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Die Flächen rund um Gut Nantesbuch und Gut Karpfsee sollen landschaftlich und ökologisch aufgewertet werden.

Stiftung Nantesbuch

Mehr Möglichkeiten für die Natur

  • Veronika Ahn-Tauchnitz
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Das weitläufige Gelände rund um Gut Nantesbuch gehört zu den schönsten Flecken in Oberbayern. Auf rund 200 Hektar plant die Stiftung Nantesbuch nun langfristig eine landschaftliche und ökologische Aufwertung.

Bad Heilbrunn„Wir schaffen keine Landschaftsparks, das ist nicht unser Ziel“, erklärt Stiftungs-Geschäftsführer Konstantin Reetz zu der geplanten Aufwertung auf den Flächen rund um Gut Nantesbuch. Vielmehr geht es an vielen Stellen einfach darum, der Natur wieder Raum zu geben und von Menschenhand geschaffene Eingriffe rückgängig zu machen.

Mit der Unterstützung von Experten und unter wissenschaftlicher Begleitung ist in den vergangenen Monaten ein Konzept entstanden. Darin sind fünf Planungsräume definiert.

Im Süden von Gut Karpfsee gibt es Hoch- und Niedermoore. Um die Flächen für die Landwirtschaft nutzbar zu machen, wurden in früheren Zeiten allerdings Drainagegräben eingezogen, die Grundstücke so weitgehend trockengelegt. Standortfremde Gehölze wie Fichtenmonokulturen wurden angesiedelt. Ziel sei es jetzt, durch das Schließen der Gräben die Moore wieder zu vernässen und die Flächen miteinander zu vernetzen. Die Fichtenmonokulturen sollen standortgerechten Moorwäldern aus Moorbirken, Erlen oder auch Kiefern Platz machen. „Wir hoffen, dass wir für diese kleinen Flächen Urnatur so eine Zukunft schaffen können“, sagt Reetz. In den Randbereichen sollen Pufferzonen entstehen. „Das sind die Bereiche, die für den Menschen zugänglich sind, damit er sich die Entwicklung anschauen kann.“

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Planungsraum zwei befindet sich an der nördlichen Geländegrenze. Die Flurstücke werden derzeit land- und vor allem forstwirtschaftlich genutzt. Die Fichtenmonokultur verschwindet dort aber bereits Stück für Stück – und zwar auf ganz natürliche Weise, beispielsweise durch Windwurf. Überhaupt soll die Natur in diesem Bereich in erster Linie sich selbst überlassen werden. „Sie darf sich hier natürlich wandeln“, verdeutlicht Reetz. Ein lichter Moorwald ist das Ziel. Auf den Offenlandgebieten soll die Nutzung deutlich verringert werden, um so eine Heimat für Bodenbrüter zu schaffen.

Wichtig in dem Konzept sind die Wasserflächen. „Fast alle Flächen entwässern bei uns in den Haselbach“, sagt Reetz. Dieser hat seit heuer ein neues Bett. Er wurde aus seinem engen, von Menschenhand geschaffenen Korsett befreit. Jetzt windet er sich wieder kurvenreich durch die Landschaft und darf bei Hochwasser bestimmte Bereiche überschwemmen. Im Wasser und an Land entsteht so eine ganz neue – oder alte – Artenvielfalt. Die Auen werden durch Ganzjahresbeweidung durch Auerochsen und Exmoor-Ponies von hohem Bewuchs freigehalten.

Diese extensive Ganzjahresbeweidung durch Rinder und Pferde ist auch das Ziel für den Planungsraum vier „Heu und Weide“. So soll die Artenvielfalt dort ebenfalls gefördert werden. Einige der Flächen in diesem Bereich sind allerdings derzeit verpachtet. Hier müsse man sehen, wie man die Pächter in die Konzeption miteinbinden könne, so Reetz.

Spannend sind die Entwicklungen, die im Planungsraum fünf vorgesehen sind, der sich rund um Gut Nantesbuch erstreckt. Hier gesellt sich zur Natur die Nutzung durch den Menschen. Kräuter-, Obst- und Gemüseanbau soll dort stattfinden. Bereits jetzt im Herbst soll die erste Hangterrasse für den Gartenbau entstehen. „Wir haben auch eine eigene Gärtnerin, die das begleitet“, sagt Reetz. Aber auch mit örtlichen Unternehmen wie dem Hofgut Letten gibt es Kooperationen. „Saisonale und regionale“ Produkte sollen so in die Küche des Seminarbetriebs auf Gut Karpfsee kommen. Streuobst- und Kräuterwiesen, die Bienen und anderen Insekten Nahrung bieten, sowie ein Versuchsacker komplettieren das Angebot. Darüber hinaus sollen Nutztiere wie Hühner, Schafe und Schweine gehalten werden.

Die Umsetzung des Konzepts ist übrigens nichts, was sich innerhalb weniger Monate machen lässt. „Wir wollen es ja richtig machen“, sagt Reetz. Und die Natur brauche Zeit. Man denke hier eher in Jahrzehnten, in denen sich die Flächen wandeln dürfen.

Im Benediktbeurer Moor stattete Umweltminister Marcel Huber am Mittwoch einem besonderen Naturschutz-Projekt einen Besuch ab.

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