nicht zu verantworten“, erklärt er. Es gebe zum jetzigen Zeitpunkt die Überlegung Kommunen vermehrt zu schulen. „Die haben ja den ersten Kontakt, wenn das Kraut an den Straßenrändern sprießt und sich von da aus verbreitet“, sagt der Behördenleiter. Es sei wichtig, dass jeder über die Pflanze informiert ist. „Sobald man Jakobskreuzkraut in seinem Garten sieht, muss man es sofort entfernen“, so Oehlers Appell.

Ursula Fichtner würde sich wünschen, dass die „Bauhofmitarbeiter der Gemeinden auf das Erkennen dieser gefährlichen Schönheit geschult werden.“ Sie nimmt auch an, dass viele Menschen die Pflanze im Garten stehen lassen, da sie sich der Gefahr nicht bewusst sind.

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