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Mountainbiker im Isarwinkel: Die Region ist ein wichtiger Anziehungspunkt für Bergradler. Doch die Sportart birgt auch Konfliktfelder in den Bereichen Unfallgefahr und Naturschutz. 

Machbarkeitsstudie schreitet voran

Mountainbiken mit Konzept

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In der oft emotional geführten Debatte ums Mountainbiken im Landkreis stellt Prof. Thomas Bausch vom Alpenforschugsinstitut Seeshaupt eine Versachlichung fest. Er arbeitet derzeit an einer Studie, die klären soll, ob ein Mountainbike-Konzept machbar ist.

Bad Tölz-Wolfratshausen – Rowdys auf Trails, Hinweisschilder in der Jachenau und Rad-Touristen, die Geld bringen: 2016 diskutierte man im Landkreis viel über Mountainbiker – oft sehr emotional. Im Herbst 2016 beauftragte das Landratsamt das Alpenforschungsinstitut in Seeshaupt mit einer Machbarkeitsstudie. Die Frage lautete: Ist ein großes Mountainbike-Konzept für den Landkreis realisierbar? Fast ein Jahr später sagt Professor Thomas Bausch, der die Studie am Ende zu Papier bringen wird: „Eine Versachlichung der Diskussion ist gelungen.“ Man habe nun eine gute Grundlage, um über die ausgemachten Konflikte zu sprechen.

Unterhalten haben sich die Interessensgruppen in zwei Sitzungen, Bausch nennt sie „Workshops“. Am Tisch saßen Vertreter von Landratsamt, Naturschutzverbänden, Landwirtschaft und Forsten, Fahrradclubs, Alpenverein und der Deutschen Initiative Mountainbike. Das teilt Landratsamts-Sprecherin Sabine Schmid auf Nachfrage mit. Neben der Stadt Tölz seien auch sechs vom Rad-Tourismus betroffene Gemeinden einbezogen worden: Lenggries, Jachenau, Wackersberg, Gaißach, Kochel am See und Bad Heilbrunn. „Die Sitzungen sind in sehr konstruktiver Atmosphäre abgelaufen“, sagt Bausch, der die Workshops leitete. Angesprochen auf die behandelten Konfliktfelder nennt er Unfallgefahren oder die Einflüsse der Mountainbiker auf Naturschutzgebiete. „Scheue Tiere werden zum Beispiel in bestimmten Jahreszeiten gestört.“

Rücksichtslose Biker, die Wege beschädigen, seien kein zentrales Thema in den Gesprächen gewesen. Unbelehrbare Menschen gebe es in Einzelfällen überall – auch an der Supermarktkasse oder im Straßenverkehr. „Das lässt sich mit keinem Konzept dieser Erde lösen.“ Im Gegensatz zu rechtlichen Fragen wie: Wer haftet für einen ausgewiesenen Mountainbike-Weg? Der Grundstückseigentümer oder die Kommune?

Die Ergebnisse der Machbarkeitsstudie werde Bausch noch im Spätsommer den Bürgermeistern im Isarwinkel vorlegen. Es wird eine Art Gegenüberstellung sein, wie der Tourismus-Professor, der auch an der TU München lehrt, erklärt: „Auf der einen Seite: Was spricht für ein Konzept, und welche Schritte sind dafür nötig? Und auf der anderen: Was folgt daraus, wenn man sich gegen ein Konzept entscheidet?“

Im Südschwarzwald zum Beispiel sind über 8500 Kilometer Wege für Mountainbiker ausgewiesen – inklusive einheitlicher Beschilderung. Das 66 Seiten dicke „Mountainbike-Handbuch“, herausgegeben vom Naturpark Südschwarzwald, könnte ein Vorbild für den Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen sein. Man muss dazu sagen, dass es sich als „Offensive für den Mountainbike-Tourismus“ versteht. Aber es macht auch deutlich, was so ein Konzept sein soll – ein Leitfaden für Kommunen, Sportorganisationen und Tourismusinstitutionen.

Auf die Frage, wie wahrscheinlich ein Landkreis-Konzept sein wird, antwortet Thomas Bausch vom Alpenforschungsinstitut vorsichtig. Die nächsten Schritte lägen in den Händen der Lokalpolitiker. Eines lässt er aber durchblicken: „Nach meinem Eindruck findet es die Mehrheit sinnvoll, so etwas zu machen.“

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