Amtsgericht

Morddrohung frei erfunden

Der Vorwurf klang dramatisch: Mit den Worten „Ich bring dich um“ soll ein Heilbrunner bedroht worden sein. In der Verhandlung hörte sich das plötzlich ganz anders an.

Bad Tölz-Wolfratshausen Der Richter wirkte leicht verärgert. „Wir sitzen hier, weil Sie etwas sagen, was nicht stimmt“, sagte er dem Zeugen. Der 35-jährige Arbeitslose aus Bad Heilbrunn hatte einen langjährigen Freund auf die Anklagebank gebracht, weil dieser ihm in einer Arztpraxis in Wolfratshausen gedroht habe: „Ich bring dich um.“ Beim Verlassen des Wartezimmers soll der Angeklagte dies mit einer eindeutigen Geste – er strich sich mit der flachen Hand am Hals entlang – unterstrichen haben. So hatte es der Zeuge kurz nach dem Vorfall am 12. Januar dieses Jahres in seiner Anzeige bei der Polizei zu Protokoll gegeben.

Vor Gericht nahm der Mann so ziemlich alle Anschuldigungen zurück. Der Angeklagte, der die Vorwürfe komplett abstritt, habe ihn, als sie sich zufällig im Wartezimmer des Arztes begegnet seien, auf alte Schulden angesprochen. 300 Euro für eine Sonnenbrille, zahlbar seit zweieinhalb Jahren. „Da wäre ich auch sauer“, zeigte Richter Helmut Berger Verständnis für den Unmut des Angeklagten, während der Zeuge stammelnd weiter erzählte. Er habe seinem Ex-Freund erklärt, dass er kein Geld habe, woraufhin dieser ihm gesagt habe: Ich würde dir am liebsten was aufs Maul hauen. „Das war mir unangenehm, wegen der anderen Leute im Raum“, erläuterte der Zeuge, weshalb er kurz darauf bei der Polizei vorstellig geworden war. „Ich war echt stinksauer.“ Diesem Zustand kamen sich Richter und Staatsanwalt immer näher, als der Mann im Zeugenstuhl, mit den Händen hilflos herumfuchtelnd, erklärte: „Die letzte Geste stimmte nicht.“

Der Angeklagte wurde freigesprochen. In seinem letzten Wort hatte er erklärt, er sei „traurig, dass nicht besser nachgeforscht wurde“ und es zu der Verhandlung hatte kommen müssen. Die wäre ihm vermutlich auch erspart geblieben, wenn er die Justiz in der Vergangenheit nicht schon mal beschäftigt gehabt hätte. Den Zeugen ermahnte der Richter „beim nächsten Mal keinen Schmarrn erzählen. Das macht vielen Leuten Arbeit.“  rst

Rubriklistenbild: © dpa

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