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Gegen das Pflanzenschutzmittel Glyphosat gibt es immer wieder Proteste. Die Molkerei Berchtesgadener Land hat ihren Zulieferern nun die Verwendung untersagt.

Landwirtschaft

Mit Glyphosat-Verbot „können wir leben“

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Die Molkerei Berchtesgadener Land, an die die meisten Milchbauern im Landkreis liefern, hat ihren Partnern die Verwendung von Glyphosat verboten. Auch bisher schon kam der Unkrautvernichter in der Region nur in geringem Umfang zum Einsatz.

Bad Tölz-Wolfratshausen– Auf EU-Ebene wird derzeit noch heftig gestritten, ob und für wie viele Jahre die Genehmigung für den Unkrautvernichter Glyphosat verlängert werden soll. Zu einer schnelleren und klareren Antwort ist vor wenigen Tagen die Molkerei Berchtesgadener Land gelangt: Der Aufsichtsrat beschloss, seinen Zulieferern jeglichen Einsatz von „Totalherbiziden“ wie Glyphosat zu verbieten (wir berichteten überregional).

Dieser Schritt ist auch für den Landkreis von Bedeutung. Die meisten hiesigen Bauern liefern ihre Milch an „Berchtesgadener Land“. Andererseits: In der Praxis kommt das Pestizid hier ohnehin nur in „sehr überschaubarem“ Umfang zum Einsatz, wie Peter Fichtner, Kreisobmann des Bayerischen Bauernverbands (BBV), erklärt.

„Manche haben Glyphosat-Packungen daheim, auf denen der Preis noch in D-Mark ausgeschrieben ist“, sagt Fichtner. Wenn überhaupt, werde der umstrittene Unkrautvernichter in der Grünland-Bewirtschaftung zur „Einzelpflanzenbehandlung“ verwendet. „Dann wird es mit einem Dochtstreichgerät nur auf die zu behandelnden Pflanzen aufgetragen.“ Auf diese Weise rücken die Landwirte zum Beispiel dem Ampfer zu Leibe. Es sei aber schon rein körperlich eine sehr aufwendige Methode, meint Fichtner.

Eine andere mögliche Anwendung des Pestizids sei die Grünlanderneuerung – sprich: die Beseitigung des kompletten Bewuchses, um auf der Fläche neues Gras auszusäen. Da sei es – statt zu ackern – eine denkbare zeitsparende Methode, die ganze Fläche mit Glyphosat zu behandeln, denn das Pestizid tötet jeglichen Bewuchs ab. So etwas „ist aber ein absoluter Einzelfall“, sagt Fichtner. Ihm selbst ist seit vielen Jahren kein solches Vorgehen im Landkreis bekannt.

Und doch war es offenbar ein derartiger flächiger Einsatz von Glyphosat, der den Anstoß zum Verbot bei „Berchtesgadener Land“ gab. Der BR hatte berichtet, dass in Traunstein ein Zulieferer der Molkerei das Pestizid aus dem Hause Monsanto großzügig auf seiner Weide verteilte. Das schlug hohe Wellen, am Ende stand der Beschluss, dass die Milchwerke den Verzicht auf Glyphosat in ihre Lieferbedingungen aufnehmen – als erste Großmolkerei in Deutschland.

Peter Fichtner findet das auch in Ordnung so. „Mit diesem Verbot können wir alle leben.“ Zur Einzelpflanzenbehandlung mit Glyphosat gebe es Alternativen, und auch wenn diese unter Umständen etwas teurer wären, sei das zu verschmerzen. Der Heilbrunner Nebenerwerbslandwirt findet es nur konsequent, wenn „Berchtesgadener Land“ den Markenkern ihrer „Bergbauernmilch“ unterstreicht: ein gesundes, faires Produkt, „bei dem nicht der Hauch eines Zweifels aufkommen soll“, so Fichtner.

Schon schwieriger fände es der BBV-Kreisobmann, wenn – wie bei der Gentechnik – auch nachgewiesen werden müsste, dass sich der Verzicht bis auf die Futtermittellieferanten erstreckt. „Bei der Gentechnik ist das leicht, weil in Deutschland kein genverändertes Soja, Raps oder Mais zugelassen sind“, sagt Fichtner. „Aber Glyphosat ist in Deutschland nun einmal zulässig.“ Zu beweisen, dass es in der gesamten Nahrungskette der Milchkühe nicht vorkommt, könne teuer werden. Das bleibe am Ende am Landwirt oder am Verbraucher hängen.

Und was hält Fichtner von einem generellen Verbot von Glyphosat? „Ich kann da beide Seiten verstehen“, sagt der Heilbrunner. Solange der Unkrautvernichter legal sei, könne man einem Bauern nichts vorwerfen, wenn er ihn benutzt. Bei einem Verbot sieht Fichtner die Gefahr eines Wettbewerbsnachteils. Andererseits weiß er auch um die mögliche krebserregende Wirkung von Glyphosat. „Ob es so ist, wissen wir alle nicht, aber ich verstehe, dass man über ein Verbot nachdenkt.“

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