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So sah es beim Augusthochwasser 2005 in Hohenbirken aus. Auch 1999 und 2013 war der Ortsteil abgeschnitten.

Heilbrunner Anliegerversammlung

Mehr Schutz vor Loisach und Reindlbach

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Um den Hochwasserschutz am Reindlbach und in Hohenbirken ging es in einer Versammlung in der „Reindlschmiede“. Wasserwirtschaftsamt und Planer stellten die angedachten Maßnahmen vor.

Bad Heilbrunn – Schon vor einem Jahr hatten sich die Anlieger des Reindlbachs mit den Vorschlägen von Planer Georg Kokai auseinandergesetzt – in durchaus hitzigen Diskussionen. Kritisch betrachtet wurde unter anderem der geplante Wildholzrechen, direkt vor der Stelle, an der der Bach unter der B 11 hindurchführt. „Wir haben kontrovers diskutiert, ob er sinnvoll ist“, sagte Kokai. „Gemeinsam mit dem Wasserwirtschaftsamt sind wir zur Auffassung gekommen, dass er entfallen kann“, so der Planer. Die Kosten für den Rechen seien hoch, zudem brauche man eine Zugangsmöglichkeit und müsse sich um den Unterhalt kümmern. „Das erscheint unverhältnismäßig.“ Stattdessen werde nun versucht, mehr Wasser unter der B 11-Brücke durchzuschleusen. „Dazu senken wir die Bachsohle im Schnitt um 25 Zentimeter ab.“

Ein Stück weiter macht der Bach im Bereich der Parkplätze an der „Reindlschmiede“ eine Kurve. Hier soll eine“ Flutmulde angelegt werden, die ab einem gewissen Hochwasserstand überströmt wird. „Wie tief ist denn diese Mulde?“, wollte ein Anwohner wissen. „Bei weitem nicht so tief wie das Bachbett“, antwortete Kokai. „Vom jetzigen Stand werden wir etwa 70 Zentimeter abtragen.“ Die Bachsohle selbst soll zudem im Kurvenreich stabilisiert werden. Außerdem werden die Steinsicherungen, „überall dort, wo das Wasser angreifen kann“, verbessert. „Insgesamt ist die Maßnahme aber überschaubar“, sagte Kokai.

Für Kiensee ist bei den Planungen alles beim Alten geblieben. Im Großen und Ganzen werden hier Rohre das Wasser aus den Überschwemmungsflächen des Bachs schneller ableiten.

Bürgermeister Thomas Gründl betonte, dass der Gemeinderat noch keinen Beschluss gefasst hat. Der soll aber in den kommenden zwei Monaten erfolgen. „Eine Lösung, mit der jeder zufrieden ist, wird es wahrscheinlich nicht geben.“ Er bat darum, hier auf die Meinung der Experten zu hören.

Deiche oder Mauernfür Hohenbirken

1999, 2005, 2013 – bei allen drei Hochwassern war Hohenbirken von der Außenwelt abgeschnitten. Überlegungen, wie man den Heilbrunner Ortsteil vor der Loisach schützen könnte, gibt es schon länger. Aber oberste Priorität hatten die Pläne beim Wasserwirtschaftsamt zuletzt nicht – bis die Gemeinde sanften Druck machte. Peter Gröbl und Franziska Marten von der Weilheimer Behörde erläuterten die verschiedenen Varianten. „Es geht immer nur um Objektschutz“, betonte Marten. Sprich: Die Straße wird weiter überflutet, aber die Häuser bleiben trocken.

Im Mittelpunkt stehen Sicherungsmaßnahmen für Gebäude im Norden und Süden von Hohenbirken und in Unterkarpfsee. Im Prinzip gibt es immer die gleichen Alternativen: den Bau einer Mauer oder eines Deichs. Letzterer würde „so angelegt, dass er bewirtschaftbar bleibt“, erklärte Gröbl. Für einige Bereiche wären auch mobile Lösungen denkbar – zumindest theoretisch. „Darunter versteht man Stahltafeln, die an Fenstern und Türen angebracht werden“, sagte Marten. Das Problem ist, dass man hier im Hochwasserfall tatsächlich aktiv tätig werden muss. Feuerwehr oder Gemeinde müssten sich um das Anbringen des Schutzes kümmern, damit das Wasser auch abgehalten wird, wenn die Hausbewohner gerade nicht vor Ort sind. Um einige mobile Elemente kommt man allerdings auch bei Damm- oder Mauerlösung nicht herum. An der einen oder anderen Stellen müssten nämlich sogenannte Dammbalkenverschlüsse gesetzt werden, um beispielsweise Einfahrten zu schützen. Generell seien die Deichlösungen natürlich die „deutlich schöneren“, sagte ein Zuhörer. „Das ist ja sonst furchtbar, wenn man da auf diese Betonwand schaut.“

Die Kosten belaufen sich – je nach Variante – auf mindestens 1,1 Millionen Euro. Je die Hälfte tragen Gemeinde und Freistaat. Im nächsten Schritt will Rathauschef Gründl nun Gespräche mit den Anliegern führen. „Wir setzen das natürlich nur um, wenn die das auch wollen. Jemandem was aufs Auge zu drücken, hat keinen Sinn.“ Kann man sich auf eine Vorzugsvariante einigen, wird weiter geplant.

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